Ernährung aktuell

Mikronährstoffe für sportlichen Erfolg

Metabolic Tuning und die Paralympics 2012

Nachdem die olympischen Spiele in London am 12. August zu Ende gegangen sind, finden derzeit die Paralympics in der britischen Hauptstadt statt. Eine erfolgreiche deutsche Teilnehmerin ist die Schwimmerin Kerstin Bruhn. Sie setzt im Training und Wettkampf unter anderem auf eine optimale Mikronährstoffversorgung. Ein Anlass für uns, das Thema Mikronährstoffe und Sport hier aufzugreifen.
Kirsten Bruhn mit Franziska van Almsick beim Laureus Sports Award 2006 in Barcelona. Derzeit holt die Schwimmerin für Deutschland Medaillen bei den Paralympics in London.

Die Idee des Menschen, seine körperliche Leistungsfähigkeit durch den Verzehr leistungsfördernder Substanzen zu verbessern, ist so alt wie der Sport selbst. Schon in der Antike versuchten die griechischen Athleten ihre sportliche Leistung durch die Einnahme von bestimmten Kräutern, Pilzen oder tierischen Geschlechtsorganen wie Stierhoden zu steigern. Heutzutage gibt es im Spitzensport kaum noch Athleten, die nicht regelmäßig ihren Stoffwechsel mit Mikronährstoffen zur Optimierung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit "tunen". Erhöhte Trainingsintensitäten und -umfänge sowie verschärfte Dopingkontrollen sind die Hauptgründe, warum Nahrungsergänzungsmittel im Sport in immer stärkerem Umfang eingesetzt werden.

Sport und Mikronährstoffbedarf

Jede intensivere körperliche Aktivität führt nicht nur zu einem erhöhten Bedarf an Energie liefernden Makronährstoffen (z. B. Kohlenhydrate), sondern auch an den Katalysatoren unseres Stoffwechsels, den Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Mikronährstoffe spielen bei zahlreichen katabolen (z. B. Glucoseoxidation zur ATP-Gewinnung) und anabolen Stoffwechselprozessen (z. B. Muskelaufbau, Speicherung von Muskelglykogen) eine zentrale Rolle. Daneben sind sie an der Regulierung der Herzmuskelfunktion, der Muskelkontraktion, der Nervenreizleitung, der Koordination und des Säure-Basen-Gleichgewichtes beteiligt. Gerade bei sportlichen Aktivitäten verbraucht der Körper mehr Energie als normal. Körperliche Anstrengungen, Schweißverlust, Essstörungen sowie eine erhöhte oxidative Belastung können daher schnell zu einem Mehrbedarf an Mikronährstoffen führen. Eine geringe Unterversorgung mit Mikronährstoffen kann bereits zu einer Beeinträchtigung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit führen. Das gilt insbesondere für Personen, die regelmäßig und intensiv trainieren. Im Hinblick auf eine optimale Stoffwechselfunktion und körperliche Fitness sind Sportler deshalb noch stärker als Nichtsportler auf eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen angewiesen.

Risiken durch Mikronährstoffdefizite

In Deutschland passieren pro Jahr über zwei Millionen Sportunfälle. Neben Frakturen, Bänderrissen, Luxationen, Muskel- und Kapselbandverletzungen zählen vor allem Muskelverhärtungen und -zerrungen zu den häufigsten Sportverletzungen. Häufig diagnostizieren die betreuenden Sportärzte bei Sportlern auch Erschöpfungszustände, die sich zum Beispiel durch eine gesteigerte Infektanfälligkeit äußern, so dass kein regelmäßiges Training möglich ist. Die Verletzungsanfälligkeit ist dabei ebenfalls erhöht, mit der Folge einer schnellen Übermüdung und deutlich niedrigerer Spitzenleistung. Die Prävention ist deshalb bei der medizinischen Betreuung von Spitzensportlern wie auch bei der Beratung von Breitensportlern von hohem Stellenwert. Eine unzureichende Versorgung mit Mikronährstoffen äußert sich beim sportlich Aktiven vor allem in einer geringeren Leistungs- und Regenerationsfähigkeit sowie einer erhöhten Infektanfälligkeit. Zahlreiche Athleten fallen sogar häufiger aufgrund von Krankheiten und Infekten aus als aufgrund von Verletzungen. Sportler verlieren durch den hohen Energieumsatz, die vermehrte Schweißsekretion und Ausscheidung über die Nieren zum Teil erhebliche Mengen an Elektrolyten (v. a. Natrium) und Spurenelementen. Bereits breitensportliche Belastungen mit einer Schweißproduktion von etwa einem Liter pro Stunde führen zu merklichen Verlusten an Jod, Kupfer, Zink und Eisen. Nach intensivem Training oder nach Wettkämpfen kann es auch noch Tage später zu einer vermehrten Ausscheidung kommen. Körperliche Anstrengungen, Schweißverluste und oxidativer Stress können daher schnell in einem Mikronährstoffengpass münden.

Aufgrund ihres erhöhten Energieumsatzes weisen vor allem Leistungssportler einen gesteigerten Bedarf an Mikronährstoffen auf, der jedoch in der Regel nicht ausreichend über die Ernährung abgedeckt wird. Im Leistungssport besteht zudem die Gefahr, dass Mikronährstoffmängel durch die intensive physische und psychische Belastung noch verstärkt und verschleppt werden. Besonders häufig wird eine mangelhafte Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen in Sportarten beobachtet, bei denen ein niedriges Körpergewicht eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Leistungsfähigkeit darstellt. Dazu zählen unter anderem Ballett, Eiskunstlauf, Langstreckenlauf, Skispringen und Turnen. In Sportarten mit unterschiedlichen Gewichtsklassen, zum Beispiel in Kampfsportarten, ist eine Reduktion des Körpergewichtes vor einem Wettkampf üblich und weit verbreitet. Dadurch wird der Start in einer niedrigeren Gewichtsklasse ermöglicht, was mit vermeintlich größeren Erfolgsaussichten verbunden ist. Allerdings besteht bei derartigen Gewichtsmanipulationen immer das Risiko einer unzureichenden Nährstoffversorgung. Neben den zu erwartenden Problemen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt werden bei diesen Sportarten immer wieder Defizite im Bereich von Magnesium, Eisen, Jod, Zink, B-Vitaminen und Antioxidanzien wie Vitamin E festgestellt. Aber auch in anderen leistungsorientierten Disziplinen wie Schwimmen, Leichtathletik, Marathonlauf und im Fußball ist eine mangelhafte Versorgung mit Mikronährstoffen häufig.

Mit Mikronährstoffen zu Spitzenleistungen

Dass eine optimale Mikronährstoffversorgung als Beitrag zum sportlichen Erfolg zu werten ist, zeigt das Beispiel von Kirsten Bruhn, die derzeit als Schwimmerin bei den Paralympics in London antritt. Frau Bruhn ist seit einem Motorradunfall im Jahr 1991 querschnittgelähmt. Seit ihrer Kindzeit betrieb sie Schwimmen als Leistungssport. Nach dem Unfall betrieb sie die Sportart weiter – zunächst vor allem zur Eigenmobilisation, seit 2001 auch wieder im Rahmen von Wettkämpfen und auf Leistungssportniveau. Zu ihren größten Erfolgen zählen Goldmedaillen bei den Paralympics 2004 in Athen und 2008 in Peking. Darüber hinaus hat Kirsten Bruhn etliche Weltrekorde und Titel bei internationalen Schwimm-Events erschwommen. Sie war Behindertensportlerin der Jahre 2004 und 2005 und zum Laureus World Sports Award 2006 in Barcelona nominiert. Aktuell holte Frau Bruhn in London Silber über 100 m Rücken.

Mikronährstoffe sind für Kirsten Bruhn ein fester Bestandteil ihres "Trainingsprogramms". Im Interview im Buch "Metabolic Tuning statt Doping" von Uwe Gröber (siehe auch Buchtipp) äußert sich Frau Bruhn folgendermaßen: "Meinen Vitamin- und Mineralstoffbedarf ergänze ich zum Teil durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei achte ich darauf, dass diese Produkte entsprechend untersucht, durch kompetente Personen für gut befunden werden und vor allem nicht auf der Anti-Doping-Liste stehen! Zudem ist es wichtig, dass es ausgewogene Vitamin- oder Mineralstoff-Produkte sind, da häufig unsinnige Kombinationen angeboten werden. Im Hinblick auf die hohe Trainingsbelastung achte ich vor allem auf eine ausreichende Versorgung mit Magnesium und Calcium."



Literaturtipp

Mikronährstoffe im Sport

Ob Spitzenleistung oder Breitensport – sportliche Aktivität führt zu einem erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und anderen bioaktiven Nährstoffen.

Es ist das Verdienst des Autors, durch jahrelange Recherchen und eigene Untersuchungen den Wert von Mikronährstoffen erforscht und immer wieder hinterfragt zu haben. Anhand konkreter Beispiele empfiehlt er die gezielte Einnahme von Mikronährstoffen zur Stabilisierung des Immunsystems und Sicherung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Denn auch ohne Doping können Sportler mit einem intelligenten Stoffwechsel-Tuning auf völlig legalem Wege verblüffende Leistungssteigerungen erzielen!

Das Buch gewährt interessante Einblicke in die Welt des Profisports durch Interviews. Sportler, Trainer, (Sport-)Mediziner, Apotheker und Ernährungsberater finden hier wertvolle Tipps für die tägliche Praxis und Beratung.

"Metabolic Tuning statt Doping" vereint Theorie und Praxis, Wissenschaft und Anwendung sowie Ratschläge und Rezepte in einer ausgewogenen Balance.


Von Uwe Gröber

Metabolic Tuning statt Doping – Mikronährstoffe im Sport.

302 S., 125 farb. Tab., 56 farb. Fotos.

Kartoniert.

S. Hirzel Verlag, 1. Auflage 2008; Preis: 32,80 Euro


Dieses Buch können Sie einfach und schnell bestellen unter der Postadresse:

Deutscher Apotheker Verlag, Postfach 10 10 61, 70009 Stuttgart

oder im Internet unter: www.buchoffizin.de

oder per Telefon unter: (07 11) 25 82 - 3 41 oder - 3 42



DAZ 2012, Nr. 36, S. 83