„Apotheken unter Druck“

ABDA und Adexa warnen vor Zusammenbruch der Versorgungsstrukturen

Berlin - 06.06.2024, 15:30 Uhr

Sigrid Joachimsthaler von Adexa und ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening klären mit ABDA-Kommunikationschef Benjamin Rohrer (v. l.) über die Lage der Apotheken auf. (Foto: ABDA)

Sigrid Joachimsthaler von Adexa und ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening klären mit ABDA-Kommunikationschef Benjamin Rohrer (v. l.) über die Lage der Apotheken auf. (Foto: ABDA)


Auf einer Pressekonferenz haben ABDA und Adexa gemeinsam gegen die Reformpläne des Bundesgesundheitsministeriums Stellung bezogen. Den geplanten PTA-Apotheken erteilten sie eine klare Absage. Zudem war man sich darüber einig, dass deutlich mehr Geld für die Honorierung der Apotheken und ihrer Angestellten ausgegeben werden muss.

Anlässlich des bevorstehen Tags der Apotheke am 07. Juni hatte die ABDA am heutigen Donnerstag unter dem Motto „Apotheken unter Druck“ zu einer Pressekonferenz geladen. ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening verdeutlichte den Zuhörer*innen erneut die prekäre Situation der Apotheken. Aktuelle Zahlen und Daten wurden vorstellt, um die Lage zu illustrieren.

In den letzten 20 Jahren sei die Apothekenzahl um 20 Prozent gesunken. Mit einer Apothekendichte von aktuell 20,8 Apotheken pro 100.000 Einwohnern liege man deutlich unter der durchschnittlichen Apothekendichte der EU von 31. Die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Apothekenreform würden die Lage weiter verschlimmern und gefährdeten die Gesundheitsversorgung. 

Wichtige Bestandteile des Leistungsangebots in Apotheken seien in Gefahr. Overwiening verwies darauf, dass allein im vergangenen Jahr knapp 11 Millionen individuelle Rezepturen in Apotheken hergestellt wurden, 420.000 Nacht- und Notdienste wurden geleistet. Jede Nacht stünden 1.200 Apotheken für die Notfallversorgung zur Verfügung. Diese Angebote, ebenso wie die Abgabe von Betäubungsmitteln, seien durch die Pläne des BMG gefährdet, schließlich plant Lauterbachs Ministerium Apotheken ohne Apotheker*innen zu betreiben. Die „Kernkompetenzen“ der Apotheken würden damit wegfallen, so die ABDA-Präsidentin.

Kritik an GKV

Einen kritischen Seitenblick warf Overwiening auf die Krankenkassen. Der GKV-Spitzenverband sei der eigentliche Ideengeber für Lauterbachs Apothekenreformpläne gewesen. Bereits 2014 habe dieser die Idee von PTA-geleiteten Apotheken mit Teleassistenz entworfen. Lauterbach mache sich zum Erfüllungsgehilfen des GKV. Die ABDA-Präsidentin erinnerte daran, dass gerade einmal 1,9 Prozent der GKV-Ausgaben für die Apotheken ausgegeben werden. Die Verwaltungs- und Werbekosten der Kassen lägen mehr als doppelt so hoch. Overwiening forderte eine gesetzliche Beschränkung dieser Kosten. 

Gematik-App für CardLink geopfert

Weiterhin kritisch zeigte sie sich gegenüber der durch das BMG forcierten Einführung des CardLink-Verfahrens. Gegen den Willen der Apotheken- und Krankenkassenvertretungen hatte das BMG die Einführung mit seiner 51 Prozent-Mehrheit in der Gematik durchgedrückt. Dabei stehe mit der Gematik-App ein voll funktionsfähiger Einlöseweg für das E-Rezept zur Verfügung, betonte Overwiening. Dieser werde nun für CardLink „geopfert“, Profiteure seien einzig die Versender. Sinnvoller wäre eine Integration von CardLink in die Gematik-App gewesen, diese Chance wurde jedoch vertan. Die Gematik-App sei dadurch für die Nutzer*innen unattraktiv.

Rückendeckung von Adexa

Auch Sigrid Joachimsthaler von der Apothekengewerkschaft Adexa stärkte der ABDA-Führung den Rücken. Sie wies auf die besorgniserregende Abwanderung vieler Apothekenangestellter hin. Bei den Gehältern hinke man seit Jahren hinter anderen Branchen hinterher. Die Abwanderung qualifizierten Personals in andere Berufe sei die Folge. Auch sie äußerte sich kritisch zu Lauterbachs Plänen zur PTA-geleiteten Apotheke. „Die PTA sind nach ihrer jetzigen Ausbildung weder in der Lage noch willens, eine Arzneimittelabgabestelle zu leiten.“ Ohnehin sei PTA schon jetzt ein Mangelberuf. Ohne eine deutliche Anhebung der Gehälter wäre eine Trendwende nicht möglich. 

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Aktuell fordert Adexa 10,5 Prozent mehr Gehalt für Apothekenangestellte. Man habe Lauterbach einen Vorschlag unterbreitet, der vorsieht, durch die Erhöhung des packungsbezogenen Festhonorars um 80 Cent eine Finanzierungsgrundlage zu schaffen, um die angestrebte Gehaltserhöhung für die Apothekerbetreiber bezahlbar zu gestalten. Diesem Vorschlag liegen die Berechnungen des DAZ-Redakteurs und Wirtschaftsexperten Thomas Müller-Bohn zugrunde.

Patient*innen wollen Vollapotheken erhalten

Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse einer seit April laufenden Umfrage zur Bedeutung der Apotheke vor Ort für die Patient*innen. Von den knapp 41.000 Befragten sprachen sich 98 Prozent dafür aus, den Apothekenteams mehr Entscheidungsfreiheit zukommen zu lassen. 93 Prozent sehen sowohl die individuelle Rezepturherstellung als auch den Nacht- und Notdienst als unverzichtbare Leistungsangebote. 94 Prozent wollen nicht auf ihre Vor-Ort-Apotheke verzichten, ebenso viele Befragte sprechen sich für eine Erhöhung der Apothekenvergütung aus.

Nichts Neues aus dem BMG

Natürlich wurde die ABDA-Präsidentin auch zu ihrem Treffen im BMG am Montag befragt. Hier konnte nicht viel Neues vermeldet werden. Der Referentenentwurf befinde sich weiterhin in der Ressortabstimmung, diese gestalte sich kompliziert. Auch Lauterbach betrachte die Lage der Apotheken als besorgniserregend, jedoch seien sich ABDA und BMG immer noch uneins bezüglich der zu treffenden Gegenmaßnahmen.


Michael Zantke, Redakteur, DAZ
redaktion@daz.online


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