Arzneimittel und Therapie

Coffein verstärkt Opioid-Wirkung

Co-analgetischer Effekt bei Fibromyalgie gezeigt

In einer Studie wurde ein schwacher, aber signifikanter co-analgetischer Effekt von Coffein bei Opioid-pflichtigen Fibromyalgie-Patienten gezeigt. Diese Wirkung trat vor allem bei geringem und moderatem Coffein-Konsum auf und betraf nur einzelne Komponenten des Schmerzsyndroms.
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Schon eine Tasse Kaffee kann dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren. Dabei entspricht eine Tasse Kaffee rund 100 mg Coffein.

Die co-analgetische Wirkung von Coffein als Partner von Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol ist bekannt und gut dokumentiert (s. Kasten „Coffein als Adjuvans bei akuten Schmerzen“). Weniger erforscht ist hingegen, ob Coffein auch die Wirkung von Opioid-Analgetika bei chronischen Schmerzpatienten mit Fibromyalgie verstärken kann. Eine amerikanische Studie nahm sich daher dieser Fragestellung an. Dazu wurden 962 Patienten mit Fibromyalgie aus­gewählt, von denen ein Teil Opioide einnahm, der andere Teil nicht. Diese zwei Gruppen wurden nach ihrer Coffein-Zufuhr in vier Untergruppen eingeteilt: kein Coffein-Konsum, geringer Konsum (weniger als eine Tasse eines Coffein-haltigen Getränks pro Tag), moderater Konsum (1,5 bis 2,5 Tassen) und hoher Konsum (mehr als drei bis zwölf Tassen). Anschließend wurden einzelne Symptome der Fibromyalgie mit dem Coffein-Konsum in Verbindung gesetzt.

Coffein als Adjuvans bei akuten Schmerzen

2012 wurde ein Cochrane Review zum Nutzen von Coffein bei einer akuten Schmerztherapie mit ASS, Ibuprofen oder Paracetamol publiziert, zwei Jahre später ein Update dieser Version. In diesem Update wurden die Daten von 4262 Probanden analysiert, die aufgrund von Kopfschmerzen, postoperativen Zahnschmerzen oder Schmerzen nach einer Entbindung eines der obigen Analgetika mit oder ohne Coffein-Zusatz eingenommen hatten. Das Ergebnis: Durch den Zusatz von 100 mg bis 130 mg Coffein zu einem standardmäßig dosierten Analgetikum stieg der Anteil der Patienten, deren akute Schmerzen deutlich nachließen, um 5 bis 10%.

Größter Benefit bei moderatem Coffein-Konsum

Bei den Patienten, die Opioide einnahmen, hatte der Coffein-Konsum einen moderaten, aber signifikanten Einfluss auf einzelne Krankheitszeichen der Fibromyalgie. So wurden die Schmerzintensität, Bewältigungsstrategien und körperliche Funktionen (Aktivitäten des täglichen Lebens, Funktion der oberen und unteren ­Extremitäten) positiv beeinflusst. Der günstige Einfluss von Coffein zeigte keine klare Dosis-Wirkung-Beziehung. So wirkte sich vor allem ein geringer und moderater Coffein-Konsum positiv auf die Schmerzintensität aus (jeweils im Vergleich mit keiner Coffein-Aufnahme). Der positive Einfluss auf körperliche Funktionen und Bewältigungsstrategien wurde bei jeder Coffein-Dosis festgestellt. Eine verminderte Ausprägung der Schmerzstärke und depressiver Verstimmungen wurde nur unter moderatem Coffein-Konsum beobachtet. Bei den Patienten, die keine Opioide einnahmen, konnten durch Coffein lediglich die körperlichen Funktionen verbessert werden. Ein geringer Coffein-Konsum hatte eine günstige Auswirkung auf körperliche Funktionen, andere Krankheitszeichen einer Fibromyalgie wurden hingegen nicht beeinflusst.

Die Studienautoren sehen in diesem Ergebnis einen Beleg für eine adjuvante Wirkung von Coffein bei chronischen Schmerzpatienten unter eine Opioid-Therapie. Wie dieser Effekt zustande kommt, ist allerdings noch unklar, da die direkten und indirekten intrinsischen Auswirkungen von Coffein auf komplexe Schmerzsyndrome wie etwa die Fibromyalgie noch nicht ausreichend geklärt sind. |

Quelle

Scott et al. Caffeine as an opioid analgesic adjuvant in fibromyalgia. Journal of Pain Research 2017;10:1801–1809

Derry CJ et al. Caffeine as an analgesic adjuvant for acute pain in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014;12, Art. No.: CD009281, DOI: 10.1002/14651858.CD009281.pub3

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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