Gicht

Fructose so schädlich wie Alkohol

13.03.2014, 15:43 Uhr


Obwohl der Fleisch- und Alkoholkonsum in den vergangenen Jahrzehnten nicht entsprechend zugenommen hat, ist erstaunlicherweise die Gicht auf dem Vormarsch: So hat sich ihre Prävalenz in Europa seit den 70er Jahren verdreifacht und beträgt derzeit 1 bis 2% aller Erwachsenen. Die Ursache dieses Anstiegs war lange unklar. Nun mehren sich die Hinweise darauf, dass der stark gestiegene Fructose-Konsum dafür verantwortlich sein könnte.

Nicht Obst ist die Hauptaufnahmequelle für Fructose, sondern der Fruchtzucker, der als Süßungsmittel in Softdrinks und Multivitaminsäften enthalten ist. Süßgetränke werden immer häufiger mit Fructose oder mit einem Fructose-angereicherten Maissirup gesüßt, da die Süßkraft höher und die Produktionskosten geringer als bei Tafelzucker sind. Außerdem gibt es den anhaltenden Trend, Glucose als Hauptzucker aus Haushalt und industriell gefertigten Lebensmitteln zu verbannen und durch den vermeintlich gesünderen, weil Zahn-schonenden und „natürlicheren“ Fruchtzucker zu ersetzen.

Die maßgebliche Bedeutung des Fruchtzuckers für die Pathogenese der Gicht ist noch nicht lange bekannt. Dabei ist Fructose das einzige Kohlenhydrat mit einem direkten Effekt auf die Harnsäure: Bereits wenige Minuten nach dem Konsum Fructose-haltiger Getränke steigt die Harnsäure-Konzentration in Blut und Urin an. Ursache dafür ist der physiologische Fructose-Metabolismus im Körper, der – stark vereinfacht – zur Steigerung der körpereigenen Purin-Synthese führt. Ähnlich wie Alkohol hemmt Fructose zusätzlich die renale Harnsäure-Ausscheidung. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Menschen, deren Harnsäure-Spiegel bereits erhöht ist.

Die negative Wirkung von Fructose auf die Harnsäure ist mindestens so stark wie der längst bekannte Effekt von Alkohol. Das konnte 2008 in einer großen prospektiven Beobachtungsstudie an über 46.000 Männern gezeigt werden. Bereits ein Fructose-haltiges Süßgetränk pro Tag erhöht bei gesunden Menschen das Gicht-Risiko um 45%; Daher sollten Gicht-Patienten oder Menschen mit bereits bestehender Hyperurikämie erst recht Fructose-haltige Getränke meiden.

Zwar sind auch in reifem Obst teilweise hohe Fructose-Konzentrationen enthalten, doch anders als bei der Aufnahme industriell gefertigter Fructose-haltiger Softdrinks überwiegen die Vorteile einer obstreichen Ernährung zur Prävention zahlreicher Erkrankungen die Nachteile einer erhöhten Fructose-Zufuhr in jedem Fall.

Quelle: M. Smollich, B. Blumenschein. Was darf man bei Gicht essen?; DAZ 2014; Nr. 11; S. 62 ff

Lesen Sie


DAZ.online


Das könnte Sie auch interessieren

Ernährungsmedizinische Aspekte – jenseits von Fleischverzicht und Alkoholabstinenz

Was darf man bei Gicht essen?

Fleischverzicht reicht nicht – Warum die Beratung von Gicht-Patienten komplex ist

Gichtanfälle verhindern

Ernährungsmedizinische Prävention und Begleittherapie von Gallensteinen

Damit die Galle nicht überläuft