GSAV-Stellungnahme

AOK: Apotheker werden fiktive Preise abrechnen

Berlin - 20.12.2018, 11:30 Uhr

Der AOK-Bundesverband rechnet damit, dass die Zyto-Apotheker nach der gesetzlichen Umstellung einfach fiktive Preise bei den Kassen abrechnen. (Foto: Imago)

Der AOK-Bundesverband rechnet damit, dass die Zyto-Apotheker nach der gesetzlichen Umstellung einfach fiktive Preise bei den Kassen abrechnen. (Foto: Imago)


AOK: Apotheker sollten nicht Apotheker kontrollieren

Aber die AOKen stören sich auch an Spahns Vorschlag, dass die Apotheker nur noch die Einkaufspreise erhalten und dass die Preise zwischen Kassen und Herstellern ausgehandelt werden sollen. Wörtlich erklärt der AOK-Bundesverband dazu: „Es ist davon auszugehen, dass die Apotheken in Zukunft den Krankenkassen die fiktiven Listenpreise in Rechnung stellen, entweder weil sie tatsächlich nicht mehr verhandeln oder weil es nicht möglich sein wird, herausfinden, welcher Einkaufspreis im konkreten Abrechnungsfall tatsächlich gezahlt wurde. Denn die tatsächlichen Einkaufskonditionen wären nur mit hohem Aufwand wirkstoff- und packungsbezogen nachzuvollziehen. Es ist schon jetzt abzusehen, dass die notwendigen Prüfungen seitens der Apotheken nicht auf Akzeptanz stoßen werden.“

Die im Entwurf vorgeschriebenen Zyto-Rabattverträge zwischen Kassen und Herstellern könnten aus Sicht der AOK zum Rohrkrepierer werden. Schließlich adressierten diese nur einen Teilmarkt und würden auf wenig Gegenliebe bei den Herstellern stoßen. Der AOK-Verband erinnert auch daran, dass die bisherigen Bemühungen um Selektivverträge wenig erfolgreich waren. In einigen Regionen hatte es bei den Ausschreibungen gar keine Bewerbungen der Hersteller gegeben, so der Kassenverband. Außerdem stört sich die AOK daran, dass die „gerade erst gestärkten Elemente der bestehenden Regelungen wie die Hilfstaxe und das Adressieren der Verwürfe faktisch abgeschafft“ werden. Als Lösung schlägt die AOK vor, zu den apothekenexklusiven Ausschreibungen zurückzukehren, die dann gemeinsam und einheitlich mit allen Kassen abgeschlossen werden könnten.

Kontrollen alle zwei Jahre und nicht durch Apotheker

Die AOKen stören sich aber auch an den Umstellungen am Kontrollsystem im Bereich der Zyto-Apotheken. Im GSAV-Entwurf hat das BMG vorgeschlagen, dass es häufiger zu unangemeldeten Kontrollen in Apotheken kommen soll. Im Bundesgesetz sollen diese unangemeldeten Kontrollen als verpflichtend festgeschrieben werden. Die Frequenz der Kontrollen soll aber weiterhin durch die Landesbehörden geregelt werden. Die AOK findet, dass es grundsätzlich nicht Apotheker sein sollten, die ihre Berufskollegen überprüfen. Es sei „kritisch zu hinterfragen, ob die Überwachung von Apotheken durch andere Apotheker, die nicht hauptberuflich bei der zuständigen Behörde beschäftigt sind, erfolgen sollte.“

Außerdem fordert der Verband eine höhere Prüffrequenz, „da effektive und regelmäßige Kontrollen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Versorgung leisten.“ Deswegen solle ein Mindeststandard der Prüfungshäufigkeit festgelegt werden, „dieser könnte mindestens alle zwei Jahre betragen“. Und weiter: „Ebenso wäre eine regelhafte Untersuchung von Arzneimittelproben im Rahmen der unangemeldeten Prüfung angemessen, denn nicht immer wird man vom äußeren Anschein der Herstellung auf die pharmazeutische Qualität schließen können.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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