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Management

Der Weg zum reifen Team

Synergieeffekte führen zu besseren Leistungen

Jeder Apothekenleiter ist auf die Kooperation mit seinem Team angewiesen. Was kann er tun, damit sich die „Ansammlung mehrerer Individuen“ zu einem reifen und leistungsfähigen Team entwickelt? Entscheidend ist: Er muss die Mitarbeiter (auch) motivieren, ihre Einzel­interessen hintanzustellen und den Weg zur Teamreife mitzu­gestalten.

Die meisten Apothekenleiter möchten nicht nur einfach mehrere verschiedene Mitarbeiter im losen Verbund führen und mit ihnen die Apothekenziele realisieren. Sie wollen vielmehr ein Team bilden, weil sie wissen, dass ein intelligentes Team meistens mehr zu leisten imstande ist, als die Summe der Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter vermuten lässt.

Denn durch ein gut funktionierendes Team entstehen Synergieeffekte und Erfolge, die kaum möglich wären, wenn jeder Mitarbeiter zwar sein Bestes geben, aber eher eigenbrötlerisch agieren würde.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein reifes Apothekenteam entstehen kann, dessen Mitglieder stolz darauf sind, in und mit dieser Gruppe zu arbeiten, und so ein hohes Leistungsniveau erreicht wird?

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Zusammen sind wir stark: Die Leistung eines gut funktionierenden Teams ist besser als die Summe der Einzelleistungen der Team-Mitglieder.

Voraussetzung 1: Persönliche Ziele und Einstellung klären

Wie bei fast jeder größeren Ver­änderung steht die Selbstreflexion des Apothekenleiters am Beginn des Prozesses. Er muss sich da­rüber im Klaren sein, dass funktionierende und erfolgreiche Teamarbeit nicht zum Nulltarif zu haben ist, sondern dass auch er persönlich dafür arbeiten und sich einbringen muss. Eins plus eins ergibt nicht automatisch drei, sondern manchmal auch null oder gar minus eins.

Darum sollte der Chef reflektieren, welche Ziele er mithilfe der Teamarbeit verfolgt und was er bereit ist zu tun, damit diese sich nicht in der bloßen Aneinanderreihung regelmäßig stattfindender Teamsitzungen erschöpft, sondern zu messbaren Ergebnissen führt.

Der Apothekenleiter muss mithin von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Teamarbeit überzeugt sein. Wenn er selbst schon der Ansicht ist, die Zusammenarbeit im Team bringe keine sub­stanziellen Ergebnisse, wird es ihm kaum gelingen, einen Teamspirit zu entfachen.

Voraussetzung 2: Teamspirit entwickeln

Eine Motivationsflamme im Team kann dann entstehen, wenn die Teammitglieder stolz darauf sind, gemeinsam etwas erreicht zu haben. In der Teamsitzung sollte der Chef versuchen, bei den Mitarbeitern den Stolz auf das gemeinsam Erreichte zu wecken. Dies gelingt am besten mit praktischen Beispielen aus dem Apothekenalltag: Der Apothekenleiter stellt dar, dass und wie es vor zwei Wochen gelungen ist, einen sehr enttäuschten Kunden gemeinsam doch wieder ins „Zufriedenheitsboot“ zu hieven. Die Mitarbeiterin Sonja Müller hat es geschafft, im Beschwerdegespräch „den Dampf aus dem Kessel zu lassen“ und den Kunden zu beruhigen. Der Kollege Reiner Schmitt hatte dann die Idee, dem Kunden ein kleines Wiedergutmachungspräsent zu überreichen. Jedoch nicht in der Apotheke selbst, sondern per Apothekenbote, damit der Kunde merkt: „Die tun was, um ihren Fehler gutzumachen!“ Der Fahrer Helmut Meier ist im Rahmen seiner Tour bei dem Kunden vorbeigefahren und hat ihm das Präsent übergeben, verbunden mit ein paar persönlichen Worten.

Entscheidend ist: Die Mitarbeiter erleben anhand solcher Geschichten authentisch und glaubwürdig, welche Erfolge möglich sind, wenn alle an einem Strang ziehen, die Teammitglieder von gemeinsamen Werten („Der Kunde ist König!“ und „Jeder Fehler bietet uns die Chance, zu lernen und noch besser zu werden!“) geleitet und getragen werden und ein Wir-Gefühl entsteht. Der Apothekenleiter verdeutlicht seinen Mitarbeitern so: „Ihr seid alle gut – aber im Team seid ihr noch besser!“

Voraussetzung 3: Vorbehalte ausräumen und Rahmenbedingungen aufstellen

Im Verständnis vieler Mitarbeiter bedeutet TEAM immer noch „Toll, Ein Anderer Macht’s“. Einer arbeitet, alle kassieren den Lohn. Darum ist es wichtig, dass der Chef klare Rahmenbedingungen und Spielregeln formuliert. Dies geschieht am besten zusammen mit den Mitarbeitern, so kann sich jedes Teammitglied mit diesen Rahmenbedingungen und Regeln einverstanden erklären. Hat sich die Arbeit als Team und im Team erst einmal bewährt, wird es nicht notwendig sein, auf deren Einhaltung zu achten. Denn die Mitarbeiter werden sie von selbst befolgen.

Ist das Selbstverständnis als Team jedoch noch nicht so ausgeprägt, sorgen zum Beispiel die folgenden Rahmenbedingungen und Regeln dafür, dass niemand mehr den Begriff TEAM mit der Übersetzung „Toll, Ein Anderer Macht’s“ in Verbindung bringt:

  • Es gibt eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung, an die sich jeder halten muss.
  • Die Aufgabenverteilung ist an der Qualifikation und dem Kompetenzstatus des einzelnen Mitarbeiters orientiert – niemand wird unter- oder überfordert.
  • Die Verantwortlichkeiten sind klar festgelegt.
  • Jeder übernimmt die Verantwortung für seinen Beitrag zur Zielerreichung.
  • Die Teaminteressen stehen über, doch zumindest gleichberechtigt neben den Einzelinteressen der Teammitglieder.
  • Jeder ist bereit, auch ungeliebte Aufgaben zu übernehmen.

Voraussetzung 4: Teamorientierung projekt­bezogen optimieren

Die Rahmenbedingungen und Regeln zeigen, dass so gut wie immer die Führungskompetenz des Inhabers und die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter gefragt sind. Ein effektives Team ohne einen teamorientierten und führungsstarken Leiter ist kaum denkbar. Dieser ist gut beraten, die Mitarbeiter langsam mit der Arbeit im Team vertraut zu machen.

Dieses Ziel lässt sich beispielsweise durch eine praktische Projekt­arbeit erreichen. Nehmen wir an, es soll eine Kundenoffensive im Frei- und Sichtwahlbereich stattfinden, mit dem Schwerpunkt „Hautcremes“. In der Teamsitzung erläutert der Apothekenleiter die Zielsetzungen dieser Kundenoffensive: Kundenbindung, Neukundengewinnung, Image ver­bessern – aber auch Mitarbeiterentwicklung und Stärkung des Teamgedankens.

Jeder Mitarbeiter übernimmt konkret beschriebene Aufgaben, die seinen Fähigkeiten entsprechen. In regelmäßigen Feedbackrunden wird besprochen, welche Mitarbeiter Unterstützung benötigen, die sie dann aus dem Team heraus erhalten. Fehlt beispielsweise dem Kollegen, der die Gestaltung des Aktionsregals übernommen hat, noch eine zündende Idee für das Motto, unter dem dieser Beratungs- und Verkaufsbereich während der Kundenoffensive stehen soll, veranstaltet das Team hierzu ein Brainstorming.

Erfolg stärkt den Teamspirit

Gelingt es, die Kundenoffensive im Team und gemeinsam zum Erfolg zu führen, kann der Apothekenleiter die Aktion nutzen, um den Teamspirit weiter zu stärken: „Seht, wie wir das zusammen gestemmt haben!“

Und so schließt sich der Kreis: Durch den Lerneffekt, der durch das Projekt „Kundenoffensive“ in Gang gesetzt worden ist, können die Teammitglieder bei der nächsten Aktion mit einem noch höheren Grad an Eigenverantwortung und Engagement an die Bewältigung der Teamaufgaben gehen. Das Team befindet sich auf dem besten Weg zur Teamreife. |

Dr. Michael Madel, freier Autor und Kommunikationsberater

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