Kniegelenksarthrose

Vitamin D kann Schmerzen nicht verringern

01.02.2013, 10:00 Uhr


Die Einnahme von Vitamin D konnte in einer aktuellen, randomisierten klinischen Studie bei Patienten mit einer Kniegelenksarthrose weder die Schmerzen noch den weiteren Knorpelverlust vermindern.

Diese Studie kommentierte Uwe Gröber, Experte für Mikronährstoffmedizin aus Essen, jetzt in der Deutschen Apotheker Zeitung.

In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass bei Personen mit Vitamin-D-Mangel (25-OH-D < 20 ng/ml) chronische, schmerzhafte Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Osteoarthritis vermehrt auftreten. Unabhängige prospektive Kohortenstudien zeigten zudem, dass ein guter 25-OH-D-Status oder eine höhere Vitamin-D-Einnahme mit einem 2,5 bis 3-fach verminderten Risiko für das radiologische Fortschreiten einer Hüft- beziehungsweise Kniegelenksarthrose assoziiert sind. Ergebnisse von prospektiven Beobachtungsstudien, wie der Framingham-Studie, geben zusätzlich Hinweise darauf, dass eine bessere Knochendichte das Voranschreiten einer Kniegelenksarthrose vermindert. Patienten mit Kniegelenksarthrose könnten demnach von einer Optimierung ihres Vitamin-D-Status profitieren.

Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sollte der 25-OH-D-Spiegel im Serum zwischen 30 und 60 ng/ml liegen, um langfristig negative Folgen auf die Gesundheit zu vermeiden. Ideal ist ein 25-OH-D-Status zwischen 40 und 60 ng/ml bzw. 100 und 150 nmol/l.

In der aktuellen randomisierten, kontrollierten doppelblinden Interventionsstudie erhielten 146 Patienten (mittleres Alter: 62,4 Jahre, 61% Frauen) mit Kniegelenksarthrose über zwei Jahre entweder Vitamin D (2000 I.E. Vitamin D pro Tag) oder Placebo. Der angestrebte 25-OH-D-Spiegel lag bei mindestens 36 ng/ml. 85% der Teilnehmer beendeten die Studie. Die Serumspiegel des 25-OH-D stiegen unter der Supplementierung von Vitamin D signifikant um durchschnittlich 16,1 ng/ml und in der Placebo-Gruppe um 2,1 ng/ml (p < 0,001). Zu Beginn der Studie hatten die Teilnehmer in der Vitamin-D-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe etwas stärkere Knieschmerzen (median 6,9 vs. 5,8 Punkte, p = 0,08) und eine deutlich schlechtere Kniefunktion (median 22,7 vs. 18,5 Punkte, p = 0,04). Unter der Supplementierung von Vitamin D besserten sich die Knieschmerzen um 2,31 Punkte und in der Placebo-Gruppe um 1,46 Punkte.

Zu keinem Zeitpunkt zeigten sich aber signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Auch der mediane Knorpelverlust war in beiden Gruppen gleich. Eine ausreichende Supplementierung von Vitamin D (Ziel: 25-OH-D > 36 ng/ml) über einen Zeitraum von zwei Jahren konnte in dieser Interventionsstudie weder die Knieschmerzen noch den Knorpelverlust bei Patienten mit Kniegelenksarthrose im Vergleich zu Placebo verringern. Demnach eigne sich Vitamin D eher zur Vorbeugung als zur Behandlung einer Arthrose, so Gröber.

Literatur: Gröber, U.: DAZ 2013;153(4):30-31.


Dr. Bettina Hellwig