Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

12.02.2023, 07:30 Uhr

Was meint eigentlich die Politik: Wie viele Apotheken sind denn für Deutschland genug? (Foto: Alex Schelbert)

Was meint eigentlich die Politik: Wie viele Apotheken sind denn für Deutschland genug? (Foto: Alex Schelbert)


Unmut und Frust über die Erhöhung des Kassenabschlags wachsen. Der Verband „Freie Apothekerschaft“: „Die Apotheken werden ausgenutzt nach Strich und Faden!“ Überall gibt’s Tariferhöhungen, das Apothekenhonorar ist unverändert seit über zehn Jahren! Werden Apotheken  wegespart? Ein Blick nach Thüringen zeigt: Auch dort ist die Apothekenzahl im Sinkflug. Und es fehlen Ausbildungsplätze für Pharmaziestudierende an den Unis – warum handelt die Politik nicht? Wo bleibt unsere Zukunftsdiskussion? Welche Positionierung wird die Apotheke haben: Logistikzentrum mit Lieferdiensten oder  Dienstleistungszentrum mit sprechender Pharmazie oder etwas irgendwo dazwischen?

6. Februar 2023

Pragmatisch und tatkräftig – mit diesen Attributen macht sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek einen Namen. So will er auch weiterhin pragmatisch mit Lieferengpässen bei Kinderarzneimitteln umgehen. Und seine vor Weihnachten gebildete „Taskforce Arzneimittelversorgung“ hat ihrem Namen alle Ehre gemacht: Der Krisenstab, dem Personen der Ärzte- und Apothekerschaft, aus Pharma-Unternehmen, Großhandel und Krankenkassen angehören, verständigte sich auf Sofortmaßnahmen, die die Engpass-Situation „punktuell etwas entspannen konnten“, wie Holetschek anmerkte. So können in Bayern zum Beispiel Arztpraxen auch bestimmte Wirkstoffe verschreiben und nicht nur konkrete Arzneimittel, um den Apotheken die Auswahl zu erleichtern. Und Krankenhausapotheken sollten Arzneimittel unbürokratisch an öffentliche Apotheken abgeben können. Die Krankenkassen zahlen auch ohne neues Rezept die Mehrkosten, wenn bei Lieferengpässen Fiebersäfte als Rezeptur abgegeben werden. Mein liebes Tagebuch, da sieht man mal, was alles möglich ist, wenn ein Minister mit Augenmaß und tatkräftig etwas anpackt. Holetschek hat übrigens auch dafür plädiert, dass Apotheken Fiebersäfte auf Vorrat herstellen dürfen ohne vorliegenden Nachweis häufiger ärztlicher Verschreibungen – dafür müsste allerdings erst noch das Arzneimittelgesetz geändert werden.

 

Was man im Zusammenhang nicht häufig und laut genug herausstellen kann: Sehr viele Apotheken helfen genauso pragmatisch und tatkräftig mit, um Lieferengpässe zu managen und für Ersatz zu sorgen, wenn Arzneimittel fehlen. So hat zum Beispiel laut einer Apokix-Umfrage des Instituts für Handelsforschung Köln etwa jede vierte Apotheke selbst fiebersenkende Arzneimittel hergestellt. Wenn sich Apotheken nicht an der Eigenherstellung von Fiebersäften beteiligten, lag es bei 60 Prozent der Apotheken daran, dass Zeit und Personal knapp waren. 44 Prozent war der finanzielle Aufwand (Arbeitszeit und Ausgangsmaterialien) zu hoch und 41 Prozent fehlte das Vertrauen in die Kostendeckung durch die Krankenkassen. Mein liebes Tagebuch, das Ergebnis zeigt aber wiederum, dass endlich mehr gegen die Personalknappheit und gegen zu niedrige Apothekenhonorare getan werden muss.

 

7. Februar 2023

Bei allen Lieferengpässen, Honorardefiziten, Bürokratiemonstern und anderen Alltagsproblemen der Apothekenpraxis gibt es auch den Blick nach vorne, in die Zukunft von Apothekerinnen und Apothekern. Und hier steht ganz oben auf der Agenda die Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker und Apothekerinnen (AAppO), die im vergangenen Jahr von der Bundesapothekerkammer zusammen mit anderen Verbänden und Organisationen tatkräftig angepackt wurde und im Bundesgesundheitsministerium auf die weitere Bearbeitung wartet. Nun setzen sich die Pharmaziestudierenden für die Aufnahme eines Nationalen Kompetenzorientierten Lernzielkatalogs Pharmazie (NKLP) in die AAppO ein. Was das ist? Das erklärt der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD). Es geht darum, den Studierenden eine einheitliche Kompetenzorientierung zu vermitteln, unabhängig davon, an welcher Universität sie studieren. Die Schwerpunkte einer Uni sollten also in der Vermittlung der Kompetenzen außen vor bleiben. Mit dem NKLP sollen Kompetenzen definiert werden, die Pharmaziestudierende an jeder Universität erlernen sollen, um adäquat auf den Beruf der Apothekerin, des Apothekers vorbereitet zu sein. Diese Kompetenzen sollen in einem Katalog, eben dem NKLP niedergeschrieben werden, der einer einheitlichen Ausrichtung der universitären Lehre dienen soll und der verbindlich in die AAppO aufgenommen wird. Der Inhalt des NKLP soll sich an der Berufspraxis orientieren. Solche Kataloge gibt es übrigens schon im Studium der Humanmedizin (NKLM) oder der Zahnmedizin (NKLZ). Mein liebes Tagebuch, es klingt vernünftig, solche Kataloge zu definieren, zumal sie auch angesichts eines rasanten Wissenszuwachses immer rasch umgearbeitet werden können, ohne gleich eine weitere Novellierung der Approbationsordnung angehen zu müssen. Der BPhD kritisiert, dass es die Bundesapothekerkammer versäumt habe, einen NKLP in das Positionspapier aufzunehmen. Allerdings, mein liebes Tagebuch, stellt sich dann auch die Frage, warum der BPhD damals, als das BAK-Positionspapier erarbeitet wurde, sich nicht vehementer zu Wort gemeldet hat, um den NKLP im Papier zu verankern.

 

8. Februar 2023

Sie bringt es auf den Punkt: Apothekerin Daniela Hänel, erste Vorsitzende des Vereins „Freie Apothekerschaft“, hält den Bundestagsabgeordneten vor, mitverantwortlich zu sein, wenn in ihren Wahlkreisen Apotheken schließen müssen. Nicht zuletzt wegen der seit 1. Februar geltenden aktuellen Erhöhung des Kassenabschlags um 23 Cent auf nunmehr 2 Euro, die an die Kassen abgegeben werden müssen. 2 Euro, die fast ein Viertel des Apothekenhonorars von 8,35 Euro sind! Und für die Apotheken gibt es keinen Inflationsausgleich! Händel erinnert auch daran, das  die Apotheken vielmehr zahlreiche Aufgaben unentgeltlich übernehmen mussten. Die Freie Apothekerschaft hat diese Aufgabe bereits im vergangenen Herbst aufgelistet. Hänels Fazit: „Die Apotheken werden ausgenutzt nach Strich und Faden!“ Mein liebes Tagebuch, man kann ihr nur zustimmen und wünschen, dass solche Schlagzeilen viel öfters und stärker in die Öffentlichkeit gelangen. Und dort auch ankommt, dass es nahezu in allen Bereichen Tarif- und Diätenerhöhungen gibt (z. B. fordert ver.di 10,5 Prozent Einkommenserhöhungen), aber nicht beim Apothekenhonorar, das seit 2013 unverändert geblieben ist. Mein liebes Tagebuch, auf den Punkt gebracht heißt dies: Apotheken werden weggespart. Und unter dem Slogan „Weggespart“ wollen sich Hänel und ihr Verband vor den nächsten Landtagswahlen und vor der nächsten Bundestagswahl öffentlichkeitswirksam zu Wort zu melden.
 

Hänels Aktionen und ihr Engagement kommen an der Basis sichtlich gut an. Kein Wunder, wenn sie sich derzeit über einen großen Zulauf freuen kann. Die Freie Apothekerschaft ist mit derzeit knapp über 300 Mitgliedern noch ein relativ kleiner Verband. Allerdings geht in den letzten zwei Monaten durchschnittlich eine Neuanmeldung pro Tag ein, freut sich Hänel. Man merke den Frust in der Apothekerschaft, Frust über Nachwuchsmangel, wirtschaftliche Unsicherheit, überbordende Bürokratie und vieles mehr. Aber auch über die ABDA-Politik äußerten sich viele Apothekerinnen und Apotheker frustriert, zu Recht oder zu Unrecht sei mal dahingestellt. Apothekerin Hänel, Inhaberin der Linda Apotheke in der Nordvorstadt in Zwickau, versucht, weiterhin ihr Bestes zu geben, wie sie sagt, und freut sich über weitere Kolleginnen und Kollegen, die sie in der Verbandsarbeit unterstützen, eine Aufgabe, die sie ohne Honorierung neben ihrer Apotheke stemmt. Obwohl die Freie Apothekerschaft bisweilen auch Kritik an der ABDA übt, sucht Hänel den Kontakt zur Standesvertretung und tauscht sich beispielsweise regelmäßig mit der ABDA-Präsidentin aus. Die ABDA allerdings sieht Verbände wie die Freie Apothekerschaft kritisch. Das Berliner Apothekerhaus wünscht sich da eher eine geschlossene und starke Kollegenschaft, „um Dinge gemeinschaftlich voranzubringen“, so ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Mein liebes Tagebuch, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, bringt einen meistens weiter – und vielleicht sollte sich eine ABDA auch mal mit den Meinungen und Positionen von Kolleginnen und Kollegen der Freien Apothekerschaft beschäftigen, um Sorgen, Ängste und Nöte der Basis besser zu verstehen. Schaden kann ein intensiverer Austausch nicht. Im Gegenteil.

 

9. Februar 2023

Seit Mitte des vergangenen Jahres können Apotheken ihren Patientinnen und Patienten insgesamt fünf pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) anbieten, die von den Krankenkassen honoriert werden. Rund 2500 Apotheken haben dies im vergangenen Quartal bereits getan und dafür ihr Honorar erhalten. Nun ja, da ist noch Luft nach oben. Apothekers, die den Dienstleistungen skeptisch gegenüber stehen, kritisieren, dass vielen Apotheken Personal und Zeit fehlen, um die pDL anzubieten, und, ja, so richtig betriebswirtschaftlich durchgerechnet, sind diese Dienstleistungen nicht wirklich gewinnbringend. Mag sein, mein liebes Tagebuch, aber diese pDL kann man auch mit einer anderen Brille betrachten als nur mit den scharfen betriebswirtschaftlichen Gläsern. Setzen wir die Apotheken-Image- und Zukunftsbrille auf, dann sehen die pDL schon gleich ganz anders aus. Die pDL sind der Start in eine neue Ausrichtung der Apotheke, des Berufs der Apothekerin und des Apothekers. Für diese neue Apothekenpositionierung spielen z. B. auch die Prävention (Vorsorgeberatungen, Impfungen) eine größere Rolle, mehr Check-ups, Entlastungen von Arztpraxen und vor allem die beratende und sprechende Pharmazie (in Zukunft auch telepharmazeutisch). Die neue Positionierung geht weg von der Logistik-Pharmazie, bei der meist die Waren-Beschaffung im Mittelpunkt steht. Mein liebes Tagebuch, ich weiß, Kritiker sagen sofort: Aber irgendwo muss das Geld doch herkommen für all diese schönen Dienstleistungen, woher wenn nicht aus dem Verkauf und der Abgabe von Arzneimitteln. Schon richtig. Mit den aktuell festgesetzten Honoraren für Dienstleistungen lassen sie sich nicht finanzieren. Sagen wir mal so: Was derzeit mit den pharmazeutischen Dienstleistungen läuft, ist erst mal eine Investition in die Zukunft, der Start, der Aufbruch. Denn die Apotheke als reines Logistikzentrum für die Arzneimittelabgabe trägt nicht wirklich in die Zukunft, Roboter, Kommissionierer und KI werden dies bald noch besser übernehmen. Die Logistik wird dann, unterstützt von Technik und KI, nebenbei laufen – die eigentliche Arbeit der Apotheke wird in Zukunft eher in Dienstleistungen und, wie gesagt, in der sprechenden und betreuenden Pharmazie liegen, von Mensch zu Mensch.

Vor diesem Hintergrund ist es richtig, schon heute in die pDL einzusteigen, sofern es der Apotheke personell und zeitlich möglich ist. Übrigens, um den Topf der Honorargelder auszuschöpfen, ist in diesem Jahr noch Platz für viele Apotheken, die hier einsteigen wollen. Denken Sie mal darüber nach! Es ist alles freiwillig, wer nicht möchte, muss nicht.

Mein liebes Tagebuch, wenn die Apotheken mit ihrem Engagement auf diesem Gebiet zeigen, dass sie es können, dass Patientinnen und Patienten davon profitieren, wird sich die Politik, werden sich der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband über weitere Dienstleistungen Gedanken machen müssen. Die Betreuung von Diabetespatienten ist z. B. so ein Feld, das nach einer pDL ruft. Die aktuell ausgewerteten Glicemia-Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel die präventive Betreuung von Personen mit hohem Risiko für Diabetes Typ 2 in öffentlichen Apotheken dieses Risiko senken kann, auch in der Sekundär- und Tertiär-Prävention. Zeigen wir, welchen Wert diese Dienstleistungen haben! Das gehört mit Sicherheit in Zukunft zu unserem Job!

 

10. Februar 2023

Lieferengpässe liegen immer noch wie ein enges Korsett über unserem Land. Der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat zwar vollmundig angekündigt, ein Lieferengpass-Gesetz auf den Weg zu bringen. Ende Januar hätte eigentlich der Referentenentwurf vorliegen sollen, aber mehr als ein paar Eckpunkte zu diesem Gesetz gibt es noch nicht. Scheint wohl schwieriger zu sein als gedacht. Derweil blitzen immer wieder neue Vorschläge auf, wie man der Mangellage Herr werden könnte. Der Thüringer CDU-Politiker Mario Voigt regt nun an, ein für alle Apotheken zugängliches System zu schaffen, das die im Land bestehenden Vorräte bestimmter Medikamente und Wirkstoffe transparent macht und anzeigt. Nicht nur Apotheken, sondern auch Großhändler und Hersteller sollten ihre Bestände hier einpflegen. Mein liebes Tagebuch, eine überregionale Datenbank, die anzeigt, wo es derzeit noch das Arzneimittel XY gibt, ist nun erstmal eine nette Idee – allein die Realisierung würde viel Zeit und Geld kosten. Und ob das Problem letztlich dadurch gelöst oder besser wird? Das dürfte auch dem CDU-Politiker Voigt klar sein, und so fordert auch er, wichtige Medizinprodukte und Arzneimittel wieder in Europa zu produzieren und den Pharmagroßhandel Notfallreserven anlegen zu lassen. Mein liebes Tagebuch, aber auch das würde dauern, sofern die Industrie darin überhaupt Vorteile sieht: Die Produktionskosten in Fernost und Asien sind einfach unschlagbar niedrig.

 

Bundesweit nimmt die Zahl der Apotheken ab, auch in Thüringen. Zum Jahresende gab es laut Mitteilung der Apothekerkammer Thüringen nur noch 507 Apotheken im Freistaat, zehn weniger als im Jahr zuvor, der niedrigste Wert seit 1991. Seit zwölf Jahren ist in Thüringen die Zahl der Apotheken im Sinkflug. Hinzukommt: Es fehlen an allen Ecken und Enden Apothekerinnen und Apotheker. Am Zulauf zum Pharmaziestudium liegt es nicht, wie der Geschäftsführer der Thüringer Apothekerkammer, Danny Neidel, sagt, es fehlen vielmehr Studienplätze. Am Thüringer Studienstandort Jena gibt es weit mehr Bewerberinnen und Bewerber als Studienplätze. Mein liebes Tagebuch, warum handelt hier die Politik nicht? Wird der Wert der Apothekerinnen und Apotheker nicht erkannt?   


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte woche

Mein liebes Tagebuch

7 Kommentare

Wieso 100 Krankenkassen?? Tolles Einsparpotential durch Schließung !!!

von Susanne Rück, 35112 Fronhausen am 12.02.2023 um 15:00 Uhr

Wieso existieren ca. 100 Krankenkassen in Drutschland?? Alle belasten unsere Gesundheitswirtschaft mit hohen Kosten: von den Raummieten bis hin zu den ausuferndemn Verwaltungskosten, insbesondere die riesigen Gehälter in den "Führungs"-Etagen - wo denen wir Apothekers idR. Nur träumen dürfen. Krankenkassen sind KdöR, also muß die Regierung doch da Zugriff haben, den öffentlichen Auftrag verweigern, wenn z.B. die oft existenzgefährdende Nullretax zur Schließung führen kann. Oder hat Un-Gesundheits-Minister Lauterbach die Idee, uns Apotheken durch "Gesundheits-Kioske" ersetzen zu können?? Welch ein Hohn!! Welch eine Missachtung des Verbraucherwohls!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wieso 100 Krankenkassen?? Tolles

von Dr.Diefenbach am 12.02.2023 um 16:49 Uhr

Eben,WOZU 1oo?? 50 reichen,aber halt auch 5 Apothekerverbände statt 17.Und zur Frage des Kollegen bzgl. der Vergütungen.Meist zumindest ein Approbiertengehalt.Weil man ja meist auf Politiktournee ist....Das Tagegeld kommt dann uU dazu...

?

von Dr. Rdman am 12.02.2023 um 13:53 Uhr

Sehr geehrte Herr Ditzel,
Es wäre super, wenn DAZ die Gehälter (Aufwandsentschädigungen für nichtstun) von ABDA/DAV Vorstände hier veröffentlicht. Damit jeder sehen kann, wo seine Beiträge geblieben sind.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Zukunft der öffentlichen Apotheke

von Friedrich Böckle am 12.02.2023 um 11:54 Uhr

Peter Ditzel fragt in seinem Kommentar nach dem Weg der Apotheke. Mit Einführung des E-Rezepts lautet die Antwort:
Logistikzentrum mit Lieferdienst.
Weshalb sollte die nächste Generation der Apothekenkunden, die dann ihr smartphone beherrscht, noch eine Offizin aufsuchen ? Bestellung vom Sofa und
Lieferung dorthin. Das E-Rezept wird der Totengräber der
Offizin. Die sprechende Pharmazie = Beratungspflicht gibt
es auf dem Papier. Sinnvolle Zusatzverkäufe und auch spontane Freiwahlkäufe wandern in werbeaktive große
Versandapotheken. Wenn bereits heute einer der großen
EDV-Dienstleister mit dem Slogan "Die Zukunft der Apotheke findet an der Haustür statt" für sein Botendienst-
programm wirbt, wird meine Meinung bestätigt.
Der Hinweis der Feien Apothekerschaft in seinen Briefen an die Abgeordneten, daß in der GKV an vielen Stellen enorm
gespart werden könnte, trifft voll auf die Kosten im Zusammenhang mit Einführung des E-Rezepts zu.
Wer bezahlt die Gematik mit hochbezahlten Fachleuten
incl. Soft- und hardware (DAV ist dort beteiligt ?). Mein EDV-
Dienstleister hat die monatlichen Kosten pro Arbeitsplatz
erhöht mit Begründung der Leistungen im Bereich E-Rezept. Es liegen Angebote von Versicherungen vor für
die digitale Übertragung der Rezeptabrechnung an die Abrechnungsstellen. Das Risiko tragen ja die Apotheken.
Seit Monaten beschäftigen sich Fachleute mit der
Umsetzung einer datensicheren Übertragung des E-Rezepts ( z.B. per Gesundheitskarte ). Wer bezahlt dies ?
Wer bezahlt die zukünftig steigenden Kosten für den
Botendienst bei E-rezept eingang und Lieferwunsch ?
Personalkosten für ordnungsgemäße Verpackung + Verpackungsmaterial. Personal- und Fahrzeugkosten für
die Belieferung ?
Es soll außer mir noch Apotheken geben, die keinen
Roboter haben, der die Medikamente auf den Verpackungsplatz legt. Wenn E-Rezepte mit mehreren
Positionen auf dem Bildschirm erscheinen, schafft es mein
Kleinhirn nicht mehr, diese abzuspeichern und an meine
Schubladen zu laufen. Folglich werden diese Rezepte
ausgedruckt, damit der Weg zur Schublade wie bisher
erfolgen kann. Also weitere Papier- und Druckerkosten.
Bei der Anmeldung meiner Apotheke erhielt ich den Zusatz
e.K. hinter meinem Namen. Ist dieser tolle Titel bei den
E-Rezept-Enthusiasten nicht mehr vorhanden ?

Persönlich bin ich absolut kein Gegner sinnvoller digitaler
Entwickungen ! Am E-Rezept verdienen jedoch nur die
EDV- Branche und wahrscheinlich die großen Versandapotheken. Die angeblichen Vorteile für die "herkömmliche" Apotheke kann ich nicht erkennen.
Deshalb mein Wunsch im Sinne einer zukunftsträchtigen
Apothekenwelt: Stoppt den E-Rezept-Unsinn !

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Zukunft der öffentlichen Apotheke

von Franz Fischer am 12.02.2023 um 13:36 Uhr

Diese Ausführungen finde ich sehr wichtig. Das eRezept bringt für uns nur mehr Unsicherheit, Risiken, weniger Umsatz und Gewinn, dazu erheblich mehr Kosten und Bürokratie.
Auch der Vorwurf, dass das Verfahren viel zu umständlich und absichtlich kompliziert ist, damit vor allem der Versand profitiert, ist nicht vom Tisch. Dass es sich im Grund um korrupte Strukturen handelt.
Es ist tatsächlich nicht zu verstehen, warum ein preiswertes und gut funktionierendes System für ein paar Heuschrecken kaputt gemacht wird. Außer halt, man akzeptiert, dass dabei ein paar Leute kräftig absahnen.
Zum Schaden des Volkes. Schade, dass Verantwortliche nie zur Rechenschaft gezogen werden.

Erhöhung der Qualität durch Entzug der Finanzierung ?

von Martin Didunyk am 12.02.2023 um 9:13 Uhr

Das hervorragend und flächendeckend funktionierende System der Arzneimittel Versorgung in Deutschland wird von der Politik wertgeschätzt, indem zunehmend Mittel zu dessen Aufrechterhaltung entzogen werden.

Und das obwohl wir im europäischen Vergleich sehr effektiv und kostenschonend funktionieren.

Diese Strategie muss man sich auf der Zunge zergehen lassen insbesondere anbetracht der Demographie und vielen operativen Problemen der Gegenwart und Zukunft wie Verfügbarkeiten , Flächenversorgung etc.

Weiß die Regierung überhaupt welche Gesundheitsversorgung sie möchte ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Medikamenten-Versender sind k e i n e Apotheken!!!

von Susanne Rück, 35112 Fronhausen am 12.02.2023 um 14:45 Uhr

Ich gebe meinn Vorrednern in allen Punkten Recht. Hier dazu ein weiterer Aspekt: zur Banalisierung des Medikaments schlechthin gehört auch, daß seit je her die Arzneimittel-Versender sich ungestraft APOTHEKE nennen dürfen. Mit dem Begriff APOTHEKE verbindet der Verbraucher idR. höchst angenehme Attribute: das Wohl des Patienten ist mehr Wert als der Profit, den wir mit dem Verkauf eines Medikaments machen (dürfen), volles Vertrauen in die Integrität unserer Beratung, individueller Ratschlag unter direktem Einbezug der individuellen Vorerkrankungen, DER KUNDE IST BEI UNS KÖNIG, DA PATIENT. Die Arzneimittel-Versender sind das völlige Gegenteil: Gier frißt Ethos. Die bewußten und unbewußten positiven Gefühle werden un-reflektiert auf die Versand-"Apotheken" übertragen. Das gelingt so easy, weil keinerlei klare Aufklärung über diese Verbrauchertäuschung diesen Automatismus stört. Ich würde mich freuen auch von der DAZ zu erfahren, warum der Begriff APOTHEKE nicht geschützt iist. Bei den Heilpraktikern ging das doch auch ...

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.