Feuilleton

Arzneipflanze des Jahres 2004: Die Pfefferminze

Der Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg hat die Pfefferminze (Mentha x piperita) zur "Arzneipflanze des Jahres 2004" gewählt. Mit ihr wird eine Pflanze gewürdigt, deren Blätter nicht nur die Grundlage des wohlschmeckenden Pfefferminztees sind, sondern auch eine wichtige Rolle als Arzneidroge spielen.

Obwohl die Pfefferminze heute in Küchen- und Kräutergärten allgemein verbreitet ist, suchen wir sie in den alten, berühmten Kräuterbüchern, wie zum Beispiel von Leonhart Fuchs (1501 -1566) und Adam Lonitzer (1528 -1586), oder im Gartenbuch Hortus Eystettensis von 1613 vergeblich. Warum? Damals gab es sie noch nicht. Wahrscheinlich entstand sie erst im 17. Jahrhundert als eine spontane Kreuzung aus der Bachminze (Mentha aquatica) und der Ährenminze (Mentha x spicata), die ihrerseits Mentha longifolia und Mentha rotundifolia als Eltern hat.

Ein Dreifach-Bastard

Es war der englische Biologe John Ray (1628 - 1705), der diesen natürlichen Dreifach-Bastard in einem englischen Garten entdeckte und ihn wegen seines scharfen Geschmacks "Peppermint" nannte (1696). Die Pfefferminze kann - wie viele andere Bastarde auch - nicht aus Samen gezogen werden. Sie wird daher vegetativ vermehrt, vor allem über ihre Ausläufer und unterirdischen Triebe.

Die Blätter der verschiedenen Sorten der Pfefferminze sind das Ausgangsmaterial für eine Reihe von Arzneimitteln. Extrakte nach verschiedenen Herstellungsverfahren sind die Grundlage für Dragees und Tabletten. Bei innerer Anwendung wirken Pfefferminzblätter und ihre Zubereitungen vor allem krampflösend (spasmolytisch), blähungstreibend (karminativ) und galletreibend (cholagog), vermutlich auch antibakteriell, antiviral und sedativ. Für diese Effekte ist vorwiegend, aber nicht ausschließlich das ätherische Öl mit seinen Hauptkomponenten (-)-Menthol, Menthylacetat, Menthon und Menthofuran verantwortlich.

Breites Wirk- und Anwendungsspektrum

Pfefferminzöl wird auch zur Behandlung des Reizdarms (Colon irritabile) eingesetzt. Dieses Syndrom äußert sich in Bauchschmerzen, Unwohlsein, Blähungen und Verdauungsstörungen, die mit einer gestörten Empfindlichkeit und Beweglichkeit des Darmtraktes einhergehen, deren Ursachen aber noch größtenteils unbekannt sind.

Da das Pfefferminzöl bei dieser Indikation erst im Intestinum wirksam werden soll, muss es galenisch so "verpackt" werden, dass die jeweiligen Arzneipräparate es erst nach der Magenpassage freisetzen. Äußerlich werden Zubereitungen, die Pfefferminzöl enthalten, zu Inhalationen und Einreibungen sowie als Badezusatz verwendet.

Pfefferminzblätter, Pfefferminzöl und die daraus hergestellten Zubereitungen - vom selbst bereiteten Pfefferminztee bis zum Fertigarzneimittel mit anspruchsvoller Galenik - sind Paradebeispiele für Phytopharmaka mit einem breiten Wirkspektrum, die in vielfältiger Weise angewendet werden. Kurz: Mit der Pfefferminze wurde diesmal eine "Arzneipflanze der Jahres" gewählt, die tagtäglich zur Anwendung kommt.

Der Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" hat die Pfefferminze zur Arzneipflanze des Jahres 2004 gewählt. Es handelt sich bei ihr um einen Dreifach-Bastard, der Ende des 17. Jahrhunderts spontan in England auftrat und seither ausschließlich vegetativ vermehrt wurde. Trotz ihrer verhältnismäßig jungen Geschichte ist die Pfefferminze eine der bekanntesten und zugleich eine der wichtigsten Arzneipflanzen.

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