DAZ aktuell

Medikationsplan mit Lücken nutzt nicht

Studie der Universität Münster und der Apothekerkammer Westfalen-Lippe zeigt große Defizite

STUTTGART (daz) | Die meisten Medikationspläne sind unzuverlässig. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie der Universität Münster in Zusammenarbeit mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL).

Ein lückenhafter oder nicht aktueller Medikationsplan hat für den Patienten wenig bis keinen Nutzen. Doch eine weitere Auswertung einer Studie der AKWL und der Uni Münster zeigt nun, dass viele Medikationspläne Defizite aufweisen. 127 Apotheker hatten die Medikation von 500 Patienten mittels Brown-bag-Analyse ausgewertet und mit den jeweiligen Medikationslisten abgeglichen. Schon erste Ergebnisse im Sommer 2015 hatten gezeigt, dass nur 6,5% der von einem Arzt ausgestellten Medikationspläne die tatsächliche Medikation des Patienten abbildeten (DAZ 2015, Nr. 29, S. 16).

Auch die jüngst veröffentlichten Daten sind wenig erfreulich: Kein Medikationsplan enthielt für alle aufgeführten Arzneimittel auch alle vom bundesweiten Medikationsplan geforderten Angaben. Am magersten waren die Pläne im Bereich der „Einnahmehinweise“ bestückt – diese fehlten bei 96,7%. Bei den Indikationen der Arzneimittel zeigten 95,2% ein Defizit, bei den Dosierungen 34,6 %. Bei etwa einem Drittel (33,8%) war nur der Präparatenamen aufgeführt. Erschwerend kam hinzu, dass die gelisteten Präparate in 41% der Fälle nicht mit den tatsächlich eingenommenen übereinstimmten.

Die Aktualität der Pläne ist ein weiterer Stolperstein. Durchschnittlich lag die letzte Aktualisierung viereinhalb Monate zurück. Bereits nach zwei ­Monaten war ein Fehleranstieg von immerhin 50% zu verzeichnen.

„Aktualisiert werden sollten die Pläne sinnvollerweise bei jeder Änderung, aber generell alle drei Monate beziehungsweise einmal im Quartal“, sagen Dr. Oliver Schwalbe von der AKWL und Prof. Dr. Georg Hempel und Isabel Waltering von der Uni Münster. Sie initiierten die Evaluierung und sind vom Medikationsplan nach wie vor überzeugt. Um ihn so einzusetzen, dass alle Beteiligten, besonders aber die Patienten davon profitieren, sei eine interprofessionelle Zusammenarbeit und Nutzung der verschiedenen Kompetenzen unabdingbar. Jede Änderung der Medikation sollte von der jeweiligen Profession umgehend vorgenommen werden. |

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