Ernährung aktuell

Klein- und Schulkinder optimal ernähren

Nach dem ersten Lebensjahr haben sowohl die Verdauungs- als auch die Stoffwechselfunktionen ein gewisses Maß an Reife erreicht, so dass Kinder nun größere Nahrungsmengen und verschiedenartige Speisen vertragen. Zur vollen Ausreifung kommt es aber erst mit Vollendung des Schulkindalters. Im Kleinkindalter muss daher darauf geachtet werden, dass schwer verdauliche, sehr fettreiche, scharf gewürzte und gesalzene sowie sehr ballaststoffreiche Speisen noch nicht geeignet sind. Und auch im Schulalter gilt es, verschiedene Ernährungsaspekte zu beachten.
Das schmeckt Nudeln dürfen gerne regelmäßig auf dem Speiseplan von Kindern stehen. Am besten mit einer Gemüsesoße, denn Fleisch sollte nicht täglich auf den Tisch.
Foto: BLE/Dominic Menzler

Nach dem ersten Lebensjahr steigt die körperliche Aktivität erheblich, so dass sich auch der Leistungsumsatz erhöht. Parallel dazu sinkt aber der Nährstoffbedarf für das Wachstum, da das Kind mit einer geringeren Geschwindigkeit als in den ersten zwölf Lebensmonaten wächst: Im Alter von zwei bis drei Jahren hat sich bei einem normal entwickelten Kind das Geburtsgewicht gerade einmal vervierfacht. Erst in der Pubertät erhöht sich die Wachstumsrate wieder wesentlich [1]. Der Bedarf an einzelnen Nährstoffen und an Energie gemäß den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr ist in Tabelle 1 dargestellt. Allerdings ist er nicht nur vom Alter und vom Geschlecht, sondern auch vom Ausmaß der körperlichen Aktivität abhängig. Darüber hinaus schwankt er in Abhängigkeit des Gesundheitszustand eines Kindes [1].

OptimiX gibt lebensmittelbezogene Empfehlungen

Um eine in der Praxis leicht umzusetzende Richtschnur für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen zu erhalten, hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) die D-A-CH-Referenzwerte in lebensmittelbezogene Empfehlungen übertragen und das Konzept der optimierten Mischkost (OptimiX) entwickelt (s. Grafik sowie die Tabellen 2 bis 4). OptimiX entstand Anfang der 1990er Jahre. Seitdem wurde es immer wieder an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Kinderernährung angepasst [3]. Auch Ergebnisse aus Ernährungserhebungen, vorwiegend aus der Dortmund Nutritional and Anthropometrical Longitudinally Designed Study (DONALD-Studie), fließen in die OptimiX-Empfehlungen ein [4].

Das Konzept orientiert sich an den von der Weltgesundheits- (WHO) und Welternährungsorganisation (FAO) entwickelten internationalen Anforderungen für lebensmittelbasierte Ernährungsrichtlinien, so dass länderspezifische Ernährungsmuster und -probleme berücksichtigt werden, die Empfehlungen für den Konsumenten verständlich sind und sich die Inhalte mittels Slogans o. ä. verbreiten lassen. Daher war es bei der Entwicklung von OptimiX zielgebend, dass das Konzept sowohl verständlich und umsetzbar gestaltet ist als auch Ernährungsvorlieben der Kinder berücksichtigt werden [5]. Dazu gehört auch die in Deutschland übliche Mahlzeitenstruktur bestehend aus einer warmen und zwei kalten Hauptmahlzeiten sowie zwei Zwischenmahlzeiten. Weiterhin sollten möglichst wenig Fertigprodukte verwendet werden sowie eine mäßige Fettreduktion erfolgen. Süßigkeiten werden in geringen Mengen geduldet. Auch die Verfügbarkeit und Kosten der Lebensmittel werden berücksichtigt [6].

OptimiX schließt nahtlos an den Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr an (s. DAZ Nr. 49/2008, S. 87ff). Das Ernährungskonzept eignet sich sowohl für eine gesunde Ernährung in der Familie als auch in der Gemeinschaftsverpflegung in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen. Auch bietet OptimiX eine Grundlage für die Ernährung von Sondergruppen wie Behinderten, Diabetikern oder Kindern und Jugendlichen mit Fettstoffwechselstörungen. Neben der Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs ist bei OptimiX die Prävention von ernährungsbedingten Krankheiten von großer Bedeutung.

Nährstoffdichte Lebensmittel bevorzugt

Die vom FKE empfohlenen Lebensmittelgruppen weisen eine hohe Nährstoffdichte auf, d. h. sie enthalten viele Nährstoffe im Verhältnis zu ihrem Energiegehalt, so dass sie zwar alle notwendigen Nährstoffe, aber nur 80% der empfohlenen Tagesenergiezufuhr liefern. Dagegen haben die geduldeten Lebensmittel wie Süßigkeiten und Zucker eine niedrige Nährstoffdichte – sie können den restlichen Energiebedarf decken, ohne dass dadurch die Nährstoffzufuhr beeinträchtigt wird. Schließlich wird OptimiX mit seiner Lebensmittelauswahl den derzeitigen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr gerecht – somit sind angereicherte Lebensmittel oder Nährstoffsupplemente überflüssig [6].

Reichlich, mäßig, sparsam

Komplexe Kohlenhydrate, die in erster Linie aus Getreide, Kartoffeln und Obst stammen, sollen rund 54% der Nahrungsenergie liefern. Weitere 32% sollen aus Fett aus überwiegend pflanzlicher Herkunft stammen. Etwa 14% der Nahrungsenergie sollte in Form von Proteinen aufgenommen werden: jeweils zur Hälfte aus tierischen Lebensmitteln wie Milch, Fleisch, Fisch und Eiern sowie pflanzlichen Produkten wie Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchte. Die Empfehlungen müssen nicht jeden Tag exakt umgesetzt werden. Es ist vollkommen ausreichend, wenn man die Lebensmittelverzehrsmengen im Durchschnitt einer Woche erreicht.

In der Praxis kann man sich an drei einfachen Regeln (Tab. 2) orientieren. Zu beachten ist, dass die Empfehlungen für den Lebensmittelverzehr Mittelwerte für die einzelnen Altersstufen darstellen, so dass sie für Einzelpersonen nicht verbindlich sind, sondern vielmehr als Richtwerte dienen. Ruhige oder für ihr Alter kleine und zarte Kinder benötigen weniger Energie und damit auch weniger Lebensmittel als gleichaltrige lebhafte, sportliche und für ihr Alter große Kinder. Auch benötigen Jungen meist mehr Energie als Mädchen.

Tab. 2: Einteilung einzelner Lebensmittel nach den drei OptimiX-Regeln
Reichlich
Getränke (kalorienfrei oder -arm) und pflanzliche Lebensmittel (Gemüse, Obst, Getreideerzeugnisse, Kartoffeln)
Mäßig
Tierische Lebensmittel (Milch, Milchprodukte, Fleisch, Wurst, Eier, Fisch)
Sparsam
Fett- und zuckerreiche Lebensmittel (Speisefette, Süßwaren, Knabbereien)
Quelle: [3]

Tab. 3: Altersgemäße Lebensmittelverzehrsmengen in der optimierten Mischkost
Empfohlene Lebensmittel
(≥ 80% der Energiezufuhr)
1 Jahr
2 bis
3 Jahre
4 bis
6 Jahre
7 bis
9 Jahre
10 bis
12 Jahre
Reichlich
Getränke (ml/d)
600
700
800
900
1000
Brot, Getreide (-Flocken) (g/d)
80
120
170
200
250
Kartoffeln, Nudeln, Reis, Getreide (g/d)
80
100
120
140
180
Gemüse (g/d)
100
120
180
200
230
Obst (g/d)
100
120
180
200
230
Mäßig
Milch, Milchprodukte* (ml (g)/d)
300
330
350
400
420
Fleisch, Wurst (g/d)
30
35
45
55
65
Eier (Stück/Woche)
1 bis 2
1 bis 2
2
2
2 bis 3
Fisch (g/Woche)
50
70
100
150
180
Sparsam
Margarine, Öl, Butter (g/d)
15
20
25
30
35
Geduldete Lebensmittel
(≤ 20% der Energiezufuhr)
z.B.
Kuchen, Süßigkeiten (g/d)
< 50
< 50
< 50
< 50
< 80
Marmelade, Zucker (g/d)
< 10
< 10
< 10
< 10
< 20
* 100 ml Milch entsprechen im Calciumgehalt etwa 15 g Schnittkäse oder 30 g Weichkäse
Quelle: [6]

Der Teller muss nicht leer werden

Beachtet werden sollte auch, dass Kinder von Beginn an selbst darüber entscheiden sollten, wie viel sie essen, und keinesfalls gezwungen werden, ihren Teller leer zu essen. So kann man der Entwicklung einer Überernährung vorbeugen. Schwankungen im Nahrungsverzehr sind vollkommen normal: Isst ein Kind gelegentlich schlecht, ist dies kein Grund zur Sorge oder zur Gabe von appetitanregenden Säften oder Vitamintabletten. Analog dazu muss nicht sofort mit der Entwicklung von Übergewicht gerechnet werden, wenn gelegentlich etwas mehr gegessen wird, als es dem Bedarf entspricht [6]. Eltern sollten vor allem darauf achten, dass ihr Kind zufrieden und aktiv ist, keine Krankheitssymptome aufweist, normalen Stuhlgang hat, und dass Größe und Gewicht langfristig parallel zu den entsprechenden Perzentilen laufen [7]. Innerhalb der einzelnen Lebensmittelgruppen sind nur wenige Empfehlungen notwendig, die sich vor allem aus der Lebensmittelauswahl der Kinder und Jugendlichen in der DONALD-Studie herleiten (Tab. 4) [8].

Tab. 4: Lebensmittelauswahl innerhalb der Lebensmittelgruppen nach OptimiX
Lebensmittel
Empfehlung
Getränke
Möglichst energiefrei (Leitungswasser, Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee) oder energiearm (Saftschorlen aus 2 Teilen Wasser und 1 Teil Saft)
Brot/Getreideflocken
Mindestens zur Hälfte als Vollkornprodukt
Kartoffeln
Frisch gekocht, nur 1 bis 2-mal/Woche fettreiche Zubereitungen wie Bratkartoffeln oder Pommes
Reis/Nudeln
Möglichst als Vollkornprodukt
Gemüse/Obst
Möglichst frisch oder tiefgekühlt, Obst immer roh, Gemüse möglichst häufig (Kinder präferieren rohes Gemüse)
Milch/Milchprodukte
Fettarme Produkte (teilentrahmte Milch [1,5% Fett] und Frischmilchprodukte, Käse ≤ 45% F.i.Tr.),
wenig gezuckerte Produkte
Fleisch/Wurst
Fettarme Sorten
Fisch
Seefisch als Jodquelle
Speisefette
Bevorzugt Rapsöl
Süßigkeiten
Nur ab und zu, fettarme Produkte bevorzugen
Speisesalz
Sparsam, fluoridiertes Jodsalz
Quelle: [8]

Studienergebnisse: Ist und Soll weichen leider ab

Der tatsächliche Lebensmittelverzehr von Kindern in Deutschland wurde bislang nur in sehr wenigen repräsentativen ernährungsepidemiologischen Studien erhoben [9]. An dieser Stelle sollen Ergebnisse der DONALD-Studie als Beispiel für eine regionale Untersuchung sowie die deutschlandweiten Untersuchungen des ersten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) und des Ernährungsmoduls der KiGGS-Studie (EsKiMo) kurz vorgestellt werden.

DONALD

In der DONALD-Studie – eine Längsschnittstudie aus dem Dortmunder Raum – werden seit 1985 regelmäßig Untersuchungen zum Lebensmittelverzehr von Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Im Erhebungszeitraum 1998 bis 2002 wurde ermittelt, dass Kinder insgesamt zu wenig trinken. Der Anteil der gesüßten Getränke steigt zudem mit zunehmendem Alter an. Auch Brot und Getreideflocken liegen in allen Altersgruppen weit unter den Empfehlungen. Zudem wird nur ein geringer Teil Brot mit Vollkornmehl verzehrt. Weiterhin werden Kartoffeln, Nudeln und Reis weniger als empfohlen verzehrt, wobei Kartoffeln den Speiseplan dominieren, gefolgt von Nudeln und Reis. Für Gemüse liegt der Verzehr um mehr als die Hälfte unterhalb der Empfehlungen. Dagegen wird ausreichend Obst verzehrt, allerdings nur, wenn man die Aufnahme von Obstsaft berücksichtigt. Milch und Milchprodukte essen Kinder weitgehend in den empfohlenen Mengen. Der Konsum von Fleisch und Wurstwaren liegt wiederum über den Empfehlungen. Doch nur 50% der empfohlenen Menge Fisch, der nach OptimiX einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen sollte, wird verzehrt. Schließlich ergaben die Untersuchungen von DONALD, dass die Aufnahme von Speisefetten deutlich überhalb von OptimiX liegt. Geduldete Lebensmittel, also Süßigkeiten, Brotaufstriche und Gebäck, werden von allen Altersgruppen deutlich mehr konsumiert als empfohlen wird. Aus den Ergebnissen der DONALD-Studie lassen sich längerfristige Trends ableiten. Speisefette und Fleisch werden weniger verzehrt als früher. Der Anteil an fettarmer Milch zeigt einen steigenden Trend. Bei anderen Lebensmittelgruppen, u.a. auch Fastfood lässt sich kein längerfristiger Trend ableiten [4].

KiGGS

Der erste Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) ist in den Jahren 2003 bis 2006 vom Robert Koch-Institut durchgeführt worden. Er ermöglicht erstmalig seit langer Zeit, für Kinder und Jugendliche ab dem ersten Lebensjahr ein repräsentatives Bild der Verzehrshäufigkeiten der wichtigsten Lebensmittel in Deutschland darzustellen. Detailiertere und quantitativere Aussagen sind mit der Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (EsKiMo) möglich.

Die Ergebnisse der KiGGS-Studie können die Resultate von DONALD weitestgehend bestätigen. Die Studie zeigt allerdings, anders als die regionalen Ergebnisse, dass relativ selten Fastfood und Fleisch konsumiert werden. Ebenso positiv kann der regelmäßige Milchkonsum bewertet werden. Als ungünstig erweist sich jedoch, dass viele Probanden zu oft Wurst, Schokolade und Süßigkeiten verzehren, während der Fisch-, Gemüse- und Obstkonsum noch gesteigert werden sollten. Bei der Untersuchung konnte auch gezeigt werden, dass Jungen und Mädchen teilweise verschiedene Verzehrsmuster vorweisen: So konsumieren Jungen häufiger als Mädchen täglich Erfrischungsgetränke, Milch, Milchprodukte, Fleisch, Cerealien und Weißbrot. Mädchen essen dagegen häufiger täglich frisches Obst und Rohkost [2].

EsKiMo

In der KiGGS-Unterstichprobe von EsKiMo wurden Kinder und Jugendliche deutschlandweit im Alter von sechs bis 17 Jahren vertiefend zu ihrem Ernährungsverhalten befragt. Die Gruppe der 6- bis 11-Jährigen führte gemeinsam mit ihren Eltern für drei Tage ein Ernährungsprotokoll mit detaillierten Angaben zu Lebensmittelbezeichnung (inklusive Markennamen wegen möglicher Nährstoffanreicherungen), Menge, Ort und Zeitpunkt des Verzehrs, Zubereitungsart sowie bei eigenen Gerichten der Rezeptzutaten. Mit den 12- bis 17-Jährigen, auf die in dieser Folge nicht näher eingegangen werden soll, wurde ein standardisiertes Ernährungsinterview durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder, gemessen an den Empfehlungen von OptimiX zu wenig pflanzliche Lebensmittel – vor allem Gemüse, Obst, Brot, Kartoffeln und andere kohlenhydratreiche Beilagen verzehren. Dagegen steigt mit zunehmendem Alter der Anteil der fettreichen tierischen Lebensmitteln. Im Hinblick auf die Flüssigkeitsaufnahme können im Mittel Kinder in den meisten Altersgruppen die Empfehlungen erreichen, doch individuell betrachtet trinkt etwa die Hälfte der Kinder zu wenig. Milch und Milchprodukte werden von vielen Kindern ausreichend verzehrt, doch jedes fünfte Kind verzehrt weniger als die Hälfte der empfohlenen Menge. Vor allem die Gruppe der 6- bis 11-jährigen Mädchen sollte ihren Konsum steigern, da von ihnen nur 37% die Empfehlung erreichen. Dem gegenüber steht der Verzehr von Fleisch, Fleischwaren und Wurst, den die meisten Kinder, besonders Jungen, deutlich überschreiten, wohingegen zu wenig Fisch verzehrt wird. In Hinblick auf den Obst- und Gemüsekonsum zeigt sich, dass nur sehr wenige Kinder die Empfehlungen umsetzen können. Energiedichte und proteinreiche Lebensmittel werden zu viel gegessen, während der Anteil der ballaststoffreichen Lebensmittel zu gering ist: Anstelle von Vollkornprodukten werden zu viele Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an isolierten Zuckern und Weißmehl konsumiert. Zu den Hauptenergiequellen zählen Brot und Milchprodukte sowie Süßigkeiten. Kohlenhydrate werden insbesondere über Brot, Süßwaren und Säfte zugeführt. Für Fette sind die wichtigsten Quellen in dieser Altersgruppe Wurst- und Süßwaren sowie Milchprodukte. Insgesamt ernähren sich Mädchen tendenziell gesünder als Jungen.

Auf Nährstoffebene wird deutlich, dass der Anteil von Kohlenhydraten und Fetten an der Energiezufuhr im Durchschnitt den Referenzwerten entspricht und Proteine weit oberhalb der Referenzwerte liegen. Allerdings nehmen ca. 10% der Kinder mehr als 40% der Energie in Form von Fett auf. Zudem ist der Anteil von Mono- und Disacchariden zu hoch und durch den hohen Konsum von Fleisch und Wurstwaren werden zu viele tierische Fett mit einem hohen Gehalt an unerwünschten gesättigten Fettsäuren verzehrt. Mit den meisten Mikronährstoffen werden Kinder in allen Altersgruppen weitestgehend ausreichend versorgt. Zu den Ausnahmen zählen bei den 6- bis 11-Jährigen die Vitamine A, D, E und Folat sowie Calcium. Mädchen erreichen zudem im Mittel nicht die Empfehlungen für die Eisenaufnahme [10; 11].

Häufig gestellte Fragen zur Ernährung im Kindesalter

Wie sind alternative Süßungsmittel und Süßstoffe zu bewerten?

Obwohl Honig, Rohzucker, Fruchtdicksaft und Sirup höhere Vitamin- und Mineralstoffgehalte aufweisen als Zucker, bieten sie keine ernährungsphysiologischen Vorteile: Angesichts des hohen Energiegehalts sind die Nährstoffmengen eher unbedeutend. Weiterhin haben diese Süßungsmittel aufgrund ihrer Klebrigkeit eine höhere Kariogenität als Zucker. Auch das Allergierisiko ist höher. Süßstoffe haben den Vorteil, dass sie weder kariogen sind noch Energie enthalten. Oft wird heute in Getränken, Dessertspeisen und Süßwaren Zucker durch Süßstoff ersetzt. In der Kinderernährung sind bei üblichen Verzehrsgewohnheiten keine gesundheitlichen Nachteile durch Süßstoffe zu erwarten. Allerdings fördern Süßstoffe genauso wie Zucker die Gewöhnung an den süßen Geschmack [6].

Wie sind Kinderlebensmittel zu bewerten?

Kinderlebensmittel werden in der Werbung als Produkte, die speziell für Kinder geeignet sind, dargestellt. Oft fallen diese Lebensmittel durch eine kindgerechte Aufmachung, Portionierung oder Formung auf. Meist tragen sie Begriffe wie "Kinder" oder "Kids" und enthalten nicht selten Spielzeug als zusätzlichen Kaufanreiz. Es konnte aber gezeigt werden, dass keine ernährungsmedizinische Notwendigkeit für spezielle Kinderlebensmittel besteht. Die derzeit angebotenen Produkte bieten in der Zusammensetzung der Zutaten Nährstoffe keinen Vorteil und sind zudem meist teurer als vergleichbare herkömmliche Produkte [6].

Dürfen Kinder Fastfood essen?

Das Angebot an Fastfood reicht von Currywurst und Döner Kebap im Schnellimbiss bis zum Hamburger in einem der großen Fastfood-Restaurants. Fastfood gilt gemeinhin als ungesund, da viele klassische Gerichte eine hohe Energie- aber geringe Nährstoffdichte aufweisen. Ernährt sich das Kind insgesamt ausgewogen, ist Fastfood ein- bis zweimal pro Woche jedoch vertretbar, was in etwa den derzeitigen Verzehrsgewohnheiten vieler Kinder entspricht. Durch eine überlegte Speisenauswahl (z. B. Hamburger und Salat) sowie durch Ergänzung der Fastfood-Mahlzeit mit fettarmen weiteren Mahlzeiten an einem Tag kann die hohe Energiedichte ein wenig ausgeglichen werden. Strenge Verbote erhöhen erfahrungsgemäß die Attraktivität solcher Speisen [6; 8].

Wie sind Convenienceprodukte zu bewerten?

Convenienceprodukte, sog. "Bequemlichkeitsessen" sollten nicht grundsätzlich negativ bewertet werden. Es handelt sich dabei um vorgefertigte Produkte wie Müslimischungen, Tiefkühlkost, Instanterzeugnisse oder Teigmischungen. Tiefkühlkost und Getreidemischungen wie Müsli sind den frischen Lebensmitteln in ihrer Qualität weitestgehend gleichwertig. Bei Fertigprodukten ist die Zusammensetzung entscheidend, die man der Zutatenliste entnehmen kann. Oftmals können diese Lebensmittel noch ernährungsphysiologisch aufgewertet werden, indem man z. B. eine Pizza zusätzlich mit Gemüse belegt. Dies ist auch bei Instantprodukten möglich, jedoch sind die Nährstoffverluste gegenüber dem frisch zubereiteten Produkt hier grundsätzlich höher. Convenienceprodukte können je nach Auswahl und Kombination also durchaus Teil des Speiseplans von Kindern sein. Dies ist vor allem für berufstätige Eltern interessant, da diese Lebensmittel den Aufwand für die Speisenzubereitung verringern helfen [6; 8].

Schließlich sollte unbedingt beachtet werden, dass jedes Kind auch in Hinblick auf die Ernährung ein Individuum ist. Es ist nicht dauerhaft möglich, eine gesunde Ernährung mit Zwang durchzusetzen. Vielmehr sollte der Spaß am Essen immer im Vordergrund stehen [6].


Quelle

[1] Elmadfa, I, Leitzmann, C (2004): Ernährung des Menschen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 4., korrigierte und aktualisierte Auflage.

[2] Mensink, G; Kleiser, C; Richter, A. (2007): Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt, Band 50, Heft 5/6, S. 609.

[3] Forschungsinstitut für Kinderernährung: www.fke-do.de

[4] Kersting, M; Alexy, U; Kroke, A; Lentze, M. (2004): Kinderernährung in Deutschland – Ergebnisse der DONALD-Studie. Bundesgesundheitsblatt Band 47, 213 – 218.

[5] Kersting, M; Alexy, U; Clausen, K. (2005): Using the Concept of Food Based Dietary Guidelines to develop an optimized Mixed Diet (OMD) for German Children and Adolescents. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 40:301 – 308.

[6] Alexy, U. & Kersting, M. (1999): Was Kinder essen – und was sie essen sollten. Hans Marseille Verlag GmbH München.

[7] Alexy, U; Kersting, M (2006): Schwankungen im Nahrungsverzehr – Studie zu Säuglingen, Klein- und Vorschulkindern.

[8] Kersting, M; Alexy, U.; Rothmann, N. (2003): Fakten zur Kinderernährung. Hans Marseille Verlag GmbH München.

[9] Kersting, M; Clausen, C.(2007): Wie teuer ist eine gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche? Die Lebensmittelkosten der Optimierten Mischkost als Referenz für sozialpolitische Regelleistungen. Ernährungsumschau 54. Ausgabe, Nr. 9.

[10] Robert Koch-Institut (2007): Was essen unsere Kinder? Erste Ergebnisse aus EsKiMo. www.rki.de Stand 2009.

[11] Mensink, G; Heseker, H; Richter, A; Stahl, A; Vohmann, C (2007): Forschungsbericht – Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (EsKiMo). www.bmelv.bund.de Stand 2009.


Verfasserin

Katja Aue
katjanaaue@gmx.de

Infos im Web

Ernährungskonzept, das viel berücksichtigt OptimiX basiert auf mehreren Säulen. Es soll nicht nur gesund, sondern auch praxisnah sein.
Kindgerecht? Kinderlebensmittel haben zwar eine kindgerechte Aufmachung, entsprechen inhaltlich aber oft nicht den Ernährungsanforderungen.
Foto: Foodwatch

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