INTERPHARM 2014 - Festvorträge

Damit Ihre Patienten bei der Anwendung nichts falsch machen

Die Kunst der richtigen Applikation

bf | Die Anwendung von Augentropfen und Dosieraerosolen, aber auch von oral einzunehmenden Tropfen hat es in sich. Fehler können folgenschwer sein. Pharmazierat Dr. Wolfgang Kircher, Peißenberg, gab praxisnahe Tipps – zum Weitersagen.
Foto: DAZ / A. Schelbert / C. Hartlmaier
Dr. Wolfgang Kircher Es gibt fast nichts, was bei der Anwendung nicht falsch gemacht werden kann.

Auch wenn alles stimmt – der Wirkstoff, die Dosis, die Darreichungsform und die Adhärenz – kann eine Therapie fehlschlagen, nämlich dann, wenn der Patient einen Fehler bei der Anwendung macht. Und davon gibt es reichlich. Entsprechend wichtig ist eine gezielte Beratung in der Apotheke. Besonders häufig kommt es zu Fehlern bei der Applikation von Augentropfen. Eine Untersuchung bei 100 Glaukompatienten ergab, dass 37% mit der sterilen Tropferspitze das Auge oder andere Kontaminationsquellen berühren. Etwa ein Fünftel zieht bei der Applikation das Unterlid nicht vom Auge ab und die Hälfte tropft mehr als einen Tropfen ein. Nahezu alle Patienten aber, nämlich 94% unterdrücken den Lidschlag nach dem Eintropfen nicht. „Das ist die häufigste Fehlerquelle“, betonte Kircher. Dabei sei es für die Wirksamkeit entscheidend, dass der Patient nach Applikation der Augentropfen das Auge etwa eine Minute geschlossen hält.

Tropfen will gelernt sein

Probleme kann es auch bei der Applikation von Tropfen geben, die oral eingenommen werden. Diese, so Kircher, „generell suboptimale Darreichungsform“ ist noch immer sehr beliebt. Bei der Beratung kommt es entscheidend darauf an, ob es sich bei dem jeweiligen Präparat um einen „Zentraltropfer“ oder um einen „Randtropfer“ handelt. Bei den Zentraltropfern muss das Fläschchen beim Tropfen senkrecht gehalten werden, bei Randtropfern dagegen geneigt. Viele ältere Patienten halten Zentraltropfer allerdings schräg, weil ihnen die Tropfenfolge zu schnell ist und sie die Zahl der Tropfen nicht mehr ermitteln können. Bei einem schräg gehaltenen Zentraltropfer verringert sich aber das Tropfengewicht mit dem Risiko einer klinisch relevanten Unterdosierung. Auch Polyethylenquetschfläschchen müssen senkrecht entleert werden. „Darüber muss der Patient aufgeklärt werden, denn diese Informationen finden sich nur selten im Beipackzettel“, so Kircher. Im Übrigen müssen auch Pipetten mit gerader Abtropffläche senkrecht gehalten werden, bei kugelförmiger Abtropffläche spielt es dagegen keine Rolle, wie die Pipette gehalten wird.

Keine gute Idee: Heizkissen auf das Opioid-Pflaster

Schwerwiegende Folgen kann der falsche Umgang mit Opiod-haltigen Schmerzpflastern haben. Denn sie enthalten nach Ende der Applikationsdauer noch erhebliche Mengen an Wirkstoff, nämlich zwischen 35 und 70%. Sie sollten deshalb nur gefaltet entsorgt werden. Beachtet werden muss auch, dass ein Erwärmen des Pflasters, etwa mit einem Heizkissen oder einer Sitzheizung, die Freisetzung des Opioids deutlich erhöht und zu toxischen Blutspiegeln führen kann.

Aufklärungsintensiv: Dosieraerosol und Turbohaler

Am häufigsten falsch angewendet werden Arzneimittel zur bronchopulmonalen Anwendung, noch vor Arzneiformen zur parenteralen oder zur konjunktivalen Anwendung. Sie sind deshalb besonders aufklärungsintensiv. Kircher machte auf ein besonderes Problem bei Dosieraerosolen aufmerksam, nämlich das „tail off“, das nicht nur, aber vor allem bei Suspensionen auftritt. Gemeint sind damit Dosisschwankungen, die auftreten, wenn das Dosieraerosol zwar noch Wirkstoff freisetzt, aber nicht mehr in konstanten ausreichenden Mengen. Um eine suffiziente Therapie sicherzustellen, kann zumindest bei konstanter Anwendungsfrequenz das Datum der letztmöglichen dosiskorrekten Einnahme, errechnet auf Basis von deklarierter Sprühstoßanzahl und individueller Dosierung, auf der Packung vermerkt werden. Untauglich ist dagegen der oft propagierte „Schwimmtest“. Wichtiger Tipp für den Turbohaler: Er muss unmittelbar nach dem Laden angewandt werden, ohne dass er abgestellt oder anderweitig erschüttert wird. Denn dadurch reduziert sich die Dosis. Stellt der Patient den Turbohaler nach dem Laden ab, so muss er vor der späteren Anwendung erneut geladen werden! Die Gefahr der Überdosierung besteht nicht.

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