Arzneimittel und Therapie

Rosuvastatin senkt den Cholesterinspiegel

Der HMG-CoA-Reduktasehemmer Rosuvastatin (Crestor®) kommt jetzt auch in Deutschland auf den Markt, nachdem er schon seit 2002 in anderen europäischen Ländern eingeführt ist. Wie alle Statine wird Rosuvastatin eingesetzt, um den Cholesterinspiegel zu senken. Wie bei allen Statinen besteht auch unter der Therapie mit Rosuvastatin unter bestimmten Umständen die Gefahr einer Rhabdomyolyse.
Rosuvastatin

Der Lipidsenker Rosuvastatin wurde im Jahr 2002 als erstem europäischen Land in den Niederlanden zugelassen. Er ist in Österreich und der Schweiz schon länger im Handel erhältlich, in Deutschland wird er seit 15. Januar 2009 vertrieben.

Das Statin wird in den Dosierungen 10, 20, und 40 mg eingesetzt. Rosuvastatin ist zur Behandlung der primären Hypercholesterinämie (Typ IIa, einschließlich heterozygoter familiärer Hypercholesterin-

ämie) oder der gemischten Dyslipidämie (Typ IIb) zusätzlich zu einer Diät indiziert, wenn der Patient nicht ausreichend auf eine Diät und andere nicht pharmakologische Maßnahmen (z. B. Bewegung, Gewichtsreduktion) anspricht, ebenso bei der homozygoten familiären Hypercholesterinämie zusätzlich zu einer Diät und anderen lipidsenkenden Maßnahmen (z. B. LDL-Apherese) oder wenn solche Maßnahmen nicht geeignet sind.

Vor Behandlungsbeginn muss der Patient auf eine cholesterinsenkende Standarddiät gesetzt werden, die während des gesamten Behandlungszeitraums fortgesetzt werden sollte.

HMG-CoA-Reduktasehemmer

Wie alle Statine ist Rosuvastatin ein selektiver, kompetitiver Hemmstoff der HMG-CoA-Reduktase. Dieses Enzym katalysiert geschwindigkeitsbestimmend die Umwandlung von 3-Hydroxy-3-methyl-glutaryl-Coenzym-A zu Mevalonat, einer Vorstufe von Cholesterin.

Der primäre Wirkort von Rosuvastatin ist die Leber. Hier erhöht Rosuvastatin die Anzahl der LDL-Rezeptoren an der Oberfläche der Leberzellen, wodurch sich die Aufnahme und der Abbau von LDL beschleunigt, und es hemmt die Synthese von VLDL in der Leber. Dadurch wird die Gesamtzahl von VLDL- und LDL-Partikeln reduziert.

Rosuvastatin senkt erhöhtes LDL-Cholesterin-, Gesamtcholesterin und Triglyceride und erhöht das HDL-Cholesterin.

Steckbrief: Rosuvastatin


Handelsname: Crestor
Hersteller: AstraZeneca GmbH, Wedel
Einführungsdatum: 15. Januar 2009

Zusammensetzung: 1 Filmtablette enthält 5-/10-/20 mg Rosuvastatin, als Rosuvastatin-Hemicalcium.

Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Lactose-Monohydrat, mikrokristalline Cellulose, Tricalciumphosphat (Ph. Eur.), Crospovidon (Typ B), Magnesiumstearat (Ph. Eur.). Tablettenhülle: Lactose-Monohydrat, Hypromellose, Triacetin, Titandioxid (E 171), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2 O (E 172, Crestor 5-mg-Filmtabletten), Eisen(III)-oxid (E 172) (Crestor 10- und 20-mg-Filmtabletten).

Packungsgrößen, Preise und PZN: Crestor 5 mg: 30 Filmtabletten, 39,39 Euro, PZN 0316223; 100 Filmtabletten, 103,97 Euro, PZN 0321721. Crestor 10 mg: 30 Filmtabletten, 46,39 Euro, PZN 0185324; 100 Filmtabletten, 130,13 Euro, PZN 0185399. Crestor 20 mg: 30 Filmtabletten, 57,36 Euro, PZN 0185442; 100 Filmtabletten, 160,80 Euro, PZN 0185560.

Stoffklasse: Lipidsenker; HMG-CoA-Reduktasehemmer, Statin. ATC-Code: C10A A07.

Indikation: Zur Behandlung von primärer Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie, zusätzlich zu einer Diät, wenn das Ansprechen auf diese oder andere nicht pharmakologische Maßnahmen nicht ausreichend ist. Zur Behandlung der homozygoten familiären Hypercholesterinämie zusätzlich zu einer Diät und anderen lipidsenkenden Maßnahmen oder wenn solche Maßnahmen nicht geeignet sind.

Dosierung: Anfangsdosis 5 oder 10 mg oral einmal täglich. Eine Dosisanpassung auf die nächsthöhere Dosierung kann, falls erforderlich, nach vier Wochen erfolgen. Die Titration auf eine Maximaldosis von 40 mg sollte nur bei Patienten mit schwerer Hypercholesterinämie bei hohem kardiovaskulärem Risiko in Betracht gezogen werden, die das angestrebte Therapieziel mit 20 mg nicht erreichen und bei denen routinemäßige Kontrollen durchgeführt werden.

Gegenanzeigen: Aktive Lebererkrankung, einschließlich einer ungeklärten andauernden Erhöhung der Serum-Transaminasen sowie jeglicher Erhöhung der Serum-Transaminasespiegel auf mehr als das Dreifache des oberen Normwertes (ULN). Schwere Nierenfunktionsstörung (Creatininclearance < 30 ml/min), Myopathie, gleichzeitige Einnahme von Ciclosporin, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Frauen im gebärfähigen Alter, die keine geeigneten kontrazeptiven Maßnahmen anwenden. Die 40-mg-Dosis ist bei Patienten mit prädisponierenden Faktoren für Myopathie/Rhabdomyolyse und bei gleichzeitiger Anwendung von Fibraten kontraindiziert.

Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Verstopfung, Übelkeit, Abdominalschmerzen, Myalgie, Asthenie.

Wechselwirkungen: Die Kombination von Rosuvastatin und Gemfibrozil wird nicht empfohlen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen: Wenn die CK-Ausgangswerte signifikant erhöht sind, darf die Behandlung nicht begonnen werden. Patienten mit prädisponierenden Faktoren für Myopathie/Rhabdomyolyse sollten Rosuvastatin nur mit Vorsicht erhalten. Bei Patienten mit akuten schweren Erkrankungen, die auf eine Myopathie hinweisen, oder für die Entwicklung einer Niereninsuffizienz als Folge einer Rhabdomyolyse anfällig machen, darf Rosuvastatin nicht angewendet werden. Wie andere HMG-CoA-Reduktase-Hemmer sollte Rosuvastatin bei Patienten mit übermäßigem Alkoholkonsum und/oder einer Lebererkrankung in der Anamnese mit Vorsicht angewendet werden. Rosuvastatin muss abgesetzt oder die Dosis reduziert werden, wenn die Serumtransaminasen-Konzentration höher als auf das Dreifache des oberen Normalwertes ansteigt.

Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Rosuvastatin kann zu jeder Tageszeit unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 5 oder 10 mg oral einmal täglich. Wegen der erhöhten Gefahr von Nebenwirkungen sollte eine letzte Titration auf eine Maximaldosis von 40 mg nur bei Patienten mit schwerer Hypercholesterinämie bei hohem kardiovaskulären Risiko in Betracht gezogen werden, die das angestrebte Therapieziel mit 20 mg nicht erreichen und bei denen routinemäßige Kontrollen durchgeführt werden.

Die empfohlene Anfangsdosierung für Patienten mit prädisponierenden Faktoren für Myopathie ist 5 mg, die 40-mg-Dosierung ist bei einigen dieser Patienten kontraindiziert. Auch bei gleichzeitiger Anwendung von Fibraten ist die 40-mg-Dosis von Rosuvastatin kontraindiziert, hier sollte die Behandlung mit der 5-mg-Dosierung begonnen werden.

Kaum Abbau über CYP450

Maximale Rosuvastatin-Plasmaspiegel werden ungefähr fünf Stunden nach der oralen Einnahme erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 20%. Rosuvastatin wird großteils von der Leber aufgenommen. Es wird nur zu etwa 10% von Enzymen des Cytochrom-P450-Systems metabolisiert, weshalb keine diesbezüglichen Arzneimittelwechselwirkungen erwartet werden. Annähernd 90% der Rosuvastatin-Dosis wird unverändert im Stuhl ausgeschieden, rund 5% unverändert mit dem Urin. Die Plasma-Eliminationshalbwertszeit beträgt rund 19 Stunden und nimmt bei höheren Dosen nicht zu.

Gut wirksam

Rosuvastatin ist ein besonders wirksamer Cholesterinsenker, mit dem sich vor allem jene Patienten effektiv auf ihre Zielwerte einstellen lassen, die nicht ausreichend auf die Standardtherapie mit Simvastatin ansprechen. Eine therapeutische Wirkung tritt innerhalb einer Woche nach Beginn der Therapie ein, und 90% des Maximaleffektes werden in zwei Wochen erreicht. Die maximale Wirkung wird gewöhnlich nach vier Wochen erreicht und bleibt danach erhalten.

10 mg Rosuvastatin senkte in mehreren klinischen Studien mit insgesamt mehr als 15.000 Patienten den LDL-Cholesterinspiegel zwischen 43 und 50%, während mit Atorvastatin (19 mg), Simvastatin (20 mg) und Pravastatin (20 mg) nur eine Senkung von 37 bis 38% erreicht wurde. In allen Studien erreichten unter Rosuvastatin mit rund 80% mehr Patienten die LDL-Cholesterin-Zielwerte als unter den Vergleichssubstanzen Atorvastatin (51%), Simvastatin (48%) und Pravastatin (16%). Zu Behandlungsbeginn hatten die Patienten einen LDL-Wert zwischen 160 und 250 mg/dl, nach zwölfwöchiger Therapie sank dieser Wert mit Rosuvastatin (10 mg) unter 115 mg/dl, bei 47% der Patienten konnte der LDL-Spiegel sogar unter 100 mg/dl reduziert werden.

Risiko von Muskelschäden

Das Profil der Nebenwirkungen entspricht dem der anderen Statine. Häufige Nebenwirkungen von Rosuvastatin in den klinischen Studien waren Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Verstopfung, Übelkeit, Abdominalschmerzen, Myalgie und Asthenie.

Allerdings wurde schon in der doppelten als der zugelassenen Höchstdosis von 40 mg über Rhabdomyolysen und Nierenversagen berichtet. Um das Risiko einer lebensgefährlichen Rhabdomyolyse zu verringern, sollte daher versucht werden, das Therapieziel mit der niedrigsten Dosierung zu erreichen.

Patienten mit einem erhöhten Risiko sollten möglichst niedrige Dosierungen erhalten. Dazu gehören Patienten über 65 Jahre, solche mit Schilddrüsenunterfunktion und/oder chronischen Nierenfunktionsstörungen. Auch Personen mit einer Prädisposition für eine Myopathie, zum Beispiel Patienten unter einer Ciclosporin-Therapie, sind stärker gefährdet und sollten nur mit niedrigen Dosen behandelt werden.

Bei der Behandlung von Patienten asiatischer Herkunft wurden bei gleicher Dosierung doppelt so hohe Wirkstoffkonzentrationen im Blut gemessen wie bei weißen Patienten. Daher sollten diese Patienten zu Beginn unbedingt die niedrigste Dosis (5 mg) erhalten.

Ebenso ist Rosuvastatin bei Patienten mit aktiver Lebererkrankung sowie einer Erhöhung der Serum-Transaminasespiegel und bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung kontraindiziert.

Bei Patienten, die gleichzeitig Ciclosporin erhalten, kann sich der Plasmaspiegel von Rosuvastatin stark erhöhen, weshalb die gleichzeitige Anwendung von Rosuvastatin hier kontraindiziert ist.

Quelle

Fachinformation zu Crestor® , Stand Dezember 2008.

Informationen der Firma AstraZeneca GmbH, 20. Januar 2009.

Jones, P., et al.: Comparison of the efficacy and safety of rosuvastatin versus atorvastatin, simvastatin, and pravastatin across doses (Stellar Trial). Am. J. Cardiol. 2003; 92: 152– 60.

Schuster, H., et al.: Effects of switching statins on achievement of lipid goals: measuring effective reductions in cholesterol using rosuvastatin therapy (Mercury I) study. Am. Heart. J. 2004; 147: 705 –12.

Crouse, J. et al.: Effect of rosuvastatin on progression of carotid intima-media thickness in low-risk individuals with subclinical atherosclerosis. The Meteor Trial. J. Am. Med. Assoc. 2007; 297: 1344 –53.

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