Gedanken zum Apothekertag 2016

Pat und Patachon von Pleiße und Saale

06.09.2016, 13:27 Uhr - Ein Blog-Beitrag von DAZ.online-Mitglied Gabriela Aures

Auf dem Deutschen Apothekertag 2015 vermisst Friedemann Schmidt Planungssicherheit für Apotheker (Foto: A. Schelbert).

Auf dem Deutschen Apothekertag 2015 vermisst Friedemann Schmidt Planungssicherheit für Apotheker (Foto: A. Schelbert).


Nur noch ein paar Wochen, dann beginnt der Deutsche Apothekertag in München. Gabriela Aures hat sich ein paar Gedanken gemacht, was sie in diesem Jahr erwarten wird. Läuft alles nach dem Motto: Dümpeln lassen, was nicht gefällt. Irgendwann vermoost das dann?

Die Sommerferien sind vorbei, das Kind an der Uni installiert, und es geht auf den Herbst zu.

Herbst – da war doch was?

DAT ist – dat war's.

Ein Jahr ist es her, dass FS mit seiner „Wut- und Brandrede“ die versammelten Pharmazeuten begeistert hat. Welch markige Worte, welch Mutparolen und welch Ruck – es ging uns durch und durch.

Nach einem Jahr erkennt man: Der „Ruck“ hat nur zu Verspannungen im Nacken geführt, der „Dienst nach Vorschrift“ ist zur Vermeidung von bisher bekannten Retaxgründen sowieso eine wirtschaftliche Notwendigkeit, weitere, gar mutigere Schritte hat man in der ABDA nie ernsthaft in Betracht gezogen – anders kann man die Nichtbeachtung des Ad-hoc-Antrages zum „Erstellen eines Maßnahmenkataloges“ nicht interpretieren.

Das Motto wie eh und je: Dümpeln lassen, was nicht gefällt. Irgendwann vermoost das dann.

Nachdem FS und sein fröhlicher Vize unisono ihre Doppelkandidatur zur nächsten Runde angekündigt haben, wird die diesjährige Rede sicher von den Erfolgen der letzten Jahre künden.

Je nach Perspektive des Betrachters gibt es davon überreichlich ...

  1. Der Notdienst wird bezuschusst – da kann man über ein paar andauernd fehlende Mios schon hinwegsehen. Dafür gibt's ja keine Ketten!

  2. Bei Rezeptur UND BTM wird tatsächlich darüber nachgedacht, die Zuschläge zu erhöhen. Dass die Politik offensichtlich mitleidig-belustigt sogar beim Arbeitspreis ohne Forderungen der ABDA was drauflegt, sollte den Verantwortlichen der Standesvertretung eigentlich zutiefst peinlich sein.

    Okay, über die direkte und unverzügliche Gegenfinanzierung dieser potentiell denkbaren Erhöhung mittels Deckelung der 3-%-Marge hat sich so explizit noch niemand gegenüber FS und den Seinen geäußert – und solange wird das Thema einfach nicht angefasst.

    Trübt also kein Wölkchen die Sicht aus dem Turm der Lindenstraße.

  3. Apropos Lindenstraße: die zu verlassen mittels Kauf eines Immobilienanteils in Berliner Premiumlage – also eine bessere Doppelhaushälfte mit repräsentativem Charakter – ist sowieso DER Megaerfolg der letzten Jahre.

    Tja, Bemusterung macht halt am meisten Spaß, wenn die zu verprassenden Kröten nicht aus der eigenen Tasche stammen.
    Der HGF kann dieses Jahr die Transparenz dieser Shopping-Sause bejubeln.

  4. Die BAK hat dem Berufsbild des Apothekers ein Facelift verpasst (per Fax gerne die Übersetzung), und es lesen sich darin so herzerwärmende Angebote wie Medikationsanalyse und -management. Natürlich in der Rubrik: umsonst und für umme. Entschuldigung, von welchem Gebräu hat man denn da genippt? 

    Wenn uns schon keiner mit dabei haben will, dann biedern wir uns einfach so lange mittels Dumpingpreisen = Nulltarif an, bis irgendjemand sagt: Okay, wenn die unbedingt wollen – und kostenlos machen sie's ja auch ... Wie dumm ist das denn? Welches Signal ist das denn?

    Hehre Pharmazie – koste es was es wolle, und wenn es die Existenz ist (also die der anderen ...)?
    Voreilig ins Berufsbild schreiben und sich anschließend wundern, dass es kein Geld dafür geben wird/kann? 

    Nichts gelernt aus Jahren der strategischen Niederlagen in Verhandlungen mit Kassen und Politik? Eine gewisse jugendliche Naivität mag an anderer Stelle ja durchaus charmant sein – hier ist sie kontraproduktiv, gefährlich und ein hausgemachter finanzieller Rückschlag.

  5. Ketten- Ketten-Ketten: Die wurden dank der hervorragenden Lobbyarbeit der ABDA seit Jahren verhindert. *LOL* Mir dünkt, Schönreden ist eine der Kernkompetenzen unserer ABDA.

    Nein. Die haben wir noch nicht, weil die Politik durchaus sieht, dass ca. 16.000 Einzelunternehmer leichter zu manipulieren sind als große Strukturen mit internationalem Hintergrund. Eine – vielleicht nicht reine, aber zumindest überwiegend – monetäre Entscheidung, die ganz schnell  anders ausfallen kann.

    Max Müller und Kollegen laden ein, alle kommen – und sind begeistert. Siehe die Lobeshymnen vom CDU-Schneewittchen Dr. Katja Leikert.

  6. Wegen Kern ...

    Einen „newsroom“ gibt es auch bald – die wenigen bösen bösen Mitgliedsorganisationen, mal wieder die Brandenburger Rabauken vorneweg, können das Bild der glücklichen Familie der MOs  nur ein wenig trüben – zu gut ist das Verhältnis aller untereinander.

    Ach, Weihnachten in deutschen Wohnzimmern ist im Vergleich dazu gelebte Anarchie und Revolution. Und Herr Dobbert hat durch sein Engagement – im Sinne seiner Kammermitglieder statt dem Mainstream der ABDA oder der MOs folgend – in der Führungsetage und im Haifischbecken der darunter keine Freunde mehr … ein potentieller Konkurrent weniger. So geht (Standes-)Politik!

    Und Herr Dr. Kern kann endlich tagesaktuelle Nachrichten für alle Interessierten aus der bunten Medienwelt bereitstellen. Auf die „Klicks“ bin ich mal gespannt – aber das wird sicher im Ordner „Top Secret“ abgeheftet.


Schön, wenn man sich wie FS und sein Buddy M. Arnold ein sonniges Gemüt bewahrt und die Realität zu großen Teilen ausblenden kann.

Aber bitte privat an Pleiße und Saale und nicht auf Kosten der deutschen Apothekerinnen und Apotheker!

Wobei ja FS und MA nicht alleine schuld sind an der Misere – das ganze System krankt an der Dominanz oder Mischung von Pöstchen, Pfründen, Parvenüs und Höflingen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion von DAZ.online.


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4 Kommentare

mündige apotheker/innen gesucht

von dr.c.m.klotz am 05.10.2016 um 1:59 Uhr

Nachdem Gabriela so schön vorgelegt hat, frage ich mich manchmal, wie es eigentlich dazu kommt, dass Leute, die den NC und ein schweres Studium mit viel Disziplin geschafft haben, ihren eigenen Berufsstand so schlecht managen können. Ich weiß, die demokratischste Organisation Deutschlands hat angeblich die richtige, ich die falsche Brille auf der Nase. Der Ansicht waren Honi und Ulbrecht damals in der Zone wahrscheinlich auch.
Wir reden immer vom mündigen Bürger, den wir so toll respektieren und wo bleibt der mündige Apotheker/in, der, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt? Der DAT 2016 wieder ein fest der Claqueure? Die dünne und unspektakuläre Antragsmappe lässt es vermuten.
Ich hoffe, es sind ein paar Stimmen im Auditorium, die sich trauen, sich zu Wort zu melden, wenn die Delegierten nur noch das Mantra der ABDA herunterbeten.

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DAT und Dezemberwahl

von Heiko Barz am 07.09.2016 um 18:19 Uhr

In der neuen PZ wiederholt F.Schmidt seine Wiederwahlabsicht mit der Drohung, es gäbe ihn nur mit seinem Vize im Doppelpack. Sei's drum.
Gerade begutachte ich die Hausaufgaben meiner Enkelin, Thema: Faktor Rechnung.
Wenn in einem Produkt von zwei Faktoren ein Faktor gleich Null ist, dann ist das Produkt gleich Null.
Im Übrigen gibt es da noch ein anderes analoges Filmpaar, aber lassen wir das.

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Einspruch

von Reinhard Rodiger am 07.09.2016 um 16:28 Uhr

Pat und Patachon hatten wenigstens Stil. Der Vergleich ist deshalb eine Beleidigung.
Eine wunderbare Zusammenstellung, die JEDER lesen sollte.

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Gedanken zum DAT von Gabriele Aures

von Silke Hans am 07.09.2016 um 12:39 Uhr

Eine wunderbare Zusammenstellung- DANKE Gaby!

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