Blutsauger in Deutschland

Wissenschaftler im Kampf gegen Stechmücken

Berlin - 30.06.2016, 08:00 Uhr

Besorgte Mücken-Forscherin: Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. 

Besorgte Mücken-Forscherin: Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. 


Sie brüten in Gartenkolonien, auf Friedhöfen, in Autoreifen: Mücken sind nicht nur lästig. Manche können Erreger gefährlicher Krankheiten übertragen. Immer häufiger tauchen solche Arten in Deutschland auf. Forscher sind alarmiert.

 Interesse an der Mücke war mit ihrer Gefahr gewichen

Damit sich die Eier der Mücken-Weibchen entwickeln können, brauchen sie Eisen und Proteine. Diese gewinnt der Plagegeist aus seinen Blutmahlzeiten. Ihre Beute findet die Mücken-Dame besonders durch das Kohlendioxid (CO2) in der ausgeatmeten Luft.

„Dabei interessiert zwei Drittel der uns bekannten heimischen Stechmücken Menschenblut gar nicht. Sie ernähren sich von dem Blut anderer Säugetiere oder von Vogelblut“, sagt Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. 

An seinem Arbeitsplatz in Hamburg forscht Tannich zu Mücken, die Krankheitserreger übertragen. Dafür stehen ihm Labore der höchsten Sicherheitsstufe zur Verfügung. Das war nicht immer so. Über Jahrzehnte lag die Mückenkunde in Deutschland brach.

Denn das Interesse an der Mücke war mit ihrer Gefahr gewichen: Nachdem Malaria in den Fünfzigerjahren in Deutschland für ausgerottet erklärt wurde, geriet die Mücke als Überträger von Krankheitserregern aus dem Blickfeld. Dann befiel 2006 die Blauzungenkrankheit ganze Rinder- und Schafherden. Mehr als 25.000 Seuchenfälle wurden registriert. Virusüberträger waren winzige, gerade mal drei Millimeter kleine Insekten: Die in Deutschland beheimateten Culicoides aus der Mückenfamilie der Gnitzen (Ceratopogonidae). 

Politik und Wissenschaft waren alarmiert. „Entscheidungsträger hatten unsere einheimischen blutsaugenden Insekten nicht mehr als Überträger von Krankheitserregern im Verdacht. Die Vorfälle waren ein Weckruf“, sagt Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. 



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