Prisma

Neuer Ansatz zur Behandlung chronischer Schmerzen

Heidelberger Forscher haben einen neuen Ansatz für die Behandlung chronischer Schmerzen gefunden. Sie blockieren bei peripheren Nervenendigungen eine Untereinheit des AMPA-Rezeptors und beeinflussen darüber die Schmerzweiterleitung im ZNS.

Synaptische glutamaterge Rezeptoren im Rückenmark und Gehirn gelten als wichtigste Anzünder des Schmerzgedächtnisses. Ihr therapeutisches Potenzial konnte bislang aufgrund schwerer zentraler Nebenwirkungen jedoch nicht ausgenutzt werden. Heidelberger Wissenschaftler um Vijayan Gangadharan setzten in einem Versuch nun Mäuse ein, bei denen die Untereinheit eines bestimmten Glutamat-Rezeptor-Typs, AMPA-Rezeptor genannt, in peripheren Nerven ausgeschaltet war, während die AMPA-Rezeptoren im Rückenmark und Gehirn der Tiere intakt waren. Die Rezeptor-Untereinheit zeichnete sich dadurch aus, dass bei Einwirkung von Glutamat Calcium in die Nervenzelle einströmte. Wurden entsprechende Mäuse chemischen und mechanischen Schmerzreizen ausgesetzt, reagierten sie weniger stark darauf als Kontrolltiere.

"Die neuen Erkenntnisse aus dieser Studie zeigen, dass nicht-synaptische glutamaterge Rezeptoren in peripheren Nerven eine wichtige Tor-Funktion bei der Weiterleitung von Schmerzsignalen in das zentrale Nervensystem spielen", so das Fazit von Gangadharan. Die gezielte Ausschaltung von peripheren glutamatergen Rezeptoren könnte also eine Linderung chronischer Schmerzen ohne erhebliche zentrale Nebenwirkungen ermöglichen. Die Studienautoren sehen damit den Weg für die Entwicklung eines Medikamentes eröffnet, das gezielt die molekularen Grundlagen von chronischem Schmerz angreift.


ral


Quelle: Gangadharan, V. et al.: J. Clin. Invest. 2011; 121(4): 1608 – 1623



DAZ 2011, Nr. 22, S. 8

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