FDP in NRW

Bahr gibt Landesvorsitz auf – Lindner soll FDP retten

Berlin - 16.03.2012, 09:05 Uhr


Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr gibt überraschend seinen Posten als FDP-Landeschef von NRW auf und macht damit den Weg frei für Christian Lindner, der jetzt die FDP in NRW bei den vorgezogenen Landtagswahlen im Mai retten soll.

„Ich werde mich mit vollem Engagement in den Wahlkampf hineinwerfen", erklärte Lindner. Er habe zwar andere Pläne gehabt. „Aber ich werde nicht in der Reserve bleiben, wenn es darum geht, die FDP wieder in den Landtag zu führen.“ Es sei eine ernste Wahl, bei der es „um die Zukunft der FDP" gehe. FDP-Chef Philipp Rösler kommentierte die Rochade mit den Worten: „Wir schicken unseren besten Mann."  - Kein Kompliment für Daniel Bahr.  

Der 33-Jährige Lindner steht vor einer schwierigen Aufgabe: Nach einer ZDF-Umfrage käme die FDP in Nordrhein-Westfalen auf zwei Prozent - die Liberalen liegen deutlich hinter den Piraten (sechs Prozent) und der Linken (vier Prozent). Lindner hat kaum zwei Monate Zeit, diese nahezu unmöglich erscheinende Mission zu erfüllen, die Liberalen in den Düsseldorfer Landtag zu bringen.

Dass Lindners Comeback auch die Bundespartei beeinflussen wird, deutete FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle an: „Ich beglückwünsche Christian Lindner. Das ist eine gute Entscheidung - auch für die Bundespartei", sagte Brüderle am Donnerstagabend in Berlin. „Bei seinem Wahlkampf werde ich ihn gern voll und ganz unterstützen", betonte Brüderle. Brüderle gilt inzwischen in der FDP als der eigentliche starke Mann und als heimlicher Parteichef. 

Wie es hieß, habe sich Bundesgesundheitsminister Bahr von der Erkenntnis leiten lassen, dass sein Berliner Kabinettposten mit der anstehenden Pflege- und AMG-Novelle und die Spitzenkandidatur kaum zu vereinbaren seien, hieß es in Düsseldorfer Parteikreisen. Bahr kommentierte seinen Rückzug vom Parteivorsitz in NRW und Lindners Comeback so: „Er hat eine große Erfahrung in Nordrhein-Westfalen, eine große Glaubwürdigkeit, großes Standing und Anerkennung." Bahr war erst im November 2010 zum Parteichef im größten Landesverband der Liberalen gewählt worden.


Lothar Klein


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