Medizin

Was steckt eigentlich hinter … Nagelveränderungen?

Ein Fingernagel wächst wöchentlich etwa einen Millimeter, ein Zehennagel maximal einen halben. Ein Schaden an der Nagelwurzel zeigt sich so erst sechs Wochen später auf der Nagelplatte. Bis die Stelle herausgewachsen ist, vergehen ein bis mehrere Jahre. Wenn sich Nägel auffällig verändern, muss an ernsthafte Erkrankungen gedacht werden.

Ein gesunder Nagel ist elastisch und hat eine glatte, leicht glänzende Oberfläche. Das gut durchblutete Nagelbett schimmert durch den Nagel, so dass dieser rosa erscheint. Der Nagelhalbmond (Lunula) ist weiß, weil die Nagelplatte dort undurchsichtig ist.

Mechanische Einflüsse

Kleine Verletzungen der Nagelwurzel, z. B. bei der Maniküre, zeigen sich durch eine Querrille oder eine punktförmige Weißfärbung im Nagel. Wird ein Finger im Türfalz eingequetscht, bildet sich meist ein Hämatom unter der Nagelplatte. Auch wenn sich der Nagel nicht komplett ablöst, zeigt der nachwachsende Nagel oft grobe Riefen. Zu lange Zehennägel oder enge Schuhe drücken permanent auf den Nagel. Der verformt sich dadurch, im Extremfall bis zum Krallennagel. Sind die Nägel falsch geschnitten oder wiederum die Schuhe zu eng, kann der Nagel einwachsen (Unguis incarnatus). Ist der Nagelrand stark entzündet, verkleinert der Arzt das Nagelbett, indem er einen keilförmigen Teil des Nagels mitsamt Nagelwurzel entfernt. Leichtere Fälle kann ein medizinischer Fußpfleger übernehmen. Für die Selbsthilfe empfehlen sich ein Fußbad mit Kamille, das Tragen bequemer Schuhe, die den Zehen ausreichend Platz bieten und eine gute Nagelpflege. Diabetiker sollten sich vorsorglich immer in die Obhut eines medizinischen Fußpflegers begeben.

Chemische und infektiöse Noxen

Reinigungs- und Lösungsmittel greifen die Nagelplatte an. Davon sind v. a. die Hände betroffen. Der Verlust der schützenden Hornschichtlipide macht die Nägel rau und brüchig. Wer beim Arbeiten Schutzhandschuhe trägt und die Hände und Nägel regelmäßig pflegt, beugt solchen Schäden vor.

Die Nagelmykose ist die häufigste Infektion des Nagels. In der Regel beginnt der Pilzbefall am freien Ende des Nagels und schreitet über Monate und Jahre in Richtung Nagelwurzel fort. Der Nagel verfärbt sich dabei gelblich bis bräunlich. Die Nagelplatte verdickt, der Nagel wird brüchig und löst sich eventuell ab. Bei mäßigem Befall wird das mehrmonatige Auftragen eines antimykotischen Nagellacks mit Amorolfin oder Ciclopirox versucht. Stark verdickte Nägel reagieren besser auf die Behandlung, wenn sie vorher durch harnstoffhaltige Salben aufgeweicht und das erkrankte Nagelmaterial abgetragen wurde. Hilft der Lack nicht, was leider sehr oft der Fall ist, ist die systemische Antimykose indiziert, z. B. mit Itraconazol oder Terbinafin. Der Erfolg ist auch hier nicht garantiert, außerdem kann die systemische Einnahme von Antimykotika die Leber schädigen.

Bakterielle eitrige Finger- und Zehenentzündungen (Paronychie, Panaritium) um den Nagel herum sind sehr schmerzhaft und können unbehandelt auf tiefer liegende Sehnen und Knochen übergehen. Der Arzt stellt die Hand oder den Fuß ruhig und entleert die Eiteransammlung chirurgisch. Zusätzlich erhält der Patient ein orales oder intravenöses Antibiotikum.

Innere Einflüsse

Auch viele Hauterkrankungen zeigen sich an den Nägeln: Die Hälfte aller Psoriasis-Patienten hat Ölfleck- oder Tüpfelnägel. Zusätzlich kann die Lichttherapie mit Psoralen und UVA-Licht (PUVA) die Nägel verfärben und bewirken, dass sich die Nagelplatte ablöst. Tüpfelnägel haben auch 20% der Patienten mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata), dazu kommen manchmal weiße Einschlüsse in den Nägeln. Neurodermitiker haben häufig Querrillen an einzelnen Nägeln.

 

Internistische Erkrankungen hinterlassen oft charakteristische Spuren im Nagel: Hinter kolbenförmig aufgetriebenen Fingerenden (Trommelschlegelfingern) und vergrößerten, verstärkt konvex gekrümmten Nägeln (Uhrglasnägeln), steckt meistens eine schwere Herz-, Lungen-, Leber- oder Darmerkrankung.

 

Milchglasnägel und ein fehlender Nagelmond sind Hinweis auf eine Leberzirrhose.

 

 

Medikamente

können ebenfalls den Nagel verändern. So tritt unter Doxycyclin gelegentlich bei Sonnenbestrahlung eine phototoxische Reaktion auf. Dann verfärben sich die Nägel oder lösen sich ab. Zytostatika dagegen schädigen die Hornzellen in der Nagelwurzel, was je nach Wirkstoff zu einer Querrille in den Nägeln oder gar zum Nagelverlust führt.

 

 

Patienten vermuten meistens Mangelerscheinungen hinter Veränderungen ihrer Nägel. In der Praxis sind die Fälle allerdings selten eindeutig: Zinkmangel begünstigt chronische Nagelfalzentzündungen und führt zu Querrillen auf dem Nagel. Allgemeiner Vitaminmangel soll raue, graue und brüchige Nägel verursachen. Nach Ausschluss anderer Ursachen kann der Betroffene versuchen, ob die Einnahme von Zink oder Vitaminen eine Besserung bringt. Ansonsten sind schwere Vitaminmangelsyndrome selten geworden. Eher hinterlassen schwere Infektionskrankheiten ihre Spuren in den Nägeln, zum Beispiel in Form weißer Querstreifen. Eine einfache Ursache für gelbe Nägel kann ein stark färbender Nagellack sein. Die unschöne Verfärbung ziert allerdings auch die Nägel von starken Rauchern.

 

Quellen

 Fauci AS et al.: Harrisons Innere Medizin, ABW, Berlin, 17. Auflage 2009

 Schäffler A (Hrsg.): Gesundheit heute, Knaur, München. 2. Aufl.

 Sturm A, Zidek W (Hrsg.): Checkliste XXL Differenzialdiagnose Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2003.

 

 

Autoren

Schäffler & Kollegen, Augsburg

 

Beschwerdebild
Was steckt dahinter?
Nagelplatte:

Verdickung oder Verdünnung
mit Verlust des Glanzes (evtl.
bröckeliger Zerfall: Krümelnagel)

Abhebung vom Nagelbett

teilweises bis vollständiges
Fehlen oder Verlust von Nägeln
Folge von Verletzung oder Nagelmykose

Psoriasis vulgaris, Lichen ruber, Ekzeme

Warze oder Tumor unter dem Nagel

Allgemeinerkrankungen, z. B. der Schilddrüse, Durchblutungsstörungen

Angeborene Störung

Medikamente, z. B. Psoralen
Nagelgrübchen oder wellige Oberfläche an einem oder mehreren Nägeln
Tüpfelnägel bei Psoriasis vulgaris

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Röschenflechte (Pityriasis rosea)

Knötchenflechte (Lichen ruber)
Stark verdickte, dunkel verfärbte, klauenartig wachsende Zehennägel (Krallennagel)
Idiopathisch

Zu enges Schuhwerk oder Spreizfuß

Mangelhafte Nagelpflege
Querrillen an allen Nägeln
Hormonschwankungen

Allgemeinerkrankung, z. B. Hepatitis,
Lupus erythematodes, Infektionen

Zinkmangel

Nebenwirkung von Zytostatika
Querrillen an einzelnen Nägeln
Verletzung, z. B. durch Maniküre

Neurodermitis

Chronische Nagelfalzentzündung
Rauigkeit, graue Verfärbung und Brüchigkeit der Nägel
Entfettende Maßnahmen

Vitaminmangel, Eisenmangel

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Alopecia areata

Erbliche Störung der Nagelbildung
Horizontale Spaltung oder Splitterung des Nagels
Mechanische Belastungen

Entfettende Maßnahmen
Kolbenförmig aufgetriebene Fingerendglieder mit vergrößerten, stärker konvex gekrümmten Nägeln

(Trommelschlegelfinger mit Uhrglasnägeln)
Schwere Herz- oder Lungenerkrankung,
z. B. Herzinsuffizienz, chronische Ateminsuffizienz, Lungenemphysem, -krebs

Lebertumoren

Darmerkrankungen, z. B. Morbus Crohn,
Colitis ulcerosa, Zöliakie
Konkave Eindellung der Nagelplatte (Löffel- oder Hohlnägel, Koilonychie)
Vitaminmangel, chron. Eisenmangel

Raynaud-Syndrom (anfallsweise auftretende Minderdurchblutung der Finger, seltener der Zehen)
Umschriebene bräunliche Verfärbung eines oder mehrerer Nägel
Hämatom unter der Nagelplatte

Ölfleck-Nägel bei Psoriasis

Malignes Melanom unter dem Nagel

Primäre (chron.) Insuffizienz der Nebennierenrinde (Morbus Addison)

Medikamente, z. B. Doxycyclin, Psoralen
Punktförmige Weißverfärbung
Mechanische Belastung oder Verletzung
Weiße Querstreifen
Eiweißmangel, nach schweren Infektionen
Weiße Längsstreifen
Idiopathisch; genetische Verhornungsstörung
Trüb-weiße Nägel, Verlust des Nagelmonds (Milchglasnägel)
Leberzirrhose

Colitis ulcerosa
Gelbfärbung der Nägel
Rauchen, Verwendung von Nagellack

Psoriasis vulgaris

Nagelmykose

Yellow-nail-Syndrom
Abbildung: Michael Amarotico, München

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