Arzneimittel und Therapie

Impfen gegen Diabetes?

Weniger Neuerkrankungen nach Rotavirus-Immunisierung

Die Inzidenz von Typ-1-Diabetes hat über die letzten Jahrzehnte stetig zugenommen. Neuere Daten deuten jedoch darauf hin, dass es in jüngster Zeit weniger Neuerkrankungen gibt. Dies könnte eine Folge der vor wenigen Jahren eingeführten Immunisierung gegen Rotaviren sein.

Rotavirus-Infektionen sind bei Kindern mit der Entwicklung eines Diabetes vom Typ 1 in Verbindung gebracht worden. Nun haben Australische Forscher die Hypothese aufgestellt, dass bei Kindern eine Impfung gegen Rotaviren vor Typ‑1-Diabetes schützen könnte. Anhand von Informationen aus öffentlich zugänglichen Datenbanken haben die Wissenschaftler um Kirsten P. Perrett von der Universität Melbourne die Inzidenz von Typ-1-­Diabetes bei australischen Kindern vor und nach Einführung der oralen Rotavirus-Immunisierung bestimmt. In Australien ist die Rotavirus-Impfung im Mai 2007 für alle Kinder ab einem Alter von sechs Wochen eingeführt worden.

Neu diagnostizierte Diabetesfälle werden in Australien fast ausnahmslos im National Diabetes Service Scheme registriert. Zwischen den Jahren 2000 und 2015 (acht Jahre vor und acht Jahre nach Einführung der Immunisierung gegen Rotaviren) sind dort Daten von 16.159 Kindern im Alter von null bis 14 Jahren erfasst worden, was einer mittleren Erkrankungsrate von 12,7 Fällen pro 100.000 Kindern entspricht. In den Jahren nach Einführung der Rotavirus-Immunisierung war bei Kindern im Alter von null bis vier Jahren die Anzahl der Neuerkrankungen um 14% reduziert (errechnete Inzidenzrate 0,85; 95%-Konfidenzintervall 0,74 bis 0,99). In der Altersgruppe der Fünf- bis Neunjährigen und bei Kindern zwischen zehn und 14 Jahren wurde kein Unterschied zwischen den Zeiträumen vor und nach Einführung der Impfung beobachtet – weder in der Anzahl der neu diagnostizierten Diabetes-Fälle noch im zeitlichen Verlauf.

STIKO-Empfehlungen

Die Schluckimpfung mit einem oralen Lebendimpfstoff gegen Rota­virus wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch in Deutschland als Standardimpfung empfohlen. Die erste Impfung sollte bereits ab dem Alter von sechs Wochen erfolgen, je nach verwendetem Impfstoff sind zwei (Rotarix®) bzw. drei (RotaTeq®) Impfstoffdosen im Abstand von mindestens vier Wochen erforderlich.

[Quelle: Empfehlungen der STIKO beim Robert Koch-Institut – 2018/2019. Epidemiologisches Bulletin Nr. 34, 2018]

Mit dieser Studie wird erstmalig gezeigt, dass eine Immunisierung gegen Rotaviren in der frühen Kindheit einen protektiven Effekt hinsichtlich der Entstehung eines Diabetes vom Typ 1 haben könnte. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass eine weitere Studie zu dieser Fragestellung mit finnischen Kindern keine schlüssigen Ergebnisse brachte. Möglicherweise spielen geografische Faktoren im Zusammenhang mit Unterschieden in der Genetik und Umweltfaktoren eine Rolle. Weitere Studien sind nötig, um den Zusammenhang zwischen einer Rotavirus-Immunisierung und der Entwicklung eines Typ-1-Diabetes aufzuklären. |

Quelle

Perrett KP et al. Association of rotavirus vaccination with the incidence of type 1 diabetes in children. JAMA Pediatr 2019; doi:10.1001/jamapediatrics.2018.4578

Apothekerin Dr. Daniela Leopoldt

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