Wissen am HV: Abnehmen

Dem Speck an den Kragen

Stuttgart - 06.04.2018, 15:45 Uhr

(Foto: YakobchukOlena / stock.adobe.com)

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Nahezu jeder mäkelt an überflüssigen Pfunden, hadert mit Speckpölsterchen und hätte gerne „einfach nur drei, vier Kilo weniger“.  Und kurz vor Beginn der Sommer-Sonne-Bikini-Saison prüft meist der kritische Blick vor dem Spiegel – im unbarmherzigen Licht der Umkleidekabine – die „Überbleibsel“ des Winterspecks. Bei vielen ist das Übergewicht tatsächlich auch gesundheitlich bedenklich. Macht low-carb Sinn? Oder sind Arzneimittel der einfache Weg zu einem gesunden Gewicht?

Wer muss überhaupt abnehmen? 

Die individuelle „Schmerzgrenze“ bei zu viel Gewicht ist sicherlich hochvariabel. Jedoch existiert auch eine wissenschaftliche Grenze, ab der Übergewichtigen eine Gewichtsreduktion empfohlen wird: Laut Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) sollten Menschen mit Übergewicht in folgenden Fällen ihr Gewicht reduzieren: 

  • Body Mass Index (BMI) ≥ 30 kg/m² oder
  • BMI zwischen 25 und 30 kg/m2, wenn gleichzeitig übergewichtsbedingte Gesundheitsstörungen vorliegen oder sich dadurch verschlimmern (Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2) beziehungsweise, wenn der Patient psychosozial unter dem Übergewicht leidet.

Wie anfangen?

Es gibt im Wesentlichen vier Ansätze zur Gewichtsreduktion

  • Lebensstiltherapie (Ernährung, Bewegung, Verhalten)
  • Formuladiät
  • Medikation
  • Bariatrische Chirurgie

Die Entscheidung, welche gewichtsreduzierende Maßnahme langfristig zum Erfolg beim Patienten führt, hängt jeweils vom BMI, der Körperfettverteilung, den persönlichen Vorlieben der Patienten und Begleiterkrankungen ab. Grundpfeiler jeder Gewichtsabnahme ist jedoch die Lebensstiltherapie. Sie umfasst Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Sie ist zugleich wohl auch meist die unbeliebteste, aber die nachhaltigste. 

Ernährung: Low carb, low fat?

Was ist der effektivste Weg, Gewicht zu reduzieren? Sollen die „Abnehm-Willigen“ lieber auf Kohlenhydrate verzichten – oder doch besser am Fett sparen? Laut aktuellen Daten ist es eigentlich ganz einfach: Es ist egal. Die Zusammensetzung der Makronährstoffe spielt eine untergeordnete Rolle. Worauf es ankommt, ist das erreichte Energiedefizit. Menschen mit Übergewicht sollten nicht weniger essen, sondern anders. Und anders heißt: Eine ausreichende Sättigung durch Lebensmittel mit geringer Energiedichte erreichen. So hat eine Portion Gemüse bei gleichem Volumen eine geringere Energiedichte als eine Portion Pasta. Diäten sollten allerdings nicht einseitig sein, sie gefährden ansonsten eine ausreichende Versorgung mit allen benötigten Nährstoffen (Mangelernährung). Erfahrungsgemäß leidet früher oder später auch das „Durchhaltevermögen“ der Übergewichtigen bei einer sehr einseitig betonten, strengen Nahrungskarenz. Bewegung und eine Verhaltenstherapie unterstützen nachweislich eine Ernährungstherapie und erhöhen den Erfolg einer Gewichtsreduktion.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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