Friedemann Schmidt tritt ab

„Ich möchte den Rest meines Berufslebens in der Apotheke verbringen“

Berlin - 12.12.2019, 07:00 Uhr

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt (hier auf dem DAT 2018) möchte sich in den kommenden Jahren wieder vermehrt der Arbeit in der Apotheke widmen. (Foto: Schelbert)

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt (hier auf dem DAT 2018) möchte sich in den kommenden Jahren wieder vermehrt der Arbeit in der Apotheke widmen. (Foto: Schelbert)


Viele Apotheker dürfte diese Nachricht am gestrigen Mittwoch überrascht haben: Friedemann Schmidt kandidiert nicht erneut als ABDA-Präsident. Im Dezember 2020 wird also ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gewählt. Nach der ABDA-Mitgliederversammlung erklärte Schmidt am gestrigen Mittwochabend, dass es sich dabei um eine rein persönliche Entscheidung handle. Er wolle sich in seinem restlichen Berufsleben wieder ausschließlich der Pharmazie widmen.

Im Dezember 2020 endet die Amtszeit der geschäftsführenden Vorstände der ABDA, der Bundesapothekerkammer und des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) – und somit auch die Amtszeit des ABDA-Präsidenten. Ein Jahr vor der Wahl für die kommende Wahlperiode hat Friedemann Schmidt in der ABDA-Mitgliederversammlung am gestrigen Mittwoch bekannt gegeben, dass er nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung steht. So ganz überraschend kommt das nicht – schließlich hatte Schmidt erst im Juni dieses Jahres angekündigt, dass er auch für eine weitere Amtszeit als Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer nach 2023 nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

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Trotzdem gibt es viele offene Fragen. Schmidt hat viele Projekte begonnen, die Ende des kommenden Jahres eher nicht beendet sein dürften. Eines seiner Herzensanliegen sind ohne Frage die pharmazeutischen Dienstleistungen: Schon vor seinem Amtsantritt im Jahr 2012 hatte er angekündigt, dass er die pharmazeutischen Kompetenzen der Apotheker stärker in die Versorgung einbinden möchte. Mit Blick auf die aktuelle Apothekenpolitik dürfte dieses Großprojekt Ende des kommenden Jahres mitnichten abgeschlossen sein. Warum zieht sich der 55-jährige Apotheker aus Leipzig also zurück?

Einen kleinen Einblick in seine Entscheidungsfindung gewährte Schmidt am gestrigen Mittwochabend auf einer Pressekonferenz in Berlin. „Das ist eine persönliche Entscheidung, die ich schon Anfang dieses Jahres für mich selbst getroffen und meinen engsten Vertrauten mitgeteilt habe. Ich bin jetzt 55 Jahre alt, seit 16 Jahren Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes, seit 15 Jahren Mitglied des Präsidiums. Für mich als Ehrenamtlicher stand immer fest, dass ich Ämter nur auf Zeit inne haben kann.“ Er habe vor einiger Zeit vor der Frage gestanden: „Werde ich mich einfach immer weiter bewerben oder ziehe ich mich in meine eigentliche Profession, die des Apothekers, zurück?“

Schmidt: Die Kritik hat mich nicht kalt gelassen

Diese Frage hat Schmidt klar für sich beantwortet. Er kündigte an, dass er den Rest seines Berufslebens ausschließlich in der Apotheke arbeiten will. „Ich habe noch mindestens 15 Jahre Berufstätigkeit vor mir. Schon jetzt merke ich, dass ich mich jeden Tag einen Stück weiter von der Apothekenpraxis entferne, wenn ich in Berlin arbeite. Ich möchte mein Berufsleben in der Apotheke beenden.“

Au Nachfrage von DAZ.online schloss der ABDA-Präsident aus, dass seine Entscheidung politisch motiviert sei oder dass die interne Kritik ihn beeinflusst habe. Zur Erinnerung: Gerade in diesem Jahr musste sich Schmidt mit Blick auf die von der Bundesregierung geplante Apothekenreform heftige Vorwürfe gefallen lassen. Insbesondere einige Apothekerkammern attackierten ihn dafür, dass er das Rx-Versandverbot zu früh aufgegeben habe. Nordrheins Ex-Kammerpräsident Lutz Engelen und die Landesapothekerkammer Brandenburg forderten öffentlich seinen Rücktritt. Schmidt stellte dazu klar: „Natürlich hat mich das nicht kalt gelassen. Einen Einfluss auf meine Entscheidung hatte das aber nicht – denn ich war mir schon vor der Kritikwelle darüber im Klaren.“

Auch inhaltlich-politisch sei er „keineswegs frustriert“, sagte Schmidt. Denn: „Unsere Richtung, in der wir in der derzeitigen politischen Situation unterwegs sind, halte ich für richtig. Wir Apotheker brauchen ein neues berufliches Selbstverständnis und auch teilweise neue Strukturen.“ In seinem letzten Jahr wolle er möglichst viele Aufgaben schon an Amtsträger übergeben, die auch in der nächsten Wahlperiode Verantwortung übernehmen wollen. Zu personellen Fragen, die sich um seinen Nachfolger bzw. seine Nachfolgerin drehen, wollte sich Schmidt nicht äußern.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Rest des Berufslebens in seiner Apotheke.

von Roland Mückschel am 13.12.2019 um 11:39 Uhr

Dann wünschen Sie sich ja einen zukünftigen
Präsidenten der seine Sache besser macht.
Sonst sind Sie nicht lange dort.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Re: Rest des Berufslebens in seiner Apotheke

von Bernd Jas am 13.12.2019 um 16:49 Uhr

Herr Mückschel,

das war der Kommentar des Monats!

Weg

von Reinhard Rodiger am 12.12.2019 um 16:00 Uhr

Der Lotse mit der falschen Richtung geht von Bord.Gut so.Leider spät.Verbrannte Erde verbleibt.Er hat die Minimierung des Berufssinns stetig befördert.Vielleicht sogar ungewollt, aber wirksam.Richtig sind neue Strukturen und ein Berufsverständnis, das nicht vom Privileg für wenige ausgeht. Wer signalisiert, die Hälfte sowieso abzuschreiben, mit dem hat die Politik leichtes Spiel.Sehr viel Vertrauen wurde verspielt. Es geht um Rückgewinnung der Handlungsfähigkeit.Unverzüglich.

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8 Jahre

von Anita Peter am 12.12.2019 um 9:02 Uhr

8 Jahre nichts erreicht, nur ein bisschen Dreck unter den Fingernägeln ist für uns übrig geblieben.
Keine entscheidende Honorarerhöhung, kein RXVV, keine PB mehr, NICHTS.

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ABDA

von Michael Zeimke am 12.12.2019 um 7:54 Uhr

Der Weihnachtsmann tut Gutes.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Schmidt

von Conny am 12.12.2019 um 7:54 Uhr

Er hätte sich schon viel früher nur um seine Klitsche kümmern sollen. Vielen Dank für Nichts !

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