Arzneimittel und Therapie

Tapentadol mit Zweifach-Wirkung

Tapentadol ist ein zentral wirksames Analgetikum, das zur Behandlung von starken Schmerzen entwickelt wird. Es kombiniert den μ-Opioid-Rezeptor-Agonismus und die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung in einem Molekül. Im Juli und August wurden weitere Daten der Phase III veröffentlicht, die Zulassung in den USA ist bereits beantragt.
Hilfe bei starken Schmerzen Tapentadol wird als schnell freisetzende Tablette zur Behandlung akuter Schmerzen, sowie als retardierte Form zur Behandlung chronischer Schmerzen entwickelt. Nach der Zulassung soll der Wirkstoff im stationären und niedergelassenen Bereich eingesetzt werden.
Foto: DAK/Scholz

Tapentadol zeigt eine Effektivität, die mit der von klassischen starken Opioiden wie Oxycodon und Morphin vergleichbar ist. Die Substanz besitzt nach Angaben der Firma Grünenthal ein verbessertes Verträglichkeitsprofil, besonders in Bezug auf gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation. Tapentadol wird zurzeit als schnell freisetzende Tablette zur Behandlung akuter Schmerzen, sowie als retardierte Form zur Behandlung chronischer Schmerzen entwickelt. Nach der Zulassung soll Tapentadol im stationären und niedergelassenen Bereich eingesetzt werden.

Kombinierte Wirkung

Tapentadol kombiniert zwei Wirkungsmechanismen in einem Molekül: den μ-Opioid Rezeptor-Agonismus und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung.

μ-Rezeptor-Agonisten sind Substanzen, die an die μ-Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem binden. Dies verändert die sensorischen und emotionalen Aspekte des Schmerzes, hemmt die Übertragung von Schmerzen zum Rückenmark und beeinflusst Aktivitäten in Teilen des Gehirns, die für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind. Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer im zentralen Nervensystem steigern den Anteil an Noradrenalin im Gehirn, indem sie dessen Resorption in Nervenzellen verhindern. Diese Substanzen haben analgetische Eigenschaften.

Neue Daten aus Phase III

Die Ergebnisse von drei klinischen Phase-III-Studien zu einer schnell freisetzenden Tablette mit dem Wirkstoff Tapentadol lassen auf eine signifikant verbesserte gastrointestinale Verträglichkeit sowie auf ein verbessertes Sicherheitsprofil gegenüber Oxycodon HCl schließen. Diese Daten wurden von der Firma Grünenthal beim diesjährigen Kongress der European League against Rheumatism in Paris und auf dem World Congress on Pain by the International Association for the Study of Pain in Glasgow vorgestellt.

Gute gastrointestinale Verträglichkeit

Die wichtigsten Gründe für den Abbruch einer Schmerztherapie sind gastrointestinale Nebenwirkungen: in den ersten Tagen meist Übelkeit und Erbrechen, im weiteren Verlauf der Behandlung treten oft Beeinträchtigungen durch Obstipation auf.

Eine Studie bei Patienten mit fortgeschrittener degenerativer Arthrose am Hüft- oder Kniegelenk zeigte, dass eine Behandlung über fünf Tage mit 50 mg oder 75 mg Tapentadol eine wesentlich bessere Schmerzlinderung bewirkte als Placebo. Zusätzlich hatten die Patienten, die mit Tapentadol behandelt wurden, signifikant weniger gastrointestinale Nebenwirkungen als Patienten, die mit 10 mg Oxycodon behandelt wurden. Die mit 50 und 75 mg Tapentadol behandelten Patienten zeigten dabei eine der 10-mg-Oxycodon-Gruppe vergleichbare Schmerzlinderung.

Die häufigsten Nebenwirkungen in beiden Behandlungsgruppen waren Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Allerdings zeigten beide Dosierungen von Tapentadol im Vergleich zur Oxycodon-Gruppe ein bedeutend geringeres Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation. 26% der mit Oxycodon behandelten Patienten hatten Obstipation, während bei den 50- und 75-mg-Tapentadol-Gruppen nur 4 und 7% der Patienten betroffen waren. Außerdem berichteten lediglich 18% der Patienten der Tapentadol-50-mg-Gruppe und 21% der Tapentadol 75 mg-Gruppe über Übelkeit – verglichen mit 41% in der Oxycodon-Gruppe. Zudem gab es weniger Berichte über Erbrechen bei beiden Dosierungen Tapentadol, 50 und 75 mg: 7 bzw. 14% gegenüber 34% bei der Oxycodon-Gruppe. Während bei der Oxycodon 10-mg-Gruppe die Abbruchrate der Behandlung bei 29% lag, beendeten nur 13 bzw. 18% der Patienten unter Tapentadol 50 und 75 mg die Behandlung vor Ablauf der Studie.

In einer zweiten Studie wurde die Wirksamkeit von Tapentadol bei Patienten nach einem orthopädischen Eingriff an den Füßen untersucht. Auch hier wirkte Tapentadol gut schmerzstillend, und gastrointestinale Nebenwirkungen traten mit 50, 75 und 100 mg Tapentadol seltener auf (46, 46 und 59%) als mit 15 mg Oxycodon (73%).

Auch eine dritte Studie zeigte das verbesserte Verträglichkeitsprofil von Tapentadol im Vergleich zu Oxycodon: Über einen Behandlungszeitraum von 90 Tagen wurden flexible Dosierungen von Tapentadol zur Behandlung von Schmerzen im unteren Rücken und Arthroseschmerzen in der Hüfte oder dem Knie verwendet. Die Behandlung bestand aus Tapentadol (50 oder 100 mg) in bedarfsorientierter, vier- bis sechsstündlicher Dosierung bis zu 600 mg täglich, oder Oxycodon (10 oder 15 mg) bis zu 90 mg täglich. In den Effektivitäts- und Sicherheitsanalysen wurden insgesamt 679 Tapentadol-Patienten und 170 Oxycodon-Patienten, mit einer durchschnittlichen Schmerzintensität von 7,0 bzw. 7,2, auf einer 11-Punkte-Skala berücksichtigt.

Beide Behandlungsgruppen wiesen einen vergleichbaren analgetischen Effekt bei den angewendeten Dosierungen auf. Das Auftreten von Übelkeit, Erbrechen, die Kombination beider Symptome, sowie Obstipation, war in der Tapentadol-Gruppe dabei signifikant niedriger als in der Oxycodon-Gruppe. Weitere signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen ergaben sich bezüglich des zeitlichen Einsetzens von Übelkeit, Erbrechen und Obstipation – diese traten in der Oxycodon-Gruppe durchgängig früher auf. Beide Studien zeigen sowohl die höhere Wirksamkeit von Tapentadol als auch das signifikant verbesserte gastrointestinale Verträglichkeitsprofil im Vergleich zu Oxycodon.


Quelle

Pressemitteilungen der Firma Grünenthal GmbH, Aachen, vom 9. Juni und 12. August 2008.


hel
Tapentadol kombiniert zwei Wirkmechanismen in einem Molekül: μ-Opioid Rezeptor- Agonismus und Noradrenalin-Wiederaufnahme- Hemmung.

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