Gewürzdrogen

K. KrützfeldtMuskat, die psychoaktive Nuss –

"Lieben Sie Muskat? An allem, allem ist Muskat", schrieb Nicolas Boileau 1665 in "Die lächerliche Mahlzeit". Zu jener Zeit galt Muskat als das Modegewürz schlechthin. Wer es sich leisten konnte, würzte seine Speisen und Getränke mit einer Prise des kostbaren Gewürzes, knabberte kandierte Muskatnüsse zum Wein oder trug sie als Pomander an juwelengeschmückten Ketten. Dabei umgab die "moschusduftenden Nüsse" immer ein Hauch von Luxus. Erst nachdem das Handelsmonopol der Niederländer gebrochen war, fiel um 1800 ihr künstlich hochgetriebener Preis. Doch gerade jetzt verlor die Gesellschaft das Interesse am Muskat. Erneute Wertschätzung erfuhr er kurz nach 1900. Damals wurde auch der Wirkstoff Ecstasy erstmals isoliert Ų aus den Phenylpropanderivaten der Muskatnuss.

Gewürze waren immer mehr als ein Gaumenschmaus für gut betuchte Genießer. Bereits Jahrhunderte, bevor Muskat seinen Siegeszug durch die Küchen Europas antrat, schätzten ihn arabische, indische oder tibetanische Ärzte als wirkungsvolles Heilmittel bei Magen- und Darmleiden.

Das nach Pfefferminz und Bergamotte duftende Gewürz wurde als Aphrodisiakum und Rauschmittel gepriesen und gegen Haut- und psychiatrische Erkrankungen verschrieben. Als heilkräftig galten die süßlichen, leicht bitteren "Nüsse" (eigentlich: Samenkerne) und die feinere "Muskatblüte" (eigentlich: Samenmantel).

Tatsächlich ist Myristica fragrans (von griech. myron "Balsam, Wohlgeruch" und lat. fragrare "riechen") als Gewürzpflanze einzigartig: Sie liefert mit den graubraunen, runzeligen Muskatnüssen und der filigranen tiefroten bis gelb–orangen Muskatblüte (auch: Macis) gleich zwei deutlich verschiedene Gewürze. Sie reifen gemeinsam in den pfirsichförmigen Früchten des Muskatbaumes heran, die acht Monate nach der Blüte geerntet werden. Unter der dicken Fruchtfleischhülle liegt die Muskatblüte, die vorsichtig abgenommen, flachgepresst und getrocknet wird.Vier bis sechs Wochen später zerschlägt man die trockene Samenschale und entnimmt die Muskatnüsse.

Muskat in der asiatischen Medizin

Wann Muskatnuss und -blüte erstmals verwendet wurden, bleibt wohl immer ein Geheimnis. Sicher ist nur, dass die ursprüngliche Heimat der beiden Gewürze die indonesische Provinz Maluku war. Die besser unter ihren alten Namen Gewürzinseln oder Molukken bekannten Inseln boten mit ihrer vulkanischen Erde und dem feucht-tropischen Klima den wild wuchernden immergrünen Muskatbäumen ideale Lebensbedingungen.

Im siebten Jahrhundert vor Christus gelangte die Muskatnuss als Gewürz nach Indien, vierhundert Jahre später tauchte sie in China auf. Doch sie wurde selten in den Küchen Südostasiens oder des Fernen Ostens verwendet. Anders dagegen in Indien: die seit alters her berühmten Gewürzmischungen Curry und Garam masala enthielten neben anderen Gewürzen Muskat und/oder Macis. Auch nordindische Moghul-Gerichte schmeckte man gern mit den geriebenen Nüssen ab.

Als Arzneimittel dürfte Muskat jedoch recht früh eine wichtige Rolle gespielt haben. Zahlreiche Hinweise in den Veden zeigen, dass die alten Inder Muskatnuss als eines der wertvollsten Medikamente ansahen. Sie bezeichneten das Gewürz als wärmeproduzierend, stimulierend, windtreibend und verdauungsfördernd. Indische Ärzte verschrieben es gegen Kopfschmerzen und Nervenfieber, schlechten Atem und Verdauungsschwäche.

Bis heute hat Muskat in der Ayurveda-Medizin seinen festen Platz. Er soll die Lebenskraft steigern und gilt als nützliches Stimulans bei Kreislaufbeschwerden und niedrigem Blutdruck. Mit anderen süßen Ölen verrührtes Muskatöl verwendet man als Einreibemittel bei Zerrungen, Neuralgie, Kopf- und Zahnschmerzen. Kleinkinder bekommen die geriebenen Nüsse in Dosen von 100 mg gegen Fieber, Erkältung und Durchfall verabreicht. Darüber hinaus wirkt Muskat beruhigend bei Nervosität und entkrampfend bei Asthma. Zubereitungen aus Muskat dienen sogar als Ersatz für Opium, wenn dieses bei einem Patienten kontraindiziert ist.

Berauschende Liebespillen

Die aphrodisische Wirkung von Muskat ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Die anregende Wirkung auf den Geschlechtstrieb zeigte sich vor allem bei höheren Dosen der gemahlenen Nüsse. Mit der steigenden Muskatmenge tritt als Nebeneffekt ein leichter bis starker Rauschzustand auf, was der Muskatnuss in Indien den Namen "mada shaunda" (betäubende Frucht oder Nuss) einbrachte. Im 13. Jahrhundert beschrieb das indische Sarngadhara Samhita ein opiumhaltiges Pulver, das unter anderem einen Teil Muskat enthielt. Es sollte zur Steigerung des erotischen Genusses oder bei sexueller Überreizung eingesetzt werden.

Das indische Buch der Liebeskunst, Ananga-Ranga, führt ein aphrodisisches Rezept aus zerstampften Muskatnüssen, Safran, Weihrauch und Koriandersamen auf. Die Liebespillen wurden gerollt und mit Betelblättern gegessen. Auch jetzt noch kauen viele Inder Betelbissen mit Muskatnuss als leichtes Rausch- und Liebesmittel.

In der traditionellen Medizin Indonesiens wird das Gewürz bis zum heutigen Tag gegen Magenschmerzen und -krämpfe, Nierenprobleme, Rheumatismus und Nervosität eingenommen. Bei Schlafstörungen trinkt man pulverisierte Muskatnüsse mit Milch oder einem Trunk aus Bananen.

Relativ oft setzt die traditionelle tibetische Medizin auf die Kraft der Muskatnuss (tibetisch dzaa-ti), besonders in Form von Räucherwerk. In Tibet wurde und wird sie noch heute bei psychischen Krankheiten eingesetzt. Es heißt sogar, wenn keine andere Medizin verfügbar sei, könne allein durch Inhalation von Muskatrauch, dem "königlichen Räucherwerk", eine Heilung erzielt werden.

Viele bekannte tibetische Räuchermischungen wie A-Gar 35 (gegen Geisteskrankheiten, dämonische Besessenheit und andere geistige Störungen) und einige der Hauptarzneien der überlieferten Medizin enthalten Muskat. Bei Massagen verwenden die Tibeter oft mit Muskat- und Ingwerpulver vermischte Butterschmalz-Pasten.

Die "indische Droge" der arabischen Ärzte

Kannten die antiken Ärzte und Gelehrten Muskat? Der Naturforscher und Weltreisende Karl Friedrich von Martius (1794 – 1868) meinte zwar, Plautus (um 200 v. Chr.) habe in einer Komödie Macis und Plinius (um 50 n. Chr.) habe die Nüsse erwähnt, beweisen lässt es sich aber nicht. Allerdings fanden Wissenschaftler Muskatnüsse in altägyptischen Mumiengräbern – ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Gewürz lange vor der Zeitenwende den Weg bis ans Mittelmeer gefunden haben musste.

Während sich griechische und römische Gelehrte über die beiden Gewürze in Schweigen hüllten, scheinen arabische Ärzte Muskat vom ersten Jahrhundert n. Chr. an als Droge verwendet zu haben. Er galt als Heilmittel für viele Krankheiten der Verdauungsorgane, bei Leber- und Milzleiden, aber auch bei Hautflecken und Sommersprossen. Spätere arabische Ärzte klassifizierten Muskatnüsse als warm und trocken.

Um 800 gehörte die "indische Droge" zu den allgemein üblichen und weit verbreiteten Arzneien. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts gab es in Bagdad die ersten privaten Apothekengeschäfte, in denen man Muskat in geprüfter Qualität verkaufte. Im 11. Jahrhundert setzten die Ärzte Muskat gegen Nierenleiden und Erbrechen, bis ins 19. Jahrhundert hinein auch als Lebermittel und Tonikum ein.

In der Volksmedizin waren die Nüsse bekannt als Abtreibungsmittel und Fruchtbarkeitsspender. Heutzutage wird Muskat in der arabischen Volksmedizin noch immer gegen Erkältung, Fieber und Atemwegserkrankungen genutzt, aber auch gegen Ekzeme. Beliebt war Muskat als Aphrodisiakum. So empfahl der jüdisch-arabische Arzt Moses Maimonides im 12. Jahrhundert, je eine Unze langen Pfeffer und Galgantwurzel, je zwei Unzen Zimt und Anis mit je 1/4 Unze Macis und Muskat zu mischen und diese Gewürze über jede Speise zu streuen, damit keine Potenzprobleme auftreten. Die Türken setzten dagegen um 1600 auf eine Mischung aus Opium, Muskat, Muskatblüte und Kardamom.

Muskatblüte fand, außer als Liebesmittel, wenig Beachtung in der arabischen Medizin. Erst ab 1800 wurde sie auch als Carminativum verschrieben. Dagegen konnte sie sich einen festen Platz in den Küchen Marokkos, Tunesiens und Saudi-Arabiens erobern, wo besonders Schaf- und Lammfleisch, aber auch der berühmte Mokka mit Muskat und Macis abgeschmeckt werden.

Muskat erobert Europa

Lange wussten die Europäer nichts von den beiden neuen Gewürzen und ihren Möglichkeiten als Heilmittel. Vermutlich gelangten Muskatnüsse um 330 unter Kaiser Konstantin nach Konstantinopel. Vom 6. Jahrhundert an transportierten arabische Händler sie regelmäßig mit Karawanen bis nach Alexandrien. Doch erst die Kreuzzüge ab 1069 brachten ausreichende Informationen über orientalische Heil-, Genuss- und Nahrungsmittel nach Europa. Hinzu kam, dass den Kreuzfahrern während ihrer Kriegszüge recht bedeutende Mengen an Gewürzen in die Hände fielen.

Allerdings dauerte es nochmals mehr als 100 Jahre, bevor Muskatnüsse erstmals schriftlich erwähnt wurden: Als der spätere Kaiser Heinrich VI. (1165 –1197) anlässlich seiner Krönung in Rom einzog, parfümierten die Einwohner zu seinen Ehren die Straßen der Stadt mit dem Duft "indischer Nüsse".

Zunächst wurden die seltenen und kostbaren Muskatnüsse nur als Räuchermittel in Kirchenzeremonien verwendet. Im 12. Jahrhundert besang Wolfram von Eschenbach im "Parsival" die Sitte, duftende Gewürze auf den Boden zu streuen: "Wenn man auf einen Teppich trat, Kardamom, Würznelke und Muskat lagen gestreut unter den Füßen."

Dank steigender Importe sanken die bislang horrenden Preise für Muskat. Immer öfter tauchten Muskatnüsse und -blüte in den Gewürzkabinetten und Küchen der Klöster auf. Das Wissen über die Nüsse nahm zu, selbst wenn es dabei gelegentlich zu Irrtümern kam. Albertus Magnus (ca. 1200 bis 1280) bemerkte, dass "Muscara" in Indien wachse. Er war der Meinung, dass Macis die Blüte des Muskatbaumes sei – ein Fehler, der jahrhundertelang weiterverbreitet wurde. Namen wie "Muskatblüte" oder das französische "fleur de muscade" erinnern noch heute daran. Selbst der arabische Reisende Ibn Batuta schrieb 1330 über seine Beobachtung auf den Sundainseln: "Die Blüte dieser Bäume ist die Muskatblüte. Ich habe das alles mit eigenen Augen gesehen."

Nervenkekse mit Nebenwirkungen

Bald drangen die Erkenntnisse der arabischen Pharmazie über Muskat in die europäische Medizin ein. Die mittelalterlichen Ärzte übernahmen die Vorgaben ihrer arabischen Kollegen und stuften die Nüsse als warm und trocken ein. Und natürlich setzten sie Muskat gegen die gleichen Krankheiten ein. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) beschrieb in ihrer "Physica" die Heilkräfte der Nuss:

"Die Muskatnuss hat große Wärme und eine gute Mischung in ihren Kräften. Und wenn ein Mensch die Muskatnuss isst, öffnet sie sein Herz und reinigt seinen Sinn und bringt ihm einen guten Verstand. Nimm, wie auch immer, Muskatnuss und in gleichem Gewicht Zimt und etwas Nelken und pulverisiere das. Und dann mach mit diesem Pulver und mit Semmelmehl und etwas Wasser Törtchen, und iss diese oft, und es dämpft die Bitterkeit des Herzens und deines Sinnes, und es öffnet dein Herz und deine stumpfen Sinne, und es macht deinen Geist fröhlich und reinigt deine Sinne, und es mindert alle schädlichen Säfte in dir und es verleiht deinem Blut einen guten Saft, und es macht dich stark."

Heute wird spekuliert, dass diese "Nervenkekse" mit für die Visionen von Hildegard von Bingen verantwortlich gewesen sein sollen dank der halluzinogenen Wirkung der Muskatnüsse (siehe unten). 1267 lobte H. Folz in den "Fastnachtsspielen" die Muskatblüte: "... so hat solche craft die muschkatplue, wen die plutspeiung zu sere mue, oder ein scharfen pauchflus hab." Seit dem 13. und 14. Jahrhundert fehlen "nuces moschatae", nach Moschus riechende Nüsse, in keiner europäischen Gewürz- oder Arzeimittelübersicht. Sogar vor der Pest sollte Muskat schützen.

"Muskatnuss in Wein und du bist mein!"

In den Gewürzapotheken des Mittelalters folgte man den Beispielen der Araber und mischte süße Sirupe aus Veilchen und Rosen mit Gewürzen. In einer handschriftlichen Rezeptsammlung des 13. Jahrhunderts aus Andalusien wird ein Sirup mit Muskat, Nelken, Safran, Rosenwasser und Moschus beschrieben, der Magen, Herz und Leber stärken sollte. Gegen Schwäche und Feuchtigkeit des Körpers empfahl die Schrift einen Honigsirup mit Zimt, Muskatnuss, Muskatöl und Nüssen.

Beliebt waren auch Gewürzweine, die vielerlei Gebrechen heilen sollten und um deren Herstellung Apotheker und Hausfrauen wetteiferten. Ein Rezept von Arnald de Villanova (1235 – 1312), Leibarzt von Papst Bonifazius VIII. und König Jakob II. von Aragon, enthielt neben altem Wein Muskatnüsse, Nelken, Rosinen und Zucker. "Muskatnuss in Wein und du bist mein!", reimte ein alter Spruch.

In der Volksheilkunde galten Muskatnuss und -blüte als Mittel, die zum "Venushandel" reizten. Ein begehrter Liebestrank waren in Wein eingelegte Muskatblüten. Matthiolus empfahl, Muskatöl auf den Penis zu reiben, um Potenzstörungen zu beheben. Aber auch magische Vorstellungen mischten sich in die Volksmedizin: "Gleichfalls haben auch die Muscatblumen die Form einer Gebärmutter: Dieweil sie nemblich die Muscatnuß in sich verschliessen/wie die Mutter ihr Geburt," schrieb Oswald Croll 1629 in "Signaturen".

In Silber gefasste Muskatnüsse, zum Teil mit Perlen verziert, wurden als Liebes- und Schutzamulette um den Hals getragen. Doch auch als Abtreibungsmittel wurde Muskat eingesetzt, wobei Vergiftungen beobachtet wurden. So berichtete Lobelius 1576, dass eine schwangere Engländerin nach dem Genuss von zehn oder zwölf Muskatnüssen ins Delirium fiel.

Unverzichtbar wurden Muskatnüsse und Macis für die tägliche Toilette. Sie verströmten ihren Duft als Pomander in Metallkästchen am Gürtel und in Juwelenanhängern. Dies sollte sogar eine gute Wirkung aufs Gehirn haben – so ein englisches Rezept von 1606. Die empfohlene Parfüm-Paste bestand unter anderem aus Macis, Nelken, einer ganzen Muskatnuss und zwei bis drei Tropfen Spiknarde. In Mundwassern sollte Muskatblüte einen reinen Atem schenken.

Konfekt vom Sonnenkönig

Noch immer war Muskat ein teures Luxus-Gewürz, das sich nur wenige leisten konnten. 1393 kostete ein Pfund Muskat 80 Schillinge, soviel wie sieben feiste Ochsen. Um 1420/21 war ein Pfund Muskatblüte soviel wert wie drei Schafe, für zwei Pfund bekam man eine Kuh. Muskatnüsse waren erheblich günstiger, aber immer noch gut doppelt so teuer wie das "Massengewürz" Pfeffer. Dennoch stieg der Muskatverbrauch im 15. Jahrhundert stark an.

Anfang des 16. Jahrhunderts kauten wackere Zecher kandierte Gewürze, um ihren Weindurst zu erhöhen. "Aus der Speißkammer werden auch getragen die schönste übergulte Confect von Mandel, Canel, Ingber, Muskaten (...), das alles wird züchtiglich und mit Fleiß zum Schlaffdrunck fürgetragen", berichtete Hieronymus Bock in seiner 1550 erschienenen "Teütschen Speiszkammer". Der "Sonnenkönig" Ludwig XIV. führte selbst die Sitte ein, gezuckerte Gewürze täglich als Konfekt aufzutragen. Dazu gehörten auch Muskatnüsse, die destilliert und mit Muskatblüte in Zucker kandiert wurden.

Venedig übernahm das Muskat-Geschäft von den Arabern. Die neuen Handelsherren kontrollierten den Preis und die Qualität der Würzen. Vereidigte Beamte garbelierten (reinigten) den Muskat. Sie sammelten von Insekten angefressene, verschrumpelte, ausgedörrte oder verschimmelte Exemplare heraus. "Die Muskatnüsse, die am schwersten wiegen, sind die besten", wusste schon der "Ménagier de Paris" im 14. Jahrhundert. Und die "Koch und Kellermeisterey" von 1581 empfahl: "Nimb von den allerschwersten frischesten und ganßesten Muscaten (denn die faulen dürren und verschrumffenen sein hieher gar untüglich)".

Von Fälschungen scheinen Muskatnüsse seltener betroffen gewesen zu sein als andere Gewürze. Ein besonders krasser Fall wurde im frühen 19. Jahrhundert beobachtet: Damals gelangten aus Holz gedrechselte Muskatnüsse auf den nordamerikanischen Markt.

Das rarste Gewürz der Welt

Die Weltumseglung des Magellan ließ den lukrativen arabisch-venezianischen Muskathandel zusammenbrechen. Portugiesen beherrschten nun die Molukken, bis sie die Holländer in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von den Inseln vertrieben. Um die Produktion zu überwachen, ließen die neuen Herren Muskatbäume ausreißen und ganze Inseln kahl schlagen. Nur auf der Banda-Inselgruppe erlaubten sie Muskat-Plantagen. Eingeborene, die sich widersetzten, rottete man kurzerhand aus.

Um ihr Monopol zu festigen, begannen die Holländer, Muskatnüsse zu kalken, um ihre Keimkraft zu zerstören. Darüber hinaus bestraften sie den Diebstahl von Muskatnüssen und -pflanzen mit dem Tod. "... der Muscaten Nuß-Baum genannt, wächset, wie itzt gedacht, auf der Insel Banda, und mag wohl mit gutem Fuge (...) der rareste der Welt heißen, weil er sonst an keinem Ort in ganz Indien mehr als hier wächset", schrieb George Meister in "Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lust-Gärtner" von 1692. Der Muskat-Ertrag stieg, doch um die Preise in Europa hochzuhalten, mussten ganze Ernten vernichtet werden. 1760 verbrannte man in Amsterdams Lagerhäusern so viele Muskatnüsse, dass die Menschen in den Straßen in Muskatbutter wateten.

Die Preise sanken erst im späten 18. Jahrhundert, nachdem die Franzosen einige geschmuggelte Muskatpflanzen weitergezüchtet und das holländische Monopol zu Fall gebracht hatten. Schließlich besetzten die Engländer die Muskatinseln und begannen das Gewürz auch in Indien, Sumatra und später im westindischen Grenada anzubauen, wo heute etwa ein Drittel der Weltproduktion an Muskatnüssen herkommt. Doch es dauerte bis 1863, ehe der Muskat-Anbau gänzlich freigegeben wurde.

Muskat feierte erst in der französischen Küche, dann in ganz Europa einen wahren Siegeszug. An fast alle Speisen, Saucen und Getränke kam eine Prise Muskat. In England des 18. Jahrhunderts trug jeder seine eigenen Nüsse und passende Muskatschaber aus Silber, Holz oder Bein bei sich, um eigenhändig das gewünschte Quantum Muskat übers Essen, in heißes Bier oder Glühwein zu reiben. Der Maler Toulouse-Lautrec trennte sich nie von seiner Muskatreibe, um seinen Portwein jederzeit mit frisch geriebenem Muskat würzen zu können.

Allheilmittel Muskat

Die Anwendung von Muskatnuss und -blüte in der Medizin stieg. "Die Nuss soll das Gehirn stärken, das Gedächtnis schärfen, den verdorbenen Magen erwärmen und stärken, die Flatus oder Winde vertreiben, einen guten Atem machen, den Urin abtreiben, die rote Ruhr stopfen, summa, vor allerlei Gebrechen des Haupts, Gehirns, Magens, Leber und die Mutterbeschwerung", schrieb George Meister 1692. Und weiter: "Die Frucht oder grünen Nüsse, wenn sie mit ihrer äußersten grünen Schale, gleich unsere welschen Nüssen eingemacht werden, ist ein vortrefflich Präservativ vor die ungesunde Luft, früh nüchtern zu essen. Ja es kann die Kranken selbst kräftiglich laben und mit frischen Geistern aufmuntern."

Oswald Croll empfahl in seinen "Signaturen" von 1629 "ein kräfftig und fürtrefflich Pulver wider die Rotheruhr". Es bestand unter anderem aus roten Korallen, Tormentillwurzel, wilden Granatblüten, Zimt und Muskatnüssen. Die gemahlenen Nüsse in einem Ei gebacken sollte ebenfalls gegen rote Ruhr wirken. Muskat kam darüber hinaus gegen Migräne zum Einsatz.

"Es seyn auch diese Muscatennuß fast dienstlich wider die Schwachheit und Ohnmächtigkeit des Herzens/wie auch wider das Zittern desselbigen", heißt es 1731 bei Tabernaemontanus [1]. Er erwähnte überdies Muskat bei der Verwendung gegen Epilepsie und empfahl sie als Mittel gegen Sprechfaulheit: "Wider die Trägheit der Zungen soll man diese Artzeney gebrauchen. Nimm Muscatennüß, Nüß aus India, Näglein, Bertram, Teuffelskoth, jedes ein Scrupel, Ladanum, Dragant, jedes ein Quintlein, machs mit Wachs zu Pillulein und zeuch es in dem Mund um." Oft wurden geriebene Muskatnüsse als Abtreibungsmittel eingesetzt.

Das aus der Nuss gewonnene Öl galt als besonders heilkräftig. Tabernaemontanus schrieb: "Man muß aber des Oels nur drey oder vier Tröpfflein in einem Löffel voll Brühe (oder Malvasier) oder anderm Getränk eingeben (gibt dem Magen und Athem einen guten Geruch). In das Herzgrüblein gestrichen / und under die kurtzen Rippen der rechten Seiten / stärcket die Däuung und Leber / auff der lincken Seiten aber stillet das auffschwellen des Magens."

Macis wurde seltener als die Nuss eingesetzt, doch fast mit den gleichen Indikationen. Sie sollte die Kraft der Nüsse haben, aber subtiler wirken. Adam Lonicerus (1528 – 1586) hielt Muskatblüte für ein Mittel gegen Herzzittern und vermerkte, dass das Gewürz seine Kraft unversehrt neun Jahre lang behalte. "Es wird aber die Muscatenblüte fürnemlich gebraucht zu dem Magen / dann sie ein sonderliche Eigenschafft hat / den erkalten und schwachen Magen zu stärcken und zu erwärmen: sie hilfft und fürdert die Dauung / verzehret die böse Feuchtigkeit / und vertreibet die Winde", so Tabernaemontanus.

Der Niedergang

Das erste überlieferte pharmakologische Experiment mit der Muskatnuss fiel ins 17. Jahrhundert: Der holländische Linsenschleifer van Leeuwenhoek untersuchte 1676 die Muskatnuss und entdeckte, dass ihre flüchtige Komponente Milben tötete. Die Ärzte verschrieben die Nüsse weiterhin gegen Verdauungsbeschwerden. Um 1800 stellten sie jedoch fest, dass Muskat eine ähnliche Wirkung wie andere Aromatica hatte, aber keine weiteren Vorteile bot. Muskat und Macis versanken nach und nach in Bedeutungslosigkeit.

1897 bemerkte Otto Warburg, dass der Einsatz der Gewürze in der Medizin relativ gering sei und sie nur noch als Magenstimulans eingesetzt werden, bei Dyspepsie, Katarrh, Kolik und als Appetitanreger [2]. 1925 lobte Karl Stauffer den äußerlichen Gebrauch von Muskatöl bei Spinalirritationen und trophischen Störungen vom Rückenmark her, "... ich habe es öfter mit beruhigender Wirkung gegeben" [3]. In der Diätetik empfahl man die Nüsse bei Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfall.

Von Halluzinationen und Muskattrips

Auf einem anderen Gebiet machte Muskat jedoch bald wieder von sich reden: Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden in steigendem Maße Muskatnüsse gegessen – als Marijuana-Ersatz. Als Erster erkannte der Breslauer Physiologe und Pharmakologe Johannes Evangeliste Purkinje (1787 bis 1869) die halluzinogene Wirkung der Muskatnuss. Er berichtete über einen Selbstversuch mit Muskat in "Einige Beiträge zur physiologischen Pharmacologie" (1829):

"Über die narkotische Wirkung der Musskatnuß. (...) Ich nahm erst eines Morgens eine ganze Nuss, stückweise mit Zucker, was eben nicht unangenehm war. Die Wirkung (...) war unbedeutend; etwas Trägheit in den äußeren Sinnen und im Bewegungssystem, ziemlich nachhaltend." Er erhöhte die Dosis auf drei Muskatnüsse und verspürte eine unwiderstehliche Schläfrigkeit und angenehme, ruhige Träume. "Nachdem (...) machte ich noch einen Versuch, indem ich mit etwa zwei Drachmen (= 8,74 g) Muskatnuss reinen Branntwein zusammenrieb und austrank. Auch hier fand ich die Wirkung bedeutend verschieden, indem ich mich statt einer ruhigen Schläfrigkeit eine allgemeine Unruhe im Muskelsystem und Schwindelhaftigkeit befiel."

Auch in der 19. Ausgabe (1907) des "Dispensatory of the United States of America" wurde auf die narkotische Wirkung der Muskatnuss hingewiesen. In einer Dosis von 7,7 oder 11,6 Gramm sollte sie ein Delirium hervorrufen können. Muskatvergiftungen häuften sich um diese Zeit. Zum einen lag das an den Muskatessern, zum anderen an der Verwendung der Nüsse als Abtreibungsmittel [4].

Vergiftungen mit Muskatblüte waren dagegen selten. G. C. Watson beschrieb 1848 eine Vergiftung mit Macis mit Bewusstlosigkeit und Halluzinationen. Die Symptome dauerten drei Tage und ähnelten denen von Cannabis [5]. Erstaunliche Wirkungen für ein "harmloses" Gewürz. Welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind und wie sie sich im Organismus verhalten, ist bis heute noch nicht endgültig geklärt.

Frederick Power und Arthur Henry Salway isolierten und identifizierten von 1907 bis 1908 zahlreiche Bestandteile der Muskatnüsse. Heute ist bekannt, dass sie zu 20 bis 40 Prozent aus orangefarbenem fettem Öl (Muskatbutter; 70 bis 85% Trimyristin) und zu drei bis 12 Prozent aus ätherischem Öl bestehen.

Die flüchtigen Bestandteile der Nuss enthalten circa 4% Myristicin, 39% Sabinen, 13% α-Pinen, 9% β-Pinen, 4% α-Phellandren, 4% Limonen, 1% Terpinen, 1% Cymen, 1% Terpinolen und Spuren anderer Stoffe wie Safrol, Eugenol, Isoeugenol. Die Zusammensetzung kann je nach Anbaugebiet variieren [6]. Bei der Muskatblüte liegt der Gehalt an Fett bei 22 bis 35 Prozent und an ätherischem Öl zwischen fünf und 22 Prozent. Wirkstoffe sind Myristicin, Eugenol und Terpene.

Für die psychoaktive Wirkung von Muskatnuss und -blüte scheinen die Phenylpropanderivate Myristicin, Elemicin und Safrol verantwortlich zu sein: Diese Stoffe werden im Körper zu Amphetaminderivaten aminiert. Dadurch entsteht aus Myristicin MDA (Methylendioxy-amphetamin) oder MMDA (3-Methoxy-4,5-methylendioxy-amphetamin), beides entaktogene Substanzen, und aus Elemicin TMA (3,4,5-Trimethoxy-amphetamin), eine mit Meskalin verwandte Substanz. Safrol wird durch Aminierung zu MDMA (3,4-Methylendioxy-methamphetamin), das besser unter dem Namen "Ecstasy" bekannt ist.

Die Geburt von Ecstasy

Die Firma Merck in Darmstadt stellte aus den Phenylpropanderivaten der Muskatnuss erstmals MDMA synthetisch her. Die 1914 patentierte Substanz (Pervitin®) diente während des Ersten Weltkrieges als Appetitzügler bei Soldaten. In den 50er- bis 70er-Jahren wurde sie unter ihrem neuen Namen "Ecstasy" als Psychotherapeutikum eingesetzt, bis sie 1986 von der UNO in die Liste der verbotenen Stoffe aufgenommen wurde.

Doch der Ruf als Rauschmittel eilte der Muskatnuss voraus. In den 50er- und 60er-Jahren schluckten Studenten und Gefängnisinsassen in den USA große Mengen Muskatnusspulver, zum Teil wurde die Droge auch geraucht. Malcolm X alias Malcolm Little (1925 – 1965) beschrieb in seiner Autobiographie, dass eine Streichholzschachtel voll Muskatpulver einem "High" wie von drei bis vier Marihuana-Joints entspricht. Ein Trank aus mehreren geriebenen Muskatnüssen in Bier soll einen Rauschzustand erzeugen, der dem Haschischrausch ähnlich ist, aber von starker Magenreizung begleitet wird, berichtete H. Friebel 1953 [7].

Als halluzinogene Dosis wurden meist zwei bis drei Muskatnüsse angegeben. In kontrollierten Versuchen konnte für eine deutliche psychoaktive Wirkung eine Dosis von bis zu 15 Gramm Samenpulver ermittelt werden. Leung stellte fest, dass sieben bis acht Gramm Muskat Halluzinationen und Euphorie hervorrufen können [8].

Als Nebenwirkung kommt es bei fünf bis fünfzehn Gramm der Droge zu Symptomen, die denen der Atropin-Vergiftung ähneln. Welche der zahlreichen Inhaltsstoffe der Muskatnuss toxisch ist, ist nicht genau bekannt. Bei sublingual aufgenommenem ätherischem Öl können schon einige Tropfen deutlich psychoaktive Effekte haben. Über toxische Mengen gibt es keine definitiven Angaben.

Keine harmlose Nascherei

Zahlreiche leichtere bis mittelschwere Vergiftungsfälle mit Muskat sind mittlerweile bekannt geworden. Auch beim Verzehr von "Nervenkeksen" &afrave; la Hildegard von Bingen (s. o.). Die zahlreichen vor allem in der Naturheilkunde- und Esoterikszene kursierenden Rezepte enthalten je Kilogramm Mehl meist 45 oder mehr Gramm Muskatnuss. Schon ausgiebiges Naschen am rohen Teig oder 100 Gramm Nervenkekse reichen für eine leichte Muskat-Vergiftung aus. Keine harmlose Nascherei, denn Safrol wirkt überdies leberschädigend. Schwere Vergiftungen durch Muskat sind allerdings selten. Auch nach Einnahme von 80 Gramm trat keine lebensbedrohliche Situation auf, tödlich verlaufende Fälle sind nicht überzeugend dokumentiert [9]. Nach Erfahrungsberichten von Muskatessern kann die Droge jedoch unangenehme, bis zu drei Tage lange Trips auslösen, bei denen die Motorik eingeschränkt ist.

Wie oft Muskat als legale halluzinogene Ersatzdroge zum Beispiel von Cannabis indica verwendet wird, ist unbekannt. "Die Suchtgefahr ist jedoch völlig auszuschließen, denn wer um der halluzinogenen Wirkung willen eine Überdosis Muskat verzehrt hat, bekommt einen derartigen Widerwillen gegen dieses Gewürz, dass er es nicht mehr nehmen kann", stellte Mannfried Pahlow 1995 fest [11]. Heute wird Muskat bei uns nur noch selten als Medikament eingesetzt.

In der Homöopathie soll "Nux moschata" bei Nervenschwäche, Erschöpfung, Ohnmachtsanfällen und Hysterie helfen. Daneben dient Muskatöl als Bestandteil von Salben und Pflastern. Weitverbreitet ist Muskatöl in der kosmetischen Industrie, zum Beispiel in Zahncremes und in der Aromatherapie. Es gilt als Antistress-Mittel, das in Japan sogar über die Klimaanlagen versprüht wird.

Dabei ignorieren die meisten Menschen die starke psychoaktive Wirkung des Muskats und seine toxische Komponente und verwenden es bedenkenlos als Gewürz für Backwaren, Getränke oder Süßigkeiten. Sicher ein Grund mehr, Muskat besser zu erforschen, auch was seinen Einsatz in der Medizin betrifft. Schließlich war sich schon Alexander Shulgin, der 1962 MDMA aus dem Myristicin synthetisierte und damit experimentierte, sicher: "As yet, no known pharmacology of any known component of oil of nutmeg can explain the syndrome of the whole nutmeg" [10].

Kasten Moschus, Muskat, Muskateller

Moschus, das eingetrocknete Sekret der Duftdrüse des Moschushirsches (Moschus moschiferus), gehört zu den stärksten natürlichen Duftstoffen. Verantwortlich für den Duft sind makrozyklische Kohlenwasserstoffe mit 15 bis 17 C-Atomen und 1 bis 2 O-Atomen, insbesondere Muscon (3-Methylcyclopentadecanon), Zibeton (Cyclopentadecenon), Ambrettolid (Oxacycloheptadecenon) und Exaltolid (Oxacycloheptadecanon).

Die Namen der Substanzen deuten daraufhin, dass sie auch in den beiden anderen der drei bekanntesten tierischen Duftdrogen enthalten sind: im Zibet, einem Sekret der Zibetkatze (Viverra zibethina), und im Ambra, einem Exkret des Pottwals (Physeter macrocephalus).

Ob ein Duft als unausstehlich, animalisch, betörend oder lieblich empfunden wird, ist auch eine Frage der Konzentration. Das mag erklären, dass Moschus früher nicht nur für eine bestimmte Duftnote stand, sondern der Inbegriff von "Duft" an sich war, und zwar im Orient ebenso wie im Okzident. Wir kennen deshalb eine große Anzahl von Pflanzen, die keinen der typischen Moschus-Inhaltsstoffe enthalten und dennoch nach Moschus oder seinem Synonym Bisam benannt worden sind.

So nannten die Araber die duftenden Samen des Moschuseibischs "habb al-misk", Moschuskörner; davon ist der wissenschaftliche Name Abelmoschus abgeleitet worden. Auch die stark duftende Traubenhyazinthe (bei uns volkstümlich "Muskatträublein") wurde im Orient mit Moschus verglichen; 1597 wurde sie in Europa unter der verballhornten arabischen Bezeichnung "muscari" beschrieben, Linné übernahm das Wort als Gattungsnamen, und so findet es sich noch heute in der wissenschaftlichen Nomenklatur. Die Muskatnuss – das heißt: Moschusnuss - erhielt ihren Namen, weil unter den "Nüssen" keine so wohlriechend war wie sie.

Viele Pflanzenarten tragen aufgrund ihres kräftigen Geruchs den wissenschaftlichen Namen "moschatus/-a/-um". Noch häufiger finden sich "Moschus", "Bisam" oder "Muskat" als Bestimmungswörter in den volkstümlichen Namen. Sogar beim Wein griff man auf den Begriff "Moschus" zurück, um die bukettreichen Sorten zu charakterisieren; so kamen die zahlreichen Varianten der "Muskatellerreben" zu ihren Namen. Wenn diese Rebsorten nicht verfügbar waren und man dennoch nicht auf das Bukett verzichten wollte, würzte man den Wein mit Muskat oder mit Muskatellersalbei (Salvia sclarea), einem früher auch wegen dieser Anwendung sehr wichtigen Küchenkraut. W. Caesar

Kasten Pflanzen mit dem Artnamen "moschat(ellin)us/-a/-um"

Abelmoschus moschatus / Moschuseibisch Achillea moschatellina / Moschuskraut Amberboa moschata / Duftende Flockenblume Cucurbita moschata / Moschus-, Bisamkürbis Erodium moschatum / Moschus-Reiherschnabel Fragaria moschata / Zimt-Erdbeere Malva moschata / Moschus-Malve Mimulus moschatus/ Moschus-Gauklerblume Rosa moschata/ Moschus-Rose

Kasten "Moschus", "Bisam", "Muskat" in Pflanzennamen

Carduus nutans / Bisam-Distel Geranium pratense/ Wilder Muskat Daphne mezereum / Muskatblüh Herminium monorchis/ Bisamknabenkraut Jurinea spp./ Bisamdistel Matthiola incana/ Muskatblume Matricaria chamomilla/ Muskatröslein Muscari spp./ Muskatträublein Olearia argophylla/ Moschusbaum Pelargonium odoratissimum/ Muskat Platanthera bifolia/ Bisamknabenkraut Salvia sclarea/ Muskatellersalbei Tanacetum vulgare / Moschuskraut Teucrium marum / Moschuskraut

Kasten Lukratives Monopol

Der Handel mit Muskatnüssen und -blüte brachte früher unglaublichen Reichtum. Auch die erste Weltumseglung durch Magellan kannte nur ein Ziel: die Molukken, Heimat der Muskatbäume. Von den fünf Schiffen, die ausgefahren waren, kehrte 1521 nur ein einziges nach Europa zurück. Doch dieses Schiff war voll mit Muskat und Nelken beladen. Danach errichteten die Portugiesen ein Muskatmonopol, das sie später an die Holländer verloren.

Kasten Ausstellung

Das Deutsche Museum in Münschen zeigt bis zum 30. Dezember 2002 eine Sonderausstellung zum Thema Gewürze. Höhepunkt der Ausstellung ist ein orientalischer Gewürzbasar. Dort darf nicht nur das Auge, sondern auch die Nase genießen.

Deutsches Museum, Museumsinsel 1, 80538 München, Tel. (0 89) 21 79-1, www. deutsches-museum.de/ausstell/gewuerz.htm Geöffnet: Täglich 9.00 bis 17.00 Uhr

Kasten Bücher zum Thema Gewürze

Eberhard Teuscher: Gewürzdrogen – Ein Handbuch der Gewürze, Gewürzkräuter, ihrer ätherischen Öle und der Gewürzmischungen. XII, 468 Seiten, 173 farb., 36 s/w Abb., 498 Formeln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2002. 108,– Euro (Subskriptionspreis bis 31. Januar 2003: 96,– Euro). ISBN 3-8047-1867-1.

Elisabeth Vaupel: Gewürze – Acht kulturhistorische Porträts. 144 Seiten farbig. 14,95 Euro. Katalog des Deutschen Museums, München 2002. 14,95 Euro. ISBN 3-924183-85-6.

Mannfried Pahlow: Gesunde Gewürze – Tipps, Rezepte und Informationen. 192 Seiten, 87 Abb., S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2000. 14,80 Euro. ISBN 3-7776-0985-4.

Mannfried Pahlow: Gewürze – Genuss und Arznei, 2. Auflage, 144 Seiten, 43 Abb., medpharm Scientific Publishers, Stuttgart 1995. 9,90 Euro. ISBN 3-88763-038-6.

Vorschau: Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling: Lexikon der Liebesmittel. Pflanzliche, mineralische, tierische und synthetische Aphrodisiaka. Ca. 700 Seiten, ca. 800 Abb. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2003. 78,– Euro (Subskriptionspreis bis 30. Juni 2003: 66,– Euro). ISBN 3-8047-1963-5.

Literatur

[1] Theodorus Tabernaemontanus, D. J.: Neu vollkommen Kräuterbuch. 4. Aufl., Offenbach/M. 1731. [2] Warburg, O. v.: Die Muskatnuss. Leipzig, 1897. [3] Stauffer, K.: Klinische Homöopathische Arzneimittellehre. Lindau-Hoyerberg 1925. [4] Weil, A. T.: The Use of Nutmeg as a Psychotropic Agent. Bull. Narcot. 18 (4), 1 (1966). [5] Watson, G. C.: Symptoms of poisoning, after eating a quantity of mace. Prov. Med. Surg. J., January 26 (1848). [6] Janssens, J,, et al.: Nutmeg Oil: Identification and Quantitation of Platelet Aggregation. J. Ethnopharmacol. 29, 179 –188 (1990); zit. nach: Rätsch, C.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Aarau 1995. [7] Friebel, H.: Med. Klin. 42, 1569 (1953). [8] Leung, A.Y.: Chinesische Heilkräuter. München 1998. [9] Stein, U., et al.: Nutmeg (myristicin) poisoning – report on a fatal case and a series of cases recorded by a poison information centre. Forensic Sci. Int. 118 (1), 87 – 90 (2001). [10] Shulgin, A. T.: Concerning the pharmacology of nutmeg. Mind 1, 299 – 303 (1963). [11] Pahlow, M.: Gewürze – Genuss und Arznei. Stuttgart 1995. [12] Teuscher, E.: Gewürzdrogen. Stuttgart 2002.

Im Barockzeitalter war Muskat das Modegewürz schlechthin. Wer es sich finanziell leisten konnte, würzte mit einer Prise Muskat sämtliche Speisen und Getränke, insbesondere auch den Wein. Es galt als Allheilmittel, das gegen Migräne ebenso helfen sollte wie gegen Diarrhö. Nicht zuletzt stand es im Ruf eines Aphrodisiakums. Die Einnahme größerer Mengen Muskat verursacht Halluzinationen. Für die psychoaktiven Wirkungen sind Phenylpropanderivate verantwortlich, die im Organismus zu Amphetamin-Derivaten aminiert werden.