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Hochwertige Ausbildung im PJ

Das Konzept der Akademischen Ausbildungsapotheke

Seit Ende 2010 gibt es in Baden-Württemberg Akademische Ausbildungsapotheken – zurzeit sind es schon 23. Das ihnen zugrunde liegende Konzept ist einfach und hat sich bewährt: Engagierte Apothekenleiter, die sich für den beruflichen Nachwuchs einsetzen, finden leichter hoch motivierte Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) und umgekehrt.
Kostas Pitsioras hat für sein Praktisches Jahr eine Ausbildungsapotheke gefunden, wie er sie sich gewünscht hat. Foto: LAK BW

Für die Akkreditierung als Akademische Ausbildungsapotheke durch die Landesapothekerkammer (LAK) müssen u. a. folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Der Ausbilder muss Fachapotheker für Allgemeinpharmazie oder für Klinische Pharmazie sein, ein gültiges Fortbildungszertifikat besitzen und an einem Einführungskurs der LAK teilgenommen haben.

  • Seine Apotheke muss eine ausgewogene Kundenstruktur haben, regelmäßig Rezepturen herstellen und an den Ringversuchen des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) zur Qualitätskontrolle der Rezeptur (mindestens einmal jährlich) sowie am Pseudo-Customer-Konzept (Test der Beratungsqualität durch Scheinkunden) teilnehmen.

Dazu Kammerpräsident Dr. Günther Hanke: "Die Qualitätskriterien sind bewusst streng gehalten. Wir wollen, dass Akademische Ausbildungsapotheken etwas Besonderes sind." Weitere Informationen stehen auf der Homepage der LAK.


Internet


www.lak-bw.de > Ausbildung


Auch andere Apothekerkammern interessieren sich für die Akademischen Ausbildungsapotheken. Patrick Schäfer, Leiter der Aus-, Fort- und Weiterbildung in der LAK Baden-Württemberg, berichtet: "Wir haben einigen interessierten Kammern bereits Unterlagen zukommen lassen und freuen uns natürlich, dass das Projekt so gut ankommt." Auch der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) hat das Projekt gelobt.


"Durch unser Konzept der Akademischen Ausbildungsapotheke werden Apotheker, denen eine hochwertige Ausbildung des Berufsnachwuchses besonders am Herzen liegt, zusammengeführt mit Pharmazeuten im Praktikum, die ein besonders anspruchsvolles Praktikum absolvieren wollen."


Dr. Günther Hanke, Präsident der LAK Baden-Württemberg

Interview

Wir haben uns mit Kostas Pitsioras unterhalten, der sein Praktisches Jahr in einer Akademischen Ausbildungsapotheke absolviert.


? Herr Pitsioras, Sie sind seit November 2011 Pharmazeut im Praktikum in einer Akademischen Ausbildungsapotheke. Haben Sie sich diese Apotheke gezielt gesucht, oder war das eher Zufall?

Pitsioras: Das war eine bewusste Entscheidung. Ich habe an der Universität von den Akademischen Ausbildungsapotheken erfahren. Auf der Homepage der Kammer habe ich mich dann über die Ausbildungsapotheken in meiner Umgebung informiert und bin dann schnell fündig geworden. Ich wollte sichergehen, dass ich eine gute Ausbildung bekomme und dass man sich auch die dafür erforderliche Zeit für mich nimmt. Beides habe ich hier gefunden.


? Wurden Ihre Erwartungen auch sonst erfüllt?

Pitsioras: Ja. Mein Praktikum orientiert sich an einem Ausbildungsplan, der mich nach und nach an alle Bereiche der öffentlichen Apotheke führt. Ich lerne schrittweise ständig Neues dazu und kann mich dann mit verschiedenen Themen auseinandersetzen. Außerdem arbeite ich mit sieben Frauen zusammen, das ist schon herrlich (lacht).


? Was finden Sie im Praktikum besonders wichtig?

Pitsioras: Mir ist wichtig, dass ich in der Apotheke einen Ansprechpartner habe, der dauerhaft für mich zuständig ist, sich die Zeit für mich nimmt und ab und zu auch die nötige Geduld aufbringt. Das ist in Akademischen Ausbildungsapotheken ganz klar geregelt. Bei mir sind das gleich drei Apotheker, das ist schon Luxus. Zudem gibt mir meine Ausbilderin erfreulicherweise die Möglichkeit, mich während meines Praktikums fortzubilden.


? Welche Erfahrungen machen Ihre ehemaligen Kommilitonen im Pharmaziepraktikum?

Pitsioras: Diejenigen, die für ein halbes Jahr in einer Klinik oder in der Industrie sind, scheinen viele sehr positive Erfahrungen zu machen. Die Berichte aus den öffentlichen Apotheken sind nicht immer nur positiv, da läuft es oftmals nicht nach Plan.


? Womit hatten Sie zu Beginn Ihres Praktikums am meisten zu kämpfen, und was hat Sie überrascht?

Pitsioras: Es ist natürlich ein großer Sprung von der Uni an den HV-Tisch. Plötzlich muss man Präparatenamen lernen, denn Wirkstoffnamen interessieren nicht. Auch mit der Bürokratie und den Rabattverträgen tat ich mich zu Beginn schwer, was aber normal ist, denke ich. Manchmal muss man eben auch auf die Bitte nach einem Kilogramm Silber oder nach "etwas zum Knochenbleichen" eine passende Antwort haben und auch manchem Kunden erklären, dass er nicht einfach die Tabletten seiner Frau statt der eigenen einnehmen darf …. Überrascht war ich, wie abwechslungsreich der Alltag sein kann und dass die Kunden einem sehr viel Vertrauen entgegenbringen.


? Was ist Ihrer Meinung nach verbesserungswürdig am Konzept der Akademischen Ausbildungsapotheke?

Pitsioras: Die Begrenzung auf Baden-Württemberg ist ein Problem. Denn viele nutzen das Praktikum als Chance, um mal aus Baden-Württemberg rauszukommen. Außerdem ist dieses Konzept noch nicht bekannt genug, denke ich. Hieran sollte man noch arbeiten.


? Würden Sie jüngeren Pharmaziestudierenden empfehlen, für ihr Praktikum eine Akademische Ausbildungsapotheke zu wählen?

Pitsioras: Klare Antwort: Ja.


! Herr Pitsioras, vielen Dank für das Gespräch.



DAZ 2012, Nr. 25, S. 81

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