Für mehr Therapietreue

TK-ArzneiCoach: Medikationsplan vom Apotheker

Berlin - 15.07.2015, 17:25 Uhr

Tim Steimle: Apotheker spielen eine große Rolle bei der Durchführung des TK-ArzneiCoachs. (Foto: TK)

Tim Steimle: Apotheker spielen eine große Rolle bei der Durchführung des TK-ArzneiCoachs. (Foto: TK)


Therapietreue ist für eine erfolgreiche Behandlung besonders wichtig. Nimmt der Patient seine Arzneimittel wie verordnet, geht es dem Patienten besser und die Kassen sparen Kosten. Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet daher chronisch erkrankten Versicherten mit dem TK-ArzneimittelCoach einen freiwilligen Service, mit dem die Therapietreue verbessert werden kann. In das Programm sind auch Beratungsgespräche in der öffentlichen Apotheke integriert. Über die Gründe, den Ablauf und den aktuellen Stand dieses Angebots sowie die Erwartungen berichtet Tim Steimle, Leiter Fachbereich Arzneimittel bei der TK, im Interview mit der DAZ.

Viele Patienten tun sich schwer, Arzneimittel ein Leben lang immer richtig einzunehmen. Die TK setzt daher auf ein Netz aus Ärzten, Apothekern und Mitarbeitern der TK, die alle zusammenwirken, um die Adhärenz der Patienten zu steigern: Im Rahmen von Disease-Management-Programmen (DMP) können TK-Versicherte ein freiwilliges Coaching nutzen. „In diesen Programmen können wir passgenaue Angebote machen“, erklärt Steimle. Zurzeit gibt es den TK-ArzneimittelCoach für Patienten mit Diabetes mellitus und rheumatoider Arthritis. Ab Herbst sollen ihn auch Patienten mit koronarer Herzerkrankung und ab kommendem Frühjahr Patienten mit Asthma und COPD nutzen können.

Arzneimittel-Übersicht als Ausgangspunkt

Wie läuft das Coaching ab? Zunächst werden die betreffenden Versicherten auf das Angebot angesprochen, berichtet Steimle. Nach ihrer Teilnahmeerklärung führen die Coaches mehrere Telefonate. „Im Wesentlichen geht es darum, dass der Patient versteht und lernt, wie er die Arzneitherapie stärker in seinen Alltag integrieren kann.“ Dabei spielen das soziale Netz, Familie und Freunde eine ebenso große Rolle wie die beteiligten Ärzte und Apotheker. Der Versicherte erhält sodann von der TK die Versicherteninformation Arzneimittel, das TK-ViA, eine Übersicht seiner in den letzten zwei Jahren verordneten Arzneimittel.

Die Übersicht ist die Grundlage für das Gespräch mit dem TK-Arzneicoach: Hier geht es darum, die Behandlungseinsicht des Patienten zu stärken, um gesundheitspsychologische Aspekte, die Stärkung des Patienten-Netzwerkes. Wünscht der Versicherte darüber hinaus eine gesonderte Beratung in seiner Stammapotheke, kontaktiert die Kasse den Apotheker. In der Apotheke wird er nach den Leitlinien der Bundesapothekerkammer beraten. „Es geht dabei also um die Fragen, ob die Arzneimitteltherapie richtig ausgewählt ist, ob es arzneimittelbezogene Probleme gibt, die der Apotheker mit dem Patienten und in Rücksprache mit dem Arzt klären kann.“ Von seiner Apotheke erhält er einen Medikationsplan. Überdies analysiert die Apotheke die Medikation.

Serviceangebot mit Potenzial

Allerdings: „Herr der Daten ist und bleibt der Patient“, betont Steimle. Der Patient bekomme von der TK einen Dokumentationsbogen ausgehändigt, in dem steht, was im Rahmen des Coaching herausgefunden und angesprochen wurde. Ihn soll der Patient der Apotheke aushändigen, damit sie sich auf das Gespräch vorbereiten kann. Der Apotheker wiederum dokumentiert darauf ebenfalls, was er gemacht hat und was er empfiehlt. Der Versicherte kann diese Dokumentation dann für das Gespräch mit dem Arzt und beim TK-Coaching nutzen – die TK erhält keine Informationen darüber, was in der Apotheke gemacht wurde.

Derzeit beteiligen sich 800 Versicherte am TK-Coaching – einen Bedarf sieht die Kasse bei 30.000 bis 40.000 Versicherten. Rund 200 Apotheken sind bislang in das Programm integriert. Für die beiden Gespräche, ein halbstündiges Erst- und ein viertelstündiges Folgegespräch, erhalten sie insgesamt 50 Euro inkl. Mehrwertsteuer. Die Kasse sieht in ihrem Coaching-Projekt großes Potenzial: Jede Woche würden 20 Patienten gecoacht und jede Woche kämen neue Apotheken dazu, so Steimle. Neben den bestehenden und geplanten Indikationen prüft man bei der TK derzeit noch weitere DMP-Indikationen. „Wir werden dieses Projekt also in den nächsten Jahren weiter betreiben.“

Lesen Sie das vollständige Interview des DAZ-Herausgebers Peter Ditzel mit Tim Steimle in der aktuellen DAZ 2015, Nr. 29, S. 22.


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