Prävention

An der Honorierung arbeiten wir noch

Das Wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) hat sich zur Aufgabe gemacht, Apotheker stärker in die Prävention einzubinden. Ein Projekt ist die Präventionsberatung von Schülern ("Apotheke macht Schule"). Wir sprachen mit Dr. Helmut Schlager, Geschäftsführer des WIPIG, über Präventionsthemen, über mögliche Kooperationen und eine Honorierung des Apothekers.
Dr. Helmut Schlager
DAZHerr Schlager,jeder zweite stirbt an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Immer mehr Jugendliche erkranken heute an Typ-2-Diabetes, wegen Bewegungsmangel und Fehlernährung. Bietet "Apotheke macht Schule" Vorträge hierzu an?

Schlager: Das Thema Fehlernährung deckt weitgehend der Vortrag "Gesund schmeckt besser" für die Jahrgangsstufen fünf und sechs ab. Hier geht es darum, Kindern eine bewusste und gesunde Ernährung beizubringen. Damit kann Diabetes und anderen Erkrankungen des metabolischen Syndroms entgegen gewirkt werden. Dieses Thema gibt es auch begleitend in der Version als Elternvortrag. Das Thema Bewegung haben wir im Moment noch nicht im Portfolio. Das Thema hatten Schüler in der Fragebogenaktion, die die Kammer Baden-Württemberg im letzten Jahr ausgewertet hat, auch nicht explizit angegeben. Es handelt sich dabei ja auch nicht um ein typisch apothekenspezifisches Thema.

DAZMuss, wer Prävention mit wissenschaftlichem Anspruch anbietet, nicht deutlich über apothekenspezifische Themen hinausgehen?

Schlager: Völlig d’accord. Prinzipiell soll das Konzept auch künftig erweitert werden und so möchte ich nicht ausschließen, dass z. B. das Thema Bewegung vielleicht schon in einer nächsten Version mit enthalten sein könnte. Was den wissenschaftlichen Anspruch angeht, zeigt er sich u. a. darin, dass alle Vorträge von Experten erstellt und z. T. auch schon evaluiert worden sind. Er zeigt sich auch in einer Untersuchung, die unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Frau Vogt zum Thema ihrer Doktorarbeit hat. Wir werden in mindestens zwei bayerischen Orten die "Generation 50plus" rund um die Prävention betreuen. Von den Teilnehmern wird zu Beginn durch den Arzt eine Blutprobe entnommen. Im einen Ort werden dann die Teilnehmer weiter durch Apotheker als Präventionsmanager ein Jahr begleitet, im Kontrollort nicht. Nach einem Jahr werden wir dann wieder die Blutwerte untersuchen. Damit wollen wir den Nachweis erbringen, dass der Präventionsmanager einen konkreten Nutzen für die Bevölkerung hat. Das Projekt dient auch der Erarbeitung des Curriculums zum Präventionsmanager WIPIG®

DAZWie reagiert die Ärzteschaft auf das WIPIG? Sieht man sich als Konkurrenz?

Schlager: Ich habe hier keine Bedenken. Auch der Arzt kann nicht ein vollumfängliches Präventionsprogramm anbieten, aus Zeitgründen und aus Gründen z. T. fehlender Vergütung. Wir sind grundsätzlich für eine Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft offen. Und wenn man den Dialog sucht, stellt man fest, dass man sich ergänzt. Ein schönes Beispiel ist das "Xundi"-Projekt, das eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ins Leben gerufen hat. Ärzte bieten dabei in Kindergärten kostenlos gesundheitliche Aufklärung an. Wir haben das Gespräch mit der KVB gesucht, und nun treten wir als Kooperationspartner auf. Entsprechend weitergebildete Apotheker bieten dabei den Kindergärten Vorträge rund um die gesunde Ernährung an.

DAZ Die Deutsche Diabetesstiftung hat schon 2004 das Nationale Aktionsforum Diabetes mellitus (NAFDM) gegründet, das für Anbieter von Präventionsmaßnahmen Materialien erarbeitet und zur Verfügung stellt. Lassen sich hier Synergien nutzen?

Schlager: Wir selbst hatten kürzlich eine Besprechung mit einem Vertreter der Deutschen Diabetes Stiftung. Zum Nationalen Aktionsforum Diabetes gibt es Kontakte über die ABDA. Im NAFDM sitzen auch Vertreter von Berufsgruppen wie Ökotrophologen und Diätassistenten, die natürlich nur für ihre eigene Berufsgruppe arbeiten und nicht unbedingt über zusätzliche Leistungserbringer begeistert sind. Ob mit dem NAFDM eine intensivere Zusammenarbeit erwächst, steht daher noch nicht fest, wir wären unter der Voraussetzung der "gleich langen Spieße" dazu gerne bereit.

DAZDie Gretchenfrage: Wie sieht es mit einer Honorierung von Präventionsberatung aus?

Schlager: Dass der Apotheker für Präventionsleistungen eine Vergütung erhält, ist unser Ziel! Idealerweise natürlich über die Krankenkasse. § 20 SGB V bestimmt, dass die Kassen Leistungen zur primären Prävention erbringen müssen, und es ist festgelegt, wer diese Leistungen erbringen und abrechnen darf. Apotheker sind in dieser Liste bisher nicht aufgeführt. Das müssen wir ändern, daran arbeiten wir zusammen mit der ABDA und auch dem Deutschen Apothekerverband. Es ist übrigens auch auf dem Apothekertag ein entsprechender Antrag gestellt worden.

DAZHerr Schlager, vielen Dank für das Gespräch.

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