Beratungs-Quickie

Ein Antibiotikum für ein besseres Hautbild

München - 05.05.2016, 12:00 Uhr

(Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)

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Welche Punkte sind bei der Beratung wichtig? Was für Zusatzinformationen kann man geben? Im „Beratungs-Quickie“ stellen wir jede Woche einen neuen Fall vor. Diesmal geht es um eine Verordnung über das Antibiotikum Doxycylin für eine Frau mittleren Alters.

Eine circa 50-jährige Frau betritt die Apotheke und schaut sich erst die Kosmetikregale an, bevor sie dann ihr Rezept einlöst. Sie hat sehr unreine Haut. 

Formalien-Check

Verordnet ist eine Packung Doxy S+K Aknetabs® Tabletten N3, ein Präparat mit 100 mg Doxycyclin. Da die Arztunterschrift fehlt, ist das Rezept ungültig. Die Apotheke muss die Unterschrift des Arztes ergänzen lassen. Der Arzt ist auch darüber zu informieren, dass das namentlich verordnete Produkt nicht mehr verfügbar und auch nicht mehr in der Lauer-Taxe gelistet ist. Die Packungsgröße N2 der Firma ist zwar noch aufgeführt, jedoch ebenfalls außer Handel. Es existiert kein Nachfolgeartikel. Dem Arzt ist die reine Wirkstoffverordnung oder die Änderung des Rezeptes in eine aut-idem konforme Alternative vorzuschlagen. 

Bei „AH“-(Ausser Handel-) oder „AV“- (Ausser Vertrieb-) Präparaten kommt es häufig zu Substitutionsproblemen. Die direkte Übernahme des Artikels für die EDV-Abgaberecherche kann aufgrund alter oder gelöschter Daten zu falschen Substitutionsanzeigen führen. Für die Suche nach einem aut-idem-konformen Rabattartikel empfiehlt es sich daher, die Verordnung zunächst als Wirkstoffverordnung zu behandeln und dann wirkstoffgleiche, rabattierte Produkte auf das gleiche Indikationsgebiet und die gleiche Darreichungsform zu prüfen.

Nach Packungsgrößenverordnung ist für orale Antibiotika mit dem Wirkstoff Doxycyclin, in einer Dosierung von mehr als 50 mg pro abgeteilter Darreichungsform, die N3 mit 48 bis 50 Stück definiert.

Beim Austausch ist auch auf die Teilbarkeit der Tabletten zu achten, da für das Krankheitsbild „Akne“ als Erhaltungsdosis eine Halbierung der Dosis empfohlen ist.

Das korrigierte Rezept ist mit 50 Stück Doxycyclin 100 - 1A Pharma® Tabletten (N3) zu beliefern. Es handelt sich um einen teilbaren Rabattartikel, der alle austauschrelevanten Kriterien erfüllt.

Die Kundin ist gebührenpflichtig.

Ab Ausstellungsdatum ist das korrigierte Rezept einen Monat gültig.

Beratungs-Basics

Das Antibiotikum Doxycyclin wurde der Kundin zur Behandlung einer Hauterkrankungen verordnet. Doxycyclin wirkt bakteriostatisch auf Propionibacterium acnes und hat zudem eine direkte entzündungshemmende Wirkung. Das Arzneimittel ist unter anderem zur Therapie von infizierten schweren Formen der Akne vulgaris und Rosacea zugelassen.

Die empfohlene Dosierung zur Behandlung von Hauterkrankungen beträgt einmal täglich 100 mg Doxycyclin für sieben bis 21 Tage. Anschließend ist die tägliche Einnahme von 50 mg Doxycyclin als Erhaltungsdosis für weitere zwei bis drei Wochen möglich. In Abhängigkeit vom klinischen Erfolg kann zur Akne-Therapie eine Langzeitbehandlung mit niedrigdosiertem Doxycyclin (50 mg täglich) über einen Zeitraum von bis zu zwölf Wochen erfolgen.

Für die Patientin im aktuellen Fall ist es die zweite Packung des Arzneimittels. Sie zeigt sich enttäuscht, dass sich ihr Hautbild immer noch nicht bessert. Hier ist es besonders wichtig, die Adhärenz der Kundin zu fördern, indem die Bedeutung einer regelmäßigen und ausreichend langen Einnahme für den Therapieerfolg betont wird.

Die Tabletten sind entweder morgens mit dem Frühstück oder zusammen mit einer anderen Mahlzeit mit einem großen Glas Wasser (200 ml) in aufrechter Körperposition einzunehmen. Die Einnahme während einer Mahlzeit kann die Häufigkeit von Magen-Darm-Störungen verringern. Nach zehn bis 15 Minuten sollte ein weiteres Glas Wasser nachgetrunken werden. Calciumhaltige Nahrungsmittel (Milch, Milchprodukte oder calciumhaltige Fruchtsäfte) darf die Kundin erst mit zwei bis drei Stunden Abstand zu sich nehmen.

Wie bei allen Antibiotika kann es zu Stuhlveränderungen kommen. Im Rahmen der systemischen Langzeitantibiose ist der Kundin die begleitende Einnahme von Trockenhefe aus Saccharomyces boulardii (z.B. Perenterol® forte) zur Durchfallprophylaxe zu empfehlen. Das Probiotikum ist per se als Adjuvans bei chronischen Formen der Akne indiziert (Einnahme: zweimal täglich15 Minuten vor einer Mahlzeit). Treten während oder nach der Therapie schwere und anhaltende Durchfälle auf, ist unverzüglich der Arzt aufzusuchen, da sich dahinter eine pseudomembranöse Enterokolitis verbergen kann.

Doxycyclin erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut. Sonnenbaden im Freien oder in Solarien sollte die Kundin während der Behandlung vermeiden. Bei Sonnenlichtexposition muss sie auf textilen Lichtschutz (auch der Kopfhaut) achten und einen hohen Lichtschutzfaktor verwenden.

Unter der Therapie kann es durch Selektion zu einer Candida-Besiedlung der Haut oder der Schleimhäute kommen. Zur Stabilisierung der Vaginalflora während der Antibiotikum-Behandlung empfiehlt sich für die Kundin die Anwendung von vaginalen Milchsäurezäpfchen.

Auch noch wichtig

Wechselwirkungen mit verordneten Arzneimitteln und mit der Selbstmedikation sind zu beachten.

Die Einnahme von Antanzida, Colestyramin oder Mineralstoff-Präparaten, die Calcium, Magnesium, Eisen oder Zink enthalten, muss mit einem zeitlichen Abstand von zwei bis drei Stunden erfolgen.

Frauen (Alter der Patientin beachten) sind bei der Beratung auf die mögliche Abschwächung der Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva oder von Hormonersatzpräparaten hinzuweisen.

Der DAZ.online-Beratungsquickie

Jede Woche präsentieren wir einen kurzen Fall, wie er im Apothekenalltag vorkommen könnte. Die Fälle und die Beratungshinweise basieren auf dem Rezepttrainer 1, dem Rezepttrainer 2 und dem HV-Trainer, des Deutschen Apotheker Verlags.
Die Beispiele geben Anregungen zur Beratung und anderen Dingen, die bei der Abgabe zu beachten sind:

  • Formalien-Check: unter anderem Informationen zur Verordnungsfähigkeit sowie Gültigkeit des Rezeptes

  • Beratungs-Basics: die wichtigsten Informationen zur Anwendung

  • Auch noch wichtig: Infos zu häufigen Nebenwirkungen und anderen Anwendungsproblemen, Wechselwirkungen mit der Selbstmedikation, Warnzeichen für Komplikationen, …

  • Darf`s ein bisschen mehr sein? Weitergehende Informationen und mögliche Zusatzempfehlungen

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Darf´s ein bisschen mehr sein?

  • Akne ist meist eine multifaktorielle Erkrankung mit genetischer Prädisposition. Die Behandlungsmöglichkeiten bestehen aus mehreren Optionen: Neben der konsequenten Hautpflege (ggf. mit Schältherapie), kommen Antibiotika (äußerlich und innerlich), Anti-Baby-Pille mit antiandrogener Gestagenkomponente bei Frauen, UV-Bestrahlung (hier wegen der Phototoxizität kontraindiziert) und bei sehr schweren Akneformen Isotretinoin zum Einsatz.
  • Für die Hautpflege eignen sich pH-neutrale Produkte, besser noch eine leicht saure (pH 5,5) Hautreinigung und -pflege, da alkalische Produkte die Vermehrung der Propionibakterien begünstigen.
  • Als Sonnenschutz sind fett- und emulgatorfreie Gel-(Fluid)-Formulierungen mit einem hohen UVA-Schutz und mit mineralischen Mikropigmenten geeignet.
  • Gesunde Ernährung ist sinnvoll. Diätetische Maßnahmen zur Beeinflussung der Akne werden jedoch oft überschätzt.
  • Die kurmäßige Einnahme eines Zinkpräparats in einer Dosierung von 30 bis 40 mg Zink-Ionen pro Tag, am Besten als organische Zinkverbindung, kann (nach frühestens 4 Wochen) zu einer Verbesserung der Akne beitragen (Einnahmeabstand von zwei bis drei Stunden zu Doxycyclin).

Die Kundin berichtet, dass sie schon ihr Leben lang mit einem schlechten Hautbild zu kämpfen habe. Da sie alles andere als eine trockene Haut habe, habe sie zumindest kaum Falten. So sei es immerhin ein schwacher Trost, wenn sie als einzige bei Ü40-Festen nach ihrem Ausweis gefragt werde.


Manuela Kühn, Apothekerin
redaktion@daz.online


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