Neu auf dem Markt

CSE-Hemmer Rosuvastatin

Konstanz - 23.07.2009, 06:53 Uhr


Der Lipidsenker Rosuvastatin (Crestor®) ist bei uns seit Anfang 2009 zur Therapie der Hypercholesterinämie und der gemischten Dyslipidämie in den Dosierungen 5, 10, 20, und 40 mg auf dem Markt.

Wie alle Statine ist Rosuvastatin ist ein selektiver, kompetitiver Hemmstoff der HMG-CoA-Reduktase oder auch CSE. Dieses Enzym katalysiert geschwindigkeitsbestimmend die Umwandlung von 3-Hydroxy-3-methyl-glutaryl-Coenzym-A zu Mevalonat, einer Vorstufe von Cholesterin.

Der primäre Wirkort von Rosuvastatin ist die Leber. Rosuvastatin erhöht die Anzahl der hepatischen LDL-Rezeptoren an der Zelloberfläche, wodurch sich die Aufnahme und der Abbau von LDL beschleunigt, und es hemmt die Synthese von VLDL in der Leber. Dadurch wird die Gesamtzahl von VLDL- und LDL-Partikeln reduziert. Rosuvastatin senkt erhöhtes LDL-Cholesterin-, Gesamtcholesterin und Triglyceride und erhöht das HDL-Cholesterin.

Maximale Rosuvastatin-Plasmaspiegel werden ungefähr fünf Stunden nach der oralen Einnahme erreicht, die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 20 %. Rosuvastatin wird großteils von der Leber aufgenommen und nur zu etwa 10 % von Enzymen des Cytochrom-P450-Systems metabolisiert. Annähernd 90 % der Rosuvastatin-Dosis wird unverändert im Stuhl ausgeschieden. Die Plasma-Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 19 Stunden und nimmt bei höheren Dosen nicht zu.

10 mg Rosuvastatin senkte in drei klinischen Studien mit insgesamt mehr als 15.000 Patienten den LDL-Cholesterinspiegel um rund 50 %, während Atorvastatin (10 mg) Simvastatin (20 mg) und Pravastatin (20 mg) den LDL-Spiegel nur um 37 und 38 % senkten. In allen Studien erreichten unter Rosuvastatin mit rund 80 % mehr Patienten die LDL-Cholesterin-Zielwerte als unter den Vergleichssubstanzen Atorvastatin (51 %), Simvastatin (48 %) und Pravastatin (16 %). Zu Behandlungsbeginn hatten die Patienten einen LDL-Wert zwischen 160 und 250 mg/dl, nach zwölfwöchiger Therapie sank dieser Wert mit Rosuvastatin (10 mg) unter 115 mg/dl, bei 47 % der Patienten konnte der LDL-Spiegel sogar unter 100 mg/dl reduziert werden.

Rosuvastatin wird im Gegensatz zu anderen Statinen nicht über Cytochrom P450 3A4 abgebaut, weshalb Interaktionen mit diesem Enzymsystem nicht zu erwarten sind.

Das Profil der Nebenwirkungen entspricht dem der anderen Statine. Wie alle Statine kann auch Rosuvastatin in seltenen Fällen eine lebensgefährliche Rhabdomyolyse auslösen, die mit einer schweren Schädigung der Muskeln verbunden ist. Bei Rosuvastatin traten schon in der doppelten als der zugelassenen Höchstdosis von 40 mg Rhabdomyolysen und Nierenversagen auf. Um das Risiko für eine Rhabdomyolyse zu verringern, sollte daher versucht werden, das Therapieziel mit der niedrigsten Dosierung zu erreichen. Als Höchstdosis sind derzeit 40 mg Rosuvastatin pro Tag zugelassen.

Patienten mit einem erhöhten Risiko sollten möglichst niedrige Dosierungen erhalten. Dazu gehören Patienten über 65 Jahre, solche mit Schilddrüsenunterfunktion und/oder chronischen Nierenfunktionsstörungen. Auch Personen mit einer Prädisposition für eine Myopathie, zum Beispiel Patienten unter einer Ciclosporin-Therapie, sind stärker gefährdet und sollten nur mit niedrigen Dosen behandelt werden Bei der Behandlung von Patienten asiatischer Herkunft wurden bei gleicher Dosierung doppelt so hohe Wirkstoffkonzentrationen im Blut gemessen wie bei weißen Patienten. Daher sollten Patienten asiatischer Herkunft sollten zu Beginn unbedingt die niedrigste Dosis (5 mg) erhalten.

Häufige Nebenwirkungen (≥1/100, <1/10) sind Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Verstopfung, Übelkeit, Abdominalschmerzen, Myalgie und Asthenie.


Bettina Hellwig


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