Therapien im Gespräch

Weisheiten über Zähne

Und die spannende Frage: Können Kariesbakterien Hirnblutungen auslösen?

rr | Es kommt nicht selten vor, dass zahngeplagte Kunden erst in der Apotheke nachfragen, bevor sie den Gang zum Zahnarzt wagen. In der DAZ starteten wir in diesem Jahr die Reihe „Zahnpflege“, damit Apothekenmitarbeiter auf wichtige Fragen eine Antwort parat haben.

Wie putzt man richtig? Es gilt: Lieber weniger, dafür gründlich. Morgens sollte vor dem Frühstück länger als drei Minuten gründlich geputzt werden, um Biofilme möglichst vollständig zu entfernen. Eine maschinelle Reinigung ist besser als eine manuelle und Putzen plus Spülen ist besser als Putzen allein. Die abendliche Zahnreinigung hat eher Wohlfühlcharakter und sollte frühestens zwei Stunden nach dem Genuss saurer Mahlzeiten oder Getränke erfolgen.

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Die tägliche Zahnpflege ist das A und O zur Vorbeugung von Parodontitis, Mundgeruch und ... Schlaganfall?

Eine Frage des Fluorids

Unumstritten ist, dass eine Fluorid-Zufuhr für die Karies-Prävention unentbehrlich ist. Darüber, wie diese speziell bei Kindern aussehen soll, herrscht allerdings keine Einigkeit (DAZ 27, S. 46). Zahnärzte raten, bei Durchbruch des ersten Zahns mit fluoridierter Kinderzahncreme (500 ppm Fluorid) zu putzen. Auf Fluorid-Tabletten kann dann verzichtet werden. Kinderärzte sehen das anders: Fluorid-haltige Zahncremes sollten erst dann regelmäßig angewendet werden, wenn das Kind diese nach dem Zähneputzen ausspucken kann, also mit etwa vier Jahren. Sie empfehlen das Lutschen (!) von Fluorid-Tabletten in den ersten Lebensjahren. Summa summarum sind beide Wege möglich, aber nicht gleichzeitig: Wenn ein Kind Fluorid-Tabletten einnimmt, sollte keine fluoridierte Zahncreme verwendet werden und umgekehrt, sonst besteht die Gefahr einer Überversorgung, beispielsweise in Form einer Dentalfluorose.

Schlechter Atem

Die häufigsten Ursachen für Mundgeruch sind bakterielle Beläge auf dem Zungenrücken (deshalb auch die Zunge täglich reinigen!) und in Zahnzwischenräumen (DAZ 38, S. 47). Aber auch Krankheiten (z. B. Leber- und Niereninsuffizienz, Syphilis) und Arzneimittel (z. B. Lithiumsalze, Antihistaminika, Bisphosphonate) kommen als Auslöser infrage. Bei Kindern und Jugendlichen stellt sich zudem die Frage nach einer Tonsillektomie.

Amalgam-Einsatz einschränken

Zahnärzte sollen Amalgam als Zahnfüllung bei Kindern, schwangeren und stillenden Frauen ab Juli 2018 nur noch in Ausnahmefällen einsetzen – so will es die EU (DAZ 51, S. 32). Ein Verbot ist dagegen nicht geplant. Vielmehr möchte man bis 2020 erst einmal prüfen, ob auf Amalgam bis 2030 ganz verzichtet werden kann. Noch immer haben Millionen von Europäern Quecksilberlegierungen in den Zähnen. Obwohl seit Jahrzehnten Bedenken bestehen, konnte bisher keine direkte Gesundheitsgefährdung nachgewiesen werden. Lediglich bei der Verarbeitung und der Entsorgung von Amalgam macht man sich Sorgen, vor allem wegen der Umwelt.

Verdacht auf Schlaganfall

Ein japanisches Forscherteam untersuchte, ob bestimmte Karieserreger für die Entstehung hämorrhagischer Schlaganfälle mitverantwortlich sind. Im Fokus der Aufmerksamkeit stand Streptococcus mutans: Das Bakterium trägt das cnm-Gen, welches das kollagenbindende Protein cnm auf der Bakterienoberfläche kodiert. Man vermutet, dass dieses Protein gefäßschädigend wirkt und lokale Hirnblutungen fördert. Eine Infektion mit S. mutans könnte somit einen Risikofaktor für tiefe zerebrale Mikroblutungen und intrazerebrale Hämorrhagien darstellen (DAZ 38, S. 44). |

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