Vorteile durch Unterbieten? "pro-DSA" will Arzneilieferverträge aushebeln

KÖLN (rk). Durch Unterbieten der Preise und Konditionen, die die Apothekerverbände in oft schwierigen Verhandlungen mit den Krankenkassen für alle Apotheken ausgehandelt haben, versucht das so genannte "pro-DSA-Partnernetzwerk öffentlicher Apotheken", gezielt Versicherte in an "pro-DSA" beteiligte Apotheken zu steuern.

Über "ergänzende Verträge" will pro-DSA offenbar erreichen, dass die Krankenkassen ihre Versicherten bevorzugt in am "Partnernetzwerk" beteiligte Apotheken schicken. Die Apothekerverbände unter dem Dach der ABDA reagieren alarmiert: Sie sehen in den Aktivitäten eine Dumpingstrategie, bei der die Mehrzahl der Apotheken, aber auch die Sicherheit und Qualität der Arzneiversorgung schnell auf der Strecke bleiben könnten. Die Verträge von pro-DSA nähmen die im jeweiligen Bundesland gültigen Arzneilieferverträge als Basis, unterböten sie aber durch weitere Vereinbarungen. So würden den Krankenkassen zusätzlich zu den Rabatten nach § 130 SGB V (2 Euro bzw. 5%) Skonti auf alle Arzneimittel zugestanden und Zusatzrabatte in Höhe von 5% auf (z. B.) Verbandsstoffe, Medizinprodukte, Hilfsmittel und Diabetesteststreifen gewährt. Die Importregelung sei ungünstiger, es dürfe nur über bestimmte, vertraglich vorgegebene Rechenzentren abgerechnet werden. Einzelne Apothekerverbände haben ihre Mitglieder bereits in Rundschreiben auf die aus ihrer Sicht äußerst Besorgnis erregende Entwicklung und ihre Hintergründe informiert. Danach steht hinter dem Netzwerk eine "MediCare-ProPflege24 GmbH & Co. KG" aus Fulda. Sie hat so genannte "Vertragsrechte" auf das Netzwerk, das unter "pro-DSA.com GmbH i.G." agiert, übertragen.

Verbindung zu Phoenix?

Das pro-DSA-Partnernetzwerk firmiere, so heißt es etwa in Rundschreiben der Apothekerverbände Rheinland-Pfalz und Westfalen-Lippe, auch unter einer Adresse in Köln, unter der man den MVDA (Marketing Verein Deutscher Apotheker), ferner die MFA (Marketing für Apotheken GmbH) sowie den Phoenix Pharmahandel, Niederlassung Köln, finde. Nach Informationen aus den Verbänden hält der Großhändler Phoenix eine Mehrheit an dem pro-DSA-Netzwerk bzw. an der hinter ihm stehenden Firma. Die Verbindungen zwischen MVDA, MFA, Phoenix und der von Phoenix initiierten Apothekenkooperation Linda seien evident.

In der Tat weist die MFA in einem Schreiben ihres Geschäftsführers Martin Lingen darauf hin, dass "die Kosten von pro-DSA.com, für MVDA-Mitglieder 188,10 Euro pro Monat, im LINDA-Marketingpaket enthalten sind". Unter MVDA-Briefkopf informiert MFA-Geschäftsführer Lingen weiter, dass unter "Apotheken in der Arzneimittelversorgung ... ab 1.3.2005" ein "Vertragswettbewerb" beginne. Er fordert die MVDA-Mitglieder auf, dem Partnernetzwerk pro-DSA beizutreten. Pro-DSA werde "als zweite relevante Vertragsebene für Verträge mit den Krankenkassen positioniert". Es gebe bereits erste Verträge mit Krankenkassen. Dabei handelt es sich um zwei Verträge mit den BKK-Landesverbänden Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen, der IKK Rheinland-Pfalz und der LKK Hessen.

Lingen empfiehlt weiter, dem vom Deutschen Apothekerverband (DAV) ausgehandelten Integrationsvertrag zwischen Barmer-Ersatzkasse, Hausärzten und Apothekern beizutreten. Als "wichtige" Information fügt er an, es sei "eine zusätzliche Wettbewerbsstruktur innerhalb dieses Vertrages durch einen separaten Wirtschaftlichkeitskreislauf für pro-DSA.com Apotheken vertraglich vereinbart" worden.

Die Apothekerverbände sehen diese Aktivitäten mit großer Sorge. Ohne Not seien in den Verträgen von pro-DSA viele Positionen ersatzlos aufgegeben worden, die von den Apothekerverbänden in vielen Verhandlungsrunden erfolgreich verteidigt worden seien. Mit Unverständnis wird registriert, dass ein führender Großhandel in das Geschehen involviert sei. Er schade damit nahezu allen Apotheken, auch eigenen Kunden.

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