Prisma

And the winner is ... Magnetospirillum!

Mikrobe des Jahres 2019

rr | Verliehen wird der Preis den gramnegativen, beweglichen Proteo­bakterien für ihre Fähigkeit, intrazellulär Nanopartikel aus Magnetit oder Greigit zu kristallisieren und sich mit deren Hilfe am Erdmagnetfeld auszurichten – ein Merkmal, das sie auch für die Medizin inte­ressant macht.
Foto: Gerhard Wanner
Die magnetischen Pole der Erde helfen Vertretern der Gattung Magnetospirillum, sich in der richtigen Wasser­tiefe auszurichten.

Vertreter der Gattung Magnetospirillum besitzen Enzyme, die Eisenionen aus der Umgebung in die Bakterienzelle transportieren. In spezifischen Organellen, den sogenannten Magnetosomen, findet die Kristallisation der anorganischen Eisenminerale statt. Ein Zellskelett aus langen Proteinfäden sorgt dafür, dass diese Kristalle gleichmäßig zu Ketten aufgereiht werden und in der Zelle nicht durch magnetische Wechselwirkung verklumpen. Ketten aus 15 bis 30 Eisenoxid-Kristallen wirken schließlich wie ein intrazellulärer Stabmagnet. Dieser Kompass hilft den Bakterien bei der Orientierung.

Bemerkenswert: Die winzigen Magnete haben eine einheitliche Größe, Form und eine hohe Magnetisierung, die synthetische Nanopartikel nicht erreichen. Forscher versuchen, die Magnetosomenpartikel gentechnisch zu verändern und sie mit für die Medizin nützlichen Eigenschaften aus­zustatten. Laborversuche zeigen, dass isolierte Magnetosomen die Wirk­samkeit kommerzieller magnetischer Kontrastmittel deutlich übertreffen. Zudem erzeugen sie in Zellen oder Geweben Wärme, wenn ein starkes Magnetfeld angelegt wird – in Tierversuchen ließen sich damit Tumoren verkleinern.

Die Mikrobe des Jahres wird seit 2014 von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) gekürt, um auf die Vielfalt der mikrobiologischen Welt aufmerksam zu machen. |

Quelle

Mikrobe des Jahres 2019. Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). www.vaam.de; Abruf am 07. Januar 2019

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