Prisma

Orale Ohrenstöpsel

Synapsen in der Hörschnecke lassen sich schützen

us | Schäden am Gehör, die durch laute Geräusche verursacht wurden, sind in der Regel irreversibel. Eine Ursache dafür kann eine massive Überflutung von Synapsen der Hörschnecke im Innenohr mit dem Neurotransmitter Glutamat sein. Glutamat wirkt in hohen Konzentrationen excitotoxisch auf die Nervenzellen, das heißt die Überreizung schädigt die Zellen und führt letztendlich zu ihrem Absterben.

Foto: Christiana Vienna - stock.adobe.com

Zukunftsmusik Kann man die Synapsen im Ohr vor lauter Musik schützen?

Biologen der Universität Iowa konnten nun einen Rezeptor identifizieren, der mit für den Gehörverlust verantwortlich ist. Es handelt sich um einen Glutamat-Rezeptor, der als Calcium-Kanal fungiert und nach dem synthetischen Agonisten AMPA (α-Amino-3-hydroxy-5-methylisoxazol-4-propionsäure) benannt ist (CP-AMPAR). Die Forscher testeten einen Inhibitor für den Rezeptor (IEM-1460) an Mäusen. Werden die Tiere für zwei Stunden mit Geräuschen einer Lautstärke von 100 Dezibel beschallt, verlieren sie einen Teil ihres Hörvermögens. Wird der CP-­AMPA-Rezeptor auf den Haarzellen in ihrem Innenohr durch IEM-1460 blockiert, kommt es trotz des Lärmpegels zu keinem Gehörverlust. Die Substanz funktioniert also wie ein Ohrenstöpsel, nur ohne die geräuschdämpfende Wirkung. Eines Tages können sich Bauarbeiter vielleicht durch eine Tablette mit einem CP-AMPAR-Inhibitor vor Gehörschäden durch Baulärm schützen ohne von den Umgebungs­geräuschen abgeschnitten zu sein. Oder vor der Konzerthalle werden Pillen verkauft, damit sich die Besucher ohne Bedenken den überlauten elektrischen Gitarren aussetzen können. |

Literatur

Hu N et al. Protection of cochlear synapses from noise-induced excitotoxic trauma by blockade of Ca2+-permeable AMPA receptors. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 2020, doi:10.1073/pnas.1914247117

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.