Seit 1. September 2021

Misoprostol in Angusta: Orales Arzneimittel zur Geburtseinleitung endlich auf dem deutschen Markt

Stuttgart - 02.09.2021, 13:45 Uhr

Mit der Markteinführung von Angusta gibt es nun endlich Rechtssicherheit für die Ärzteschaft in der Geburtseinleitung. (s / Foto: chinnarach / AdobeStock, Norgine, Montage: DAZ.online)

Mit der Markteinführung von Angusta gibt es nun endlich Rechtssicherheit für die Ärzteschaft in der Geburtseinleitung. (s / Foto: chinnarach / AdobeStock, Norgine, Montage: DAZ.online)


Sie war von diversen Seiten sehnsüchtig erwartet worden: die Markteinführung des Misoprostol-Präparats Angusta – die „einzig zugelassene orale Option zur Geburtseinleitung“, wie die Firma Norgine selbst auf der Launch-Pressekonferenz verkündete. Seit 1. September ist es nun so weit.

Mit der Markteinführung von Angusta® gibt es nun endlich Rechtssicherheit für die Ärzteschaft in der Geburtseinleitung. Das war eine der Botschaften bei der Launch-Pressekonferenz der Firma Norgine am 4. August 2021. Bei dem 25-µg-Misoprostol-Präparat handle es sich um die „einzig zugelassene orale Option zur Geburtseinleitung“. Wird damit nun alles besser?

Die Hebamme Stephanie Poppke, die für die Hochschulausbildung der Hebammen am Universitätsklinikum Leipzig zuständig ist, betonte in ihrem Vortrag, dass die Entscheidung für oder gegen eine Geburtseinleitung immer ein Spannungsfeld mit sich bringe: Sie begrüßte die Zulassung und die neuen Leitlinien zur Geburtseinleitung, die Entscheidung zur Geburtseinleitung selbst bleibe aber eine sehr individuelle. Professor Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin in Leipzig, ging vor allem darauf ein, vor welche Probleme der Off-Label-Use generell – aber auch die mediale „Kampagne“ gegen den Wirkstoff Misoprostol – die Geburtsmedizin gestellt hatte. Er hofft, dass sich durch die Markteinführung von Angusta® die komplexen Diskussionen rund um das Thema nun vereinfachen und beruhigen werden. 

Da Angusta® in Österreich bereits seit März 2021 verfügbar ist, berichtete Dr. Patrick Stelzl, leitender Oberarzt für Geburtshilfe am Universitätsklinikum Linz, zudem bereits von Erfahrungen mit dem neuen Produkt. Er erklärte zum Hintergrund, dass Misoprostol eigentlich schon seit Jahrzehnten im Einsatz sei – es also ein Wunder sei, warum es mit der Zulassung überhaupt so lange gedauert habe. Die Medien hätten die geburtshilfliche Szene mit dem „Fall Cytotec®“ vor der Zulassung von Angusta® ganz schön aufgerüttelt – Misoprostol habe dadurch 17 Prozent seiner Anwender:innen verloren. Und wer es weiterhin anwendete, habe mehr Aufklärungsarbeit leisten müssen, was aber auch ein Zeichen für eine bis dahin unzureichende Aufklärung sein könnte, so Stelzl. 

Er meinte außerdem, dass die Berichterstattung in den Medien zumindest eine gewisse Berechtigung hatte – immerhin hat sie zur raschen Veränderung von Missständen geführt –, allerdings sei dadurch ein Kollateralschaden entstanden. Man hoffe nun, dass Misoprostol in Cytotec® – trotz der Zulassung von Angusta® – durch diesen Kollateralschaden nicht gänzlich aus Deutschland verschwindet und man mit einem entsprechenden öffentlichen Brief bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bezüglich der Indikationen neben der Geburtseinleitung Gehör finden wird.

Komplett abgeschlossen ist der Fall Misoprostol mit der Zulassung von Angusta® also noch nicht. Stelzl deutete beispielsweise auch an, dass noch zu untersuchen ist, inwiefern sich der BMI (Body-Mass-Index) auf die Dosierung von Misprostol in der Geburtseinleitung  auswirkt. Es seien mehrere Studien mit Misoprostol geplant.

Die DAZ hat den medialen „Fall Misoprostol in Cytotec®“ für Sie in der Printausgabe 35/2021 rückblickend nochmals aufbereitet. Mithilfe pharmazeutischer Expertise wagen wir zudem im Interview(-Podcast) mit Apothekerin Dr. Nhomsai Hagen hier einen Blick über den Tellerrand (nach Malawi). Zum besseren Verständnis ist davor aber die Lektüre der Print-DAZ zu empfehlen. Und wer sich den Podcast nicht anhören mag, kann das Interview auf das Wichtigste reduziert auch in der Print-DAZ nachlesen.  


Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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