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Gut beraten zur „Pille danach“

Was bei der Abgabe zu beachten ist

jb | Eine gute Beratung bei der Abgabe der „Pille danach“ muss auf jeden Fall sichergestellt werden. Zumindest in diesem Punkt sind sich wohl alle einig. Bezüglich der Rahmenbedingungen wie Dokumentation oder einer möglichen Vergütung sind zwar noch einige Fragen offen, das Inhaltliche hingegen steht fest. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengestellt.

Für eine maximale Wirksamkeit sollte die Einnahme des Notfallkontrazeptivums möglichst schnell nach der Verhütungspanne erfolgen. Prinzipiell ist die Anwendung von Ulipristalacetat aber bis zu fünf Tage, bei Levonorgestrel drei Tage danach möglich.

Es liegen zwar für beide Wirkstoffe ­Daten vor, dass ein höheres Körpergewicht oder ein höherer BMI die Wirksamkeit beeinflussen können. Diese sind aber begrenzt und nicht eindeutig, Daher empfiehlt die EMA die Einnahme für alle Frauen in der üblichen Dosierung unabhängig vom Körpergewicht

Sie können zu jedem Zeitpunkt im Zyklus angewendet werden. Ein Schwangerschaftstest vor der Einnahme ist nicht nötig, da die Substanzen bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft nicht wirksam sind.

Neuere Daten zeigen nun auch für Ulipristalacetat, dass es keine Hinweise auf eine abortiv oder teratogene Wirkung gibt. Für Levonorgestrel war dies seit Längerem bekannt.

Eine wiederholte Anwendung im selben Zyklus wird nicht empfohlen. Frauen, die wiederholt Notfallkontrazeptiva nachfragen, sollten hinsichtlich ihrer (alternativen) Optionen zur Routineverhütung beraten werden.

Allergien, chronische Erkrankungen sowie die Einnahme anderer Arzneimittel müssen vor der Abgabe abgefragt werden, da sie möglicherweise Kontraindikationen darstellen. In solchen Fällen sollte zum Arztbesuch geraten werden.

Beide Präparate sind auch für Jugendliche geeignet.

Wechselwirkungen bestehen unter anderem mit CYP3A4-Induktoren wie Phenytoin, Carbamazepin, Efavirenz, Nevirapin, Oxcarbazepin oder Johanniskraut. Diese verringern die Plasmakonzentration der Notfallkontrazeptiva und können die Wirkung beeinträchtigen. Daher wird eine gleichzeitige ­Einnahme nicht empfohlen. Die Einnahme von CYP3A4-Inhibitoren hat ­eigentlich keinen Einfluss auf die ­Wirkung. Allerdings kann der CYP3A4-Inhibitor Ritonavir bei ­dauerhafter Anwendung induzierend wirken und ebenfalls die Ulipristal-Plasmaspiegel verringern. Die Enzyminduktion durch Ritonavir kann sogar noch zwei bis drei Wochen nach Absetzen anhalten. Daher wird auch hier eine gleichzeitige Einnahme nicht empfohlen.

Die Einnahme von Ulipristalacetat kann die Wirkung Gestagen-haltiger Arzneimittel, darunter auch die kontrazeptive Wirkung von hormonellen Kombinationspräparaten oder rein Gestagen-haltigen Verhütungsmitteln beeinträchtigen. Dies wird zum Problem, wenn ellaOne® wegen eines Fehlers bei der Routineverhütung eingenommen wird. Es sollte aber nach Anwendung eines Notfallkontrazeptivums ohnehin bis zur nächsten Menstruationsblutung zusätzlich ­miteiner Barrieremethode verhütet werden. Die Einnahme der „normalen“ Pille wird fortgeführt.

Die gleichzeitige Anwendung von Ulipristalacetat und Notfallkontrazeptiva auf Basis von Levonorgestrel wird nicht empfohlen.

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, abdominale (Bauch-)Schmerzen oder Unwohlsein in der Bauchgegend, Erbrechen, Menstruationsschmerzen, Beckenschmerzen, Spannungsgefühl in der Brust, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Stimmungsschwankungen, Muskel-, Rückenschmerzen oder ­Müdigkeit.

Kommt es innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme der „Pille danach“ zu Erbrechen, muss eine weitere Tablette eingenommen werden.

Die nächste Monatsblutung kann sich um einige Tage verschieben, da die Wirkung der „Pille danach“ auf einer Verschiebung bzw. Verzögerung des ­Eisprungs beruht. Verzögert sich die nächste Periode um mehr als fünf ­(Levonorgestrel) bzw. sieben (ellaOne®) Tage, verläuft ungewöhnlich oder treten Schwangerschaftssymptome auf, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden. Dies ist ebenfalls angeraten, wenn bei Anwenderinnen einer regelmäßigen hormonalen Kontrazeption innerhalb des nächsten einnahmefreien Zeitraums, nach Einnahme der „Pille danach“ die Abbruchblutung ausbleibt.

Patientinnen, die schon mal eine Eileiterschwangerschaft hatten, sollten zum Zeitpunkt der nächsten Periode sicherheitshalber einen Schwangerschaftstest durchführen, da bei diesen Frauen ein erhöhtes Risiko besteht, dass sich eine Eileiterschwangerschaft trotz ­uteriner Blutung weiterentwickelt. Die Abgabe oder Einnahme der „Pille danach“ beeinflusst eine derartige Anamnese nicht.

Notfallkontrazeptiva schützen nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. |

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