Diagnose per Mausklick

Ärzte warnen vor „DrEd“

Berlin/London - 02.12.2011, 13:48 Uhr


Ärzteverbände warnen vor dem neuen Internetportal „DrEd“ aus London. „Es kann einen Arztbesuch nicht ersetzen“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl. Diagnose und Behandlung allein über das Internet könnten nicht im Interesse des Patienten sein, heißt es auch von der Bundesärztekammer.

Patienten können sich jetzt bei „DrEd“ per Mausklick behandeln lassen. Ist eine Medikation notwendig, bekommen sie ihr (Privat-)Rezept per Post zugesandt – auf Wunsch geht es aber auch an die Hamburger Versandapotheke apo-rot. Die Patienten müssen nur Fragebögen beantworten. „Ein Telefongespräch mit dem Arzt ist möglich, wenn nötig“, erklärt Sprecher Jens Apermann. Für akute Erkrankungen und Notfällen sei das Portal nicht geeignet, erklärt er. Eine Praxisgebühr entfällt, doch die Behandlungen kosten bis zu 29 Euro.

Zwei deutsche Ärzte arbeiten für das Unternehmen mit Sitz in London. „Das hat rechtliche Gründe“, sagt Apermann. In England sei das Angebot legal, in Deutschland nicht. Abgesehen von dringlichen Notfallbehandlungen gelte hierzulande das Fernbehandlungsverbot nach den Satzungen der jeweiligen Landesärztekammern, erklärt Carsten Dochow, Mitarbeiter am Göttinger Zentrum für Medizinrecht.

„Wir wissen, dass die Mehrzahl der Ärzte das, was wir tun, ablehnen“, sagt Apermann. Doch „DrEd“ wolle auch Patienten mit peinlichen Problemen helfen, die sonst möglicherweise den Weg zu Arzt scheuten. „Auch wenn es peinlich ist: Aus Schamgefühl sollte niemand auf den Arztbesuch verzichten“, betont jedoch KBV-Sprecher Stahl. „Auch die blaue Pille kann gefährlich sein“, warnt er mit Blick auf das Potenzmittel Viagra, das es ebenfalls bei „DrEd“ gibt.

Im Bundesgesundheitsministerium sieht man „DrEd“ ebenfalls kritisch. „Bei einem persönlichen Arztbesuch kann der Mediziner viel mehr wahrnehmen als bei einem Kontakt via Internet“, sagt Sprecher Roland Jopp. Der Patient könne dem Arzt zwar Dinge nennen, die ihm selbst auffallen, ein Arzt könne aber mehr sehen und ertasten.

Das Portal „DrEd“ bezeichnet sich selbst als telemedizinisches Angebot. „Telemedizin ist das aber nicht“, entgegnet Jopp. Das sieht auch die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin so. Der Deutsche Ärztetag habe Leitsätze dazu verabschiedet, wonach die Technik ärztliches Handeln unterstützen, aber nicht ersetzen solle, betont Wolfgang Loos vom Vorstand der Gesellschaft. Es gebe bereits zahlreiche telemedizinische Angebote in Deutschland. Eine im Mai 2010 veröffentlichte Landkarte liste rund 270 einzelne Dienste und Projekte auf.



dpa/DAZ.online


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