Arzneimittel und Therapie

Krebsprävention – was hilft?

Welche Möglichkeiten es gibt, Krebserkrankungen vorzubeugen, wird immer wieder diskutiert. Einige Maßnahmen wie der Tabakverzicht oder die Koloskopie sind effektiv, aber schwer vermittelbar, andere wie die Einnahme von ASS umstritten und mit möglichen Nebenwirkungen behaftet.

Neben allgemeinen Vorschlägen zu einer gesunden Lebensführung (Bewegung, gesunde Ernährung, Vermeiden von Übergewicht, wenig Alkohol, kein Tabak) und speziellen Präventionsmaßnahmen für Risikogruppen werden derzeit vor allem die Einnahme von ASS sowie mögliche Alternativen zur Koloskopie diskutiert. Letztere gibt es, sie sind aber nicht so aussagekräftig wie eine vollständige Darmspiegelung, bei der im Bedarfsfall gleichzeitig Polypen entfernt werden können. Die Alternativen zur Koloskopie sind Prof. Dr. Frank Kolligs, München, zufolge mit Unzulänglichkeiten behaftet: Bei der virtuellen Darmspiegelung werden weniger kleine Polypen entdeckt als bei der Koloskopie. Weitere Nachteile sind die Strahlenbelastung, die Kosten sowie keine Möglichkeit zur Entnahme von Gewebeproben. Ebenfalls mit hohen Kosten und suboptimaler Sensitivität ist die Kapsel-Koloskopie verbunden. Die Aussagekraft von Stuhltests hängt von den eingesetzten Testverfahren ab. Der fäkale occulte Bluttest (FOBT) weist okkultes Blut im Stuhl nach – kolorektale Karzinome bluten häufiger als die normale Darmmukosa – und kann zu einer Senkung der Darmkrebs-bedingten Mortalität beitragen. Nachteilig ist seine mäßige Sensitivität für Karzinome und die geringe Sensitivität für Adenome. Immunologische Tests (FITs = fäkale immunochemische Tests, iFOBS = immunologische fäkale occulte Bluttests) weisen spezifisch menschliches Hämoglobin nach. Sensitivität und Spezifität der verfügbaren Tests variieren allerdings deutlich. Im Stuhltest M2-PK wird der Tumorstoffwechselmarker (Tumor M2-Pyrovatkinase) nachgewiesen, der in bösartig verändertem Gewebe gebildet wird. In genetischen Stuhltests werden DNA-Veränderungen in Kolonepithelzellen nachgewiesen. Der Septin-9-Test wird mit Blut durchgeführt und beruht auf dem Nachweis von methyliertem Septin-9, das bei Darmkrebs verstärkt auftritt. Die Sensitivität der genetischen Tests ist höher als diejenige der FOBTs, aktuelle Leitlinien empfehlen diese Tests aber nicht zur Darmkrebsfrüherkennung. Fazit: Das Mittel der Wahl zur Früherkennung kolorektaler Adenome und Karzinome ist die Koloskopie, die zu einer Abnahme der Darmkrebsinzidenz und Mortalität führt.

Was sagt die aktuelle Leitlinie?

Die aktuelle S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (Juni 2013) spricht unter dem Punkt 3.17. folgende Empfehlung aus: Acetylsalicylsäure soll nicht zur Primärprävention des kolorektalen Karzinoms in der asymptomatischen Bevölkerung eingenommen werden.

Quelle: www.dgvs.de/leitlinien/kolorektales-karzinom

ASS im Focus

Nutzen und Schaden einer langfristigen ASS-Einnahme zur Primärprävention von Tumoren werden schon lange diskutiert. Wie Prof. Dr. Cornelia Ulrich vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg auf dem diesjährigen 31. Deutschen Krebskongress darlegte, wurde bereits vor rund zehn Jahren eine Studie publiziert, die ein vermindertes Auftreten kolorektaler Tumore und Polypen nach einer mehrjährigen ASS-Einnahme zeigt. Weitere Studien kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Der präventive Effekt setzt allerdings erst nach ungefähr zehnjähriger Einnahme von Acetylsalicylsäure ein und wird bereits mit niedrigen Dosen (75 bis 100 mg) erzielt. Diesem Benefit steht aber das vermehrte Auftreten gastrointestinaler Blutungen gegenüber. Ulrich fasste die Datenlage folgendermaßen zusammen: ASS ist wirksam in der Chemoprävention mehrerer Krebsarten, insbesondere gastrointestinaler Tumore. Eine Risikoreduktion von 40 bis 50% wird bereits mit niedrigen ASS-Dosen (75 bis 100 mg/d) erzielt. Es besteht aber ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Blutungen. Wünschenswert ist nun eine Selektion derjenigen Personengruppen, die von der ASS-Einnahme profitieren, das heißt, bei denen keine Nebenwirkungen zu erwarten sind (personalisierte Indikation). Möglicherweise kann dies mithilfe pharmakogenetischer Merkmale bereits im Vorfeld bestimmt werden; Untersuchungen hierzu werden durchgeführt.

Tabakprävention findet im Parlament statt

Wie Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg darlegte, ist die deutliche Erhöhung der Tabaksteuer eine der effektivsten Maßnahmen, um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, geringfügige Steuererhöhungen haben keinen Einfluss. Überschätzt werden auch günstige Auswirkungen von Schulungsprogrammen. Die beiden größten schulischen Tabakpräventionsmaßnahmen („Klasse 2000“, „Be Smart - Don’t Start“) erreichen nur einen geringen Anteil der sechs- bis 17-Jährigen. Wirksamer sind Nichtraucherschutzgesetze wie Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Lokalen. Das Fazit von Pötschke-Langer: Um Jugendliche dauerhaft vom Rauchen abzuhalten, sind gesetzliche Maßnahmen wie eine weitere deutliche Tabaksteuererhöhung, umfassendes Tabakwerbeverbot, Verbot von Zusatzstoffen, die Einführung großer, bildgestützter Warnhinweise sowie ein bundesweites Nichtraucherschutzgesetz erforderlich.

Hautkrebsprävention und Vitamin D – ein Widerspruch?

Der Schutz der Haut vor Krebs und eine ausreichende endogene Vitamin-D-Synthese scheinen teilweise im Widerspruch zu stehen. So wies Dr. Cornelia Baldermann, Oberschleißheim, darauf hin, dass sich die spektralen Wirkungsbereiche für die Vitamin-D-Synthese und für die schädigenden Wirkungen der UV-Strahlung teilweise überlagern und dass die kutane Vitamin-D-Synthese nicht getrennt von den schädigenden Effekten der UV-Strahlung betrachtet werden kann. Die Empfehlungen zur Hautkrebsprävention (Sonne meiden) und zur Sicherstellung der endogenen Vitamin-D-Synthese (Sonne suchen) widersprechen sich daher teilweise. Um beiden gerecht zu werden, können folgende Empfehlungen ausgesprochen werden:

  • dauerhafte und hohe UV-Strahlung meiden, Sonnenbrände verhindern
  • von Frühjahr bis Herbst zur Mittagszeit (11 bis 15 Uhr) den Aufenthalt an der Sonne meiden
  • individuell abgestimmte Sonnenschutzmaßnahmen
  • kein Besuch von Solarien
  • für ausreichende Vitamin-D-Konzentrationen von April bis September Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz zwei- bis dreimal pro Woche der Hälfte der minimalen sonnenbrandwirksamen UV-Dosis (MED) aussetzen. 


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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