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Lack und Tabletten kombinieren

Ein Weg zur Behandlung hartnäckiger Onychomykosen

rei | Nagelmykosen können zunächst lokal mit einem antimykotischen Nagellack behandelt werden. Ein langfristiger Erfolg wird jedoch vor allem mit einer Kombination aus Amorolfin und Terbinafin erreicht, so der Konsens einer dermatologischen Expertengruppe anlässlich der FOBI Digital 2020.
Foto: Galderma

15 Prozent der Menschen in Deutschland sind von einer Nagelmykose betroffen. Ursächlich sind vor allem Dermatophyten der Gattung Trichophyton, die in erster Linie die Zehennägel befallen. Auf die Infektion deuten eine verdickte Nagelplatte, gelblich-braune Verfärbungen sowie eine Verhornung unterhalb des Nagels hin. Eine solche Onychomykose ist äußerst hartnäckig und dauert entsprechend lange. Wie Professor Martin Schaller vom Universitätsklinikum Tübingen berichtete, lässt sich die Heilungsrate mit einer Kombinationstherapie aus Amorolfin und Terbinafin erhöhen. Das zeigte sich in einer Metaanalyse. Für eine kombinierte Behandlung spricht seiner Meinung nach die bessere Effektivität, das breitere Wirkspektrum und die gute Patiententoleranz.

Behandlung in der Praxis

Wie man bei einer schweren Nagel­mykose praktisch vorgeht, veranschaulichte der Dermatologe Dr. Dieter Reinel aus Hamburg. Nach der klinischen Untersuchung gewinnt er Nagelspäne, die er mikroskopisch auf Pilze untersucht. Dann wird eine Pilzkultur angelegt, um die Erreger mikrobiologisch zu identifizieren. Unabhängig davon empfiehlt er für die Erstbehandlung einen antimykotisch wirksamen und wasserbeständigen Amorolfin-Lack (Loceryl®), der einmal pro Woche aufgetragen wird. Das Morpholin-Derivat dringt in den Nagel ein und bekämpft den Pilz im Nagelbett. Alternativ kann täglich ein wasserlöslicher Ciclopirox-Lack verwendet werden, am besten abends nach dem Füßewaschen. Vor der ersten Anwendung sollten die Nägel stumpf gefeilt werden. Nach sechs Wochen Lackbehandlung steigt man gegebenenfalls auf Tabletten um. Eingenommen wird täglich eine Tablette mit 250 mg Terbinafin über 14 Tage. Anschließend genügt eine Tablette pro Woche über drei bis sechs Monate. Die Behandlung kann bis zu einem Jahr dauern. Das ist nötig, weil eine Pilzinfektion durch die Sporen­bildung sehr lange infektiös bleibt. So zeigte eine Untersuchung, dass die Pilzkultur unter Terbinafin auch nach neun Wochen positiv war; unter Itraconazol war das sogar noch nach zwölf Wochen der Fall.

Wie lange die Therapie durchgeführt wird, richtet sich nach dem Befund. Nach der Erfahrung von Dieter Reinel zählt dabei der am schlimmsten befallene Nagel. Da hier Ausdauer und eine gute Mitarbeit gefragt sind, bestellt der Hautarzt die Patienten alle sechs Wochen ein. Der Fortschritt wird dokumentiert, indem er Tesafilm über den Nagel klebt und auf diesem die erkrankten Bereiche mit einem Filzstift maßstabsgerecht aufgezeichnet. Sind die Nägel in der Nachkontrolle gesund, ist die Therapie beendet. Bei Rückfällen wird weiterhin Loceryl®-Lack verwendet, am besten ein bis zwei Mal im Monat. Als Vorsichts­maßnahme empfiehlt der Mediziner zudem eine Schuhdesinfektion mit hautfreundlichen Präparaten. Tritt eine Onychomykose während der Schwangerschaft auf, darf nur topisch behandelt werden. Schwere Fälle werden nach der Geburt und nach der Stillzeit systemisch therapiert. Auch bei Kindern empfiehlt sich die topische Behandlung: Sie zeigt gute Erfolge, da die Nägel in diesem Alter schnell wachsen.

Quelle

Update Mykologie: Kombinationstherapie der schweren Onychomykose – Konsens einer Expertengruppe am 11. Juli 2020, veranstaltet von der Galderma GmbH

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