Arzneimittel und Therapie

RSV-Prophylaxe: Monoklonaler Antikörper Palivizumab eingeführt

Seit 1. September können jetzt erstmals Frühgeborene und immungeschwächte Säuglinge vor einer Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) geschützt werden. Das Wiesbadener Pharmaunternehmen Abbott GmbH hat den monoklonalen Antikörper Palivizumab (Synagis≠) jetzt auch in Deutschland eingeführt.

Palivizumab ist der erste monoklonale Antikörper zur Prävention von schweren Erkrankungen der unteren Atemwege, die durch das Respiratory Syncytial Virus verursacht wurden. Seine Vorzüge liegen in der geringen Dosierung und der Applikationsform, was vor allem den sehr kleinen und sehr schwachen Frühgeborenen und immungeschwächten Säuglingen zugute kommt. Bereits 15 mg des Wirkstoffs pro kg Körpergewicht, intramuskulär verabreicht, reichen aus, um die erforderliche Untergrenze der Antikörperkonzentrationen von 40 mg/ml im Serum nicht zu unterschreiten.

Empfohlen wird die einmal monatliche Gabe während der gesamten RSV-Saison von Oktober bis März. Bei Säuglingen, die schon zu Hause sind, sollte mit der Prophylaxe bereits einen Monat vor Saisonanfang begonnen werden.

Gut verträglich

Wie das Unternehmen Abbott mitteilt, ist Palivizumab nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit im Sommer letzten Jahres in den USA und Kanada eingeführt worden. Seitdem sind dort bereits mehr als 50000 Früh- und Neugeborene immunisiert worden. Bei der großen Patientenzahl bestätigte sich neben der Wirksamkeit auch die gute Verträglichkeit des Medikamentes.

In vorangegangenen Studien konnte die Zahl der RSV-bedingten Krankenhauseinweisungen aller Frühgeborenen durch Palivizumab um mehr als die Hälfte reduziert werden. Noch deutlicher waren in der multizentrisch in den Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien durchgeführten IMPact-Studie die Erfolge bei Frühgeborenen ohne Lungenerkrankung nach einer Schwangerschaftsdauer von 32 bis 35 Wochen. Eine Subgruppenanalyse ergab hier, dass sich die Zahl der Hospitalisierungen um 82 Prozent gegenüber Plazebo verringerte.

Schwere Erkrankungen der unteren Atemwege

Schwere Erkrankungen der unteren Atemwege, die durch RSV-Infektionen hervorgerufen wurden, gelten in der Zeit von Oktober bis März als Hauptursache für stationäre Behandlungen von Kleinkindern und Säuglingen. Zwar infizieren sich fast alle Kinder in den ersten beiden Lebensjahren, gefährlich wird das Virus aber vor allem für Frühgeborene, Frühgeborene mit bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) und Kinder mit Immundefekten und Herzvitien.

RS-Viren verbreiten sich durch Tröpfcheninfektionen, aber auch - das gilt vor allem für die Klinik - durch Schmierinfektionen. In erster Linie sind die unteren Atemwege betroffen, was meist zu einer Bronchiolitis oder Pneumonie führt. Als Standardsymptomatik nennt Professor Johannes Forster aus Freiburg das Giemen. Je jünger allerdings die Kinder sind, desto unspezifischer können auch die Symptome sein.

Zusammenhang mit plötzlichem Kindstod?

Derzeit wird im Rahmen einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg untersucht, inwieweit möglicherweise ein Zusammenhang zwischen RSV-Infektionen und dem "plötzlichen Kindstod" besteht. Bisher gibt es weder einen Impfschutz noch zufriedenstellende Therapiekonzepte gegen das Virus. Die passive Immunisierung mit Palivizumab ist deshalb zur Zeit die einzige Möglichkeit des Schutzes. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt die monatliche RSV-Prophylaxe mit Palivizumab bei allen Kindern unter zwei Jahren mit Lungenerkrankungen.

Bei Frühgeborenen ohne BPD sollte bei einer Gestationsdauer von weniger als 28 Wochen bis zum Alter von 12 Monaten die Prävention durchgeführt werden, bei einer Schwangerschaftsdauer von 29 bis 32 Wochen bis zum Ende des sechsten Lebensmonats und bei Kindern nach einer Schwangerschaft von 32 bis 35 Wochen, die noch weiteren Risikofaktoren wie rauchende Familienmitglieder, Geschwister, Mehrlingsgeburten oder Betreuung in einer Tagesstätte ausgesetzt sind, ebenfalls bis Ende des sechsten Lebensmonats.

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