Vorsicht bei Wirkversprechen

Cannabidiol-Produkte bald in der Apotheken-Freiwahl?

Remagen - 10.04.2018, 10:15 Uhr

Ein Schweizer Unternehmen will schon bald Cannabidiol-Tinkturen in die Apotheken-Freiwahl bringen. Aber ist das erlaubt? DAZ.online hat recherchiert. (Foto: Imago)

Ein Schweizer Unternehmen will schon bald Cannabidiol-Tinkturen in die Apotheken-Freiwahl bringen. Aber ist das erlaubt? DAZ.online hat recherchiert. (Foto: Imago)


Cannabidiol ist ein rezeptpflichtiges Arzneimittel, aber…

Im Unterschied zu THC ist Cannabidiol kein Betäubungsmittel. In Deutschland unterliegt es aber seit Oktober 2016 der Verschreibungspflicht, und zwar ohne jede Eingrenzung von Dosis oder Verabreichungsweg. Der hierfür zuständige Sachverständigenausschuss beim BfArM hatte die Unterstellung auf seiner Sitzung am 19. Januar 2016 einstimmig empfohlen

Hintergrund war ein Antrag der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Cannabidiol wird in Apotheken als Ausgangsstoff zur Zubereitung nicht zulassungspflichtiger Rezeptur- und Defekturarzneimittel verwendet. Der nicht psychoaktive Terpenphenol hat eine Reihe pharmakologischer Wirkungen. Er wird in klinischen Studien für diverse Indikationen wie Epilepsie, Angstzustände, Psychosen und entzündliche Prozesse erprobt, die zur Entwicklung von Fertigarzneimitteln führen könnten. Das Nebenwirkungsprofil und das Interaktionspotenzial von Cannabidiol seien derzeit noch nicht abschließend beurteilbar, befand der Ausschuss. Sind die Medropharm-Produkte also illegal?

Hanfmarkt boomt

Ganz so einfach ist es nicht. Die Verschreibungspflichtverordnung regelt nur den Abgabe-und nicht den Produktstatus. Selbst nach der Unterstellung von Cannabidiol als Arzneimittel unter die Rezeptpflicht kann es weiter auch als Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetikum verkauft werden, sofern der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) unter 0,2 Prozent liegt. Dies ist der in der EU für Nutzhanf, etwa für Lebensmittel, festgelegte Grenzwert. In Europa dürfen nur bestimmte Nutzhanfsorten mit einem Gehalt von weniger 0,2 Prozent angebaut werden, die damit keine berauschende Wirkung haben. Wenn die Anbieter den geringen Gehalt an THC zusichern und garantieren können, und das tun neben Medropharm noch eine Reihe weiterer Firmen, denn der Markt boomt, ist das alles im Rahmen der Legalität.

Amazon, Facebook und Google winken ab

Trotzdem rumort es hinter den Kulissen gewaltig. Amazon soll zum 1. März 2018 fast alle CBD-Öle vom Marktplatz genommen haben, für viele Händler ein herber Geschäftseinbruch, schreibt „Leafly“, ein Wissensportal über Cannabis in der Medizin. In der E-Mail an den Händler soll es geheißen haben, dass verbotene Produkte entfernt würden. Mit der Entscheidung Cannabis per se aus dem Sortiment zu streichen, stehe Amazon allerdings nicht alleine da. Weitere Onlineriesen wie die Social Media Plattform Facebook oder der Suchmaschinengigant Google verböten sämtliche Werbung, die sich rund um Cannabis dreht. Dabei habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst im Januar 2018 grünes Licht für CBD gegeben und internationalen Verboten gegen reines Cannabidiol eine Absage erteilt, da dies keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt.

Ein vollständiger Überblick über Cannabidiol, von dem man annehme, dass es medizinisch genutzt wird, sei jedoch auf Mai 2018 verschoben worden. Dann sollen auch CBD-Extrakte unter die Lupe genommen werden. Die Entscheidung der WHO zu den CBD-Produkten werde mit Spannung erwartet. Schließlich gehe es hier um einen Umsatzmarkt, der weltweit jährlich mehrere Milliarden Euro bringt.

Kein „Health Claim“ vorhanden

Auf keinen Fall dürfen die Produkte als Medizin verkauft oder beworben werden, auch wenn sie eventuell eine medizinische Wirkung haben. Einen „Health Claim", also eine von der EU-Kommission genehmigte, gesundheitsbezogene Werbeaussage für ein funktionales Lebensmittel, gebe es für die Nahrungsergänzungen nämlich nicht, hat die Ärztezeitung auf Anfrage von der Medropharm-Chefin Claudia Zieres-Naut erfahren. Das Unternehmen mache zur möglichen Zweckbestimmung der Tinkturen öffentlich auch keinerlei Vorschlag. „Das dürfen wir nicht", wird Zieres-Naut zitiert. Mit welchem Nutzenversprechen diese abgegeben würden, bleibe dem Apotheker überlassen. Wer in der Apotheke mit solchen Produkten in Berührung kommt, tut also gut daran, sie sorgfältig unter die Lupe zu nehmen und die Abgabe nicht mit irgendwelchen Heilversprechen zu verbinden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

Cannabidiol

von Mia am 28.09.2018 um 23:18 Uhr

Woher beziehe ich Cannabidiol?
Ich leide seit langem an Angststörung , dass Mittel soll dagegen helfen .
Hat jemand Erfahrung damit ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Cannabidiol

von Wanda am 06.11.2018 um 22:45 Uhr

Es wirkt definitiv leicht angstlösend, schlaffördernd und beruhigend. Nur in geringen Dosen selbst ausprobiert, ist bestimmt einen Versuch wert. Such mal bei medpex nach hempamed, ist eine mittlere Dosierung zu einem okayen Preis. Ansonsten bei 1000 Onlineshops, aber eine Versandapotheke ist da sicher vertrauenswürdiger. Viel Glück!

Dummen sterben dumm!

von Player am 20.09.2018 um 12:54 Uhr

Leute die glauben das Cannabis gefährlich ist, sind einfach nur dumm und von den Medien zu totallen idioten gemacht worden. Cannbis ist die beste Medizin! Die Pharma weiß das. Aber da es viel billiger und effektiver als die anderen Medikamente sind, wurde es auf der Politischen ebene verboten! Patiente sind Kunden und keiner will Kunden verlieren. Und wer damit Milliardengewinne macht, kann es auch auf Politischen ebene beinflüssen. Ja, Politiker sind bestächlich! ALLE! Lobiisten. Wieder was neues für euch???

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Cannabidiol gleich Kiffer

von Markus am 04.05.2018 um 16:04 Uhr

In der Apotheke, in der ich mich gestern nach CBD Produkte informieren lassen wollte, hob die Apothekerin ihre Hände hoch und sagte entsetzt "Sowas machen wir nicht"
Da kann man doch nur noch der CDU und CSU für ihre CannaPhobe Politik gratulieren.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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