Selbstmedikation

Wie wirksam ist Umckaloabo?

"Angesichts des unangemessenen Einsatzes von Antibiotika und weltweit steigender Resistenz-Raten besteht ein dringender Bedarf für ein wirksames, alternatives Arzneimittel gegen Infektionen der oberen Atemwege" befand eine Forschergruppe des deutschen Cochrane Instituts. Fazit ihrer Metaanalyse: Der standardisierte Pelargonienwurzel-Extrakt (Umckaloabo®) kann die Symptome einer akuten Bronchitis bei Erwachsenen und Kindern wirksam lindern.

Gleiches gilt für die Symptome von akuter Rhinosinusitis und Erkältung bei Erwachsenen. Zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit bei akuter Bronchitis, akuter Sinusitis und Erkältung, analysierten die Forscher die Daten von acht placebokontrollierten Studien mit Pelargoniumextrakten als Lösung, Tabletten oder Saft, deren Qualität als zufriedenstellend angesehen wurde. An diesen Studien nahmen mehr als 1750 Patienten teil, annähernd die Hälfte (46%) davon waren Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Die alkoholischen Lösungen bewirken sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern eine Reduktion der Schleimproduktion und eine Verbesserung des Hustens bei akuter Bronchitis. Bei Patienten die Tabletten einnahmen, konnte dieser Effekt laut Cochrane Zentrum nicht beobachtet werden. Die Autoren mutmaßen, ob dies auf Zufall, Unterschiede in der Bioverfügbarkeit oder eine differierende phytochemische Zusammensetzung zurückzuführen ist. Letztere Annahme scheidet allerdings aus, da für die Herstellung der Adsorbat-Tabletten exakt der gleiche Extrakt verwendet wird wie für die alkoholische Lösung. Es ist zu berücksichtigen, dass die Studien mit den Tabletten Dosisfindungsstudien waren, ein direkter Vergleich mit Wirksamkeitsstudien der alkoholischen Lösung sind daher nur sehr eingeschränkt möglich. Für den in den USA seit Kurzem verfügbaren Sirup liegen bisher keine klinischen Daten vor.

Positive Effekte auf Symptome und Krankheitsdauer

Die klinische Relevanz einer symptomatischen Besserung bei akuter Bronchitis ist schwer zu beurteilen, so die Autoren des Cochrane Reviews, da keine Daten für die Dauer bis zur vollständigen Genesung vorliegen und die gewählten primären Studienendpunkte sehr heterogen sind. Die analysierten Studienergebnisse beziehen sich auf verschiedene Erkältungsjahrgänge und auch das Erregerspektrum bei akuten Bronchitiden kann sich von Jahr zu Jahr deutlich unterscheiden. Je nach Zusammensetzung des Erregerspektrums stehen dann ganz bestimmte Symptome im Vordergrund, die auch in ihrer Hartnäckigkeit differieren können. Festzuhalten bleibt, dass der Pelargoniumextrakt in den einzelnen Studien signifikant wirksamer war als Placebo. Weiterhin gibt der Cochrane Review einschränkend zu bedenken, dass alle untersuchten Studien den Krankheitsverlauf anhand nicht validierter Symptom-Scores beurteilten und keine die Zeit bis zur vollständigen Genesung auf Grundlage einer vorab als klinisch relevant definierten Verbesserung misst. Allerdings gibt es für die akute Bronchitis keine Guideline, auf die man sich hinsichtlich der Wahl des primären Zielparameters hätte beziehen können. Es erscheint daher legitim, einen Zielparameter zu wählen, der dem Wunsch des Patienten nach einer schnellen Symptomlinderung möglichst nahe kommt. Diese Patientenerwartung lässt sich relativ gut mithilfe des zugrunde gelegten Symptom-Score abbilden.

In Einzelstudien positive Effekte bei Rhinosinusitis

Die Zahl der Studien bei akuter Bronchitis, die in die Metaanalyse einbezogen werden konnten war relativ gering. Anzumerken ist, dass die Metaanalyse auf Studien basiert, die alle vom aktuellen Hersteller oder von Vorgängerfirmen finanziert, in Osteuropa durchgeführt und nicht an anderer Stelle reproduziert und verifiziert wurden. Einige der Studienberichte wurden auch nicht öffentlich publiziert. Dennoch erachtete das Cochrane Zentrum auch die Qualität einiger nicht veröffentlichter Arbeiten als ausreichend, um sie in die Metaanalyse einzubeziehen. Die Beurteilung der Wirkung bei akuter Rhinosinusitis im Erwachsenenalter beruht auf einer einzigen nicht veröffentlichten Studie, die jedoch eine signifikante Verbesserung aller Symptome einschließlich Kopfschmerzen und Nasenschleimsekretion zeigte. Positive Resultate im Hinblick auf eine Symptomverbesserung bei akuter Rhinosinusitis wurden auch mit verschiedenen pflanzlichen Arzneimitteln sowie intranasalen Steroiden beobachtet, wohingegen Antibiotika aufgrund des Fehlens ausreichender Effekte bei der Behandlung akuter Rhinosinusitis nicht indiziert sind. Die Cochrane-Autoren empfehlen eine Bestätigung der Ergebnisse anhand valider Endpunkte, falls der Extrakt von Pelargonium sidoides bei der symptomatischen Behandlung akuter Rhinosinusitis weiterhin eine Rolle spielen soll. Darüber hinaus liegt eine einzelne kleine Studie zur Behandlung von Erkältungskrankheiten bei Erwachsenen vor. Die Ergebnisse wurden nach fünf bzw. zehn Behandlungstagen beurteilt, wobei die positiven Effekte nach zehn Tagen stärker ausgeprägt waren. Neben der Wirksamkeit wurde als sekundärer Parameter eine signifikante Reduktion des krankheitsbedingten Arbeitsausfalls der Probanden konstatiert. Die Zahl von acht Krankheitstagen in der Placebogruppe erscheint dem Cochrane Zentrum als Referenzwert für eine gewöhnliche Erkältung allerdings relativ hoch. Demgegenüber liegen Erkenntnisse zur antibiotischen Behandlung der akuten Bronchitis vor, die zeigen, dass Antibiotika die Zahl der Krankheitstage deutlich weniger reduziert, was angesichts des vorwiegend viralen Erregerspektrums bei akuter Bronchitis aber auch nicht verwundert.

Offene Fragen für weitere Untersuchungen

Leider spielte die Frage einer möglichen Einsparung von Antibiotika durch die pflanzliche Therapie in den bewerteten Studien keine wesentliche Rolle. Dabei wäre genau das ein Punkt, der die Beurteilung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses pflanzlicher Präparate ganz wesentlich mit beeinflusst. Wünschenswert wäre es, die dank einer Therapie mit Pelargonium sidoides beobachtete kürzere Symptom- bzw. Krankheitsdauer bei Infektionen der oberen Atemwege mit Erkenntnissen zu einem reduzierten Antibiotikaeinsatz in Zusammenhang zu bringen. Der Befund, dass Pelargonium sidoides Extrakt zu einer symptomatischen Verbesserung führt, die mit der von Homöopathika oder Thymianfluidextrakt und Primelwurzeltinktur vergleichbar ist, wirft die Frage nach den Wirkmechanismen und deren Spezifität auf. Derzeit gibt es keine Hypothese, die die vergleichbaren Effekte dieser konzeptionell und phytochemisch unterschiedlichen Zubereitungen erklären könnte.

Gutes Nebenwirkungsprofil

Gemäß Packungsbeilage, sollte Pelargonium-sidoides -Extrakt nicht länger als drei Wochen angewendet werden. Die verfügbaren Daten aus klinischen Kurzzeitstudien und größer angelegten Anwendungsbeobachtungen zeigen kein erhöhtes Risiko hinsichtlich schwerwiegender Nebenwirkungen. In den der Metaanalyse zugrunde liegenden Studien wurden in erster Linie gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Sodbrennen sowie allergische Hautreaktionen mit Pruritus und Urtikaria beobachtet. Darüber hinaus ist in der Diskussion der Metaanalyse zwar von Lebertoxizität und Hämorrhagie die Rede, in der hierzu angeführten Referenz wird aber keine dieser beiden Reaktionen diskutiert, sondern ausschließlich Fälle allergischer Reaktionen. In der Zusammenfassung des Cochrane Reviews werden Hepatotoxizität sowie ein erhöhtes Blutungsrisiko dann von den Autoren korrekterweise auch nicht mehr erwähnt. Die wissenschaftliche Evidenz hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils beschränkt sich derzeit auf eine Zunahme von allergischen Reaktionen und gastrointestinalen Beschwerden. Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind rar. Die Autoren der Metaanalyse fanden lediglich eine Referenz für eine Interaktion zwischen Pelargonium sidoides und Penicillin. Allerdings sollte es ja eben ein Ziel der Therapie mit Pelargonium sidoides sein, den übermäßigen und teilweise ungerechtfertigten Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Gerade unter diesem Gesichtspunkt könnte sich die Anwendung von pflanzlichen Alternativen zur Behandlung akuter Bronchitiden als sehr hilfreich erweisen.

Quelle

Timmer A.; et al.: Pelargonium sidoides extract for acute respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008; 3: 1-48.

Apotheker Dr. Andreas Ziegler
Bei akuter Bronchitis und auch bei einer Erkältung und Sinusitis kann der Spezialextrakt aus der Wurzel der südafrikanischen Kapland-Pelargonie die Wahrscheinlichkeit vermindern, nach sieben Tagen noch krank zu sein. Das ergab die Auswertung von acht randomisierten, doppelblinden klinischen Studien in einem Cochrane Review.
Foto: Klosterfrau
Pelaorgonium sidoides Aus der Wurzel der südafrikanischen Kapland-Pelargonie wird der Extrakt gewonnen, der in Umckaloabo® enthalten ist.
Foto: Medienbüro Scharditzky

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