Arzneimittel und Therapie

Erkältungsprävention: Nasenspülung mit physiologischer Kochsalzlösung

Ein mehrjähriges Modellprojekt der Gmünder Ersatzkasse (GEK) hat gezeigt, dass Atemwegsbeschwerden verringert werden können, wenn regelmäßig die Nase gespült wird: 9 von 14 Atemwegsbeschwerden gingen durch die Nasenspülung mit physiologischer Kochsalzlösung deutlich zurück, bei der Einnahme von Vitaminpräparaten stellte sich dagegen kaum eine Besserung ein.

Die Auswertung der Tagebuchprotokolle der Studienteilnehmer zeigte die Wirksamkeit einer täglichen Nasenspülung mittels Nasenspülkanne mit isotoner Kochsalzlösung, die aus handelsüblichem Speisesalz und lauwarmem Leitungswasser selbst hergestellt wurde.

Beschwerden wie behinderte Nasenatmung, unangenehm trockene Nasenschleimhäute, verstopfte Nase mit vermehrter Schleimbildung, häufige Erkältungen, Nasennebenhöhlenbeschwerden, Heuschnupfen, Rachenentzündungen und Bronchitis bessern sich langfristig bei denjenigen, die mindestens einmal täglich ihre Nase spülen.

Je länger die Nasenspülung angewendet wird, desto weniger abschwellende Nasentropfen werden benötigt. Die Nasenspülung mit physiologischer Kochsalzlösung kann ein einfaches und effizientes Mittel zur Erkältungsprävention sein.

Beobachtungsstudie mit Kontrollgruppenvergleich

Die GEK-Studie ist eine vereinfachte und gekürzte Fassung von zwei wissenschaftlichen Ergebnisberichten, die im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover erstellt wurden:

  • Modellvorhaben § 63 SGB V. Nasendusche mit physiologischer Kochsalzlösung zur Prävention von Erkältungskrankheiten. Endbericht – Teil 1 (September 2001).
  • Modellvorhaben nach § 63 SGB V. Nasenspülung mit physiologischer Kochsalzlösung zur Prävention von Erkältungskrankheiten und allergischen Affektionen. Endbericht – Teil 2 (Mai 2003).

Für den ersten Teil der Nasenspülstudie sah das Forschungsdesign eine prospektive Beobachtungsstudie mit Kontrollgruppenvergleich vor. Ca. 3000 Versicherte der Gmünder Ersatzkasse, die die Nasenspülung regelmäßig durchführten, wurden über einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren mit einer Kontrollgruppe in Bezug auf indikationsspezifische Arbeitunfähigkeitstage, stationäre Leistungsinanspruchnahme und Medikamentenkonsum anhand der Routinedaten der GEK miteinander verglichen.

Die befragten Nutzer beurteilten die Akzeptanz, Compliance und Effekte der Nasenspülung sehr positiv:

  • Es traten kaum Probleme mit der Handhabung und im Umgang mit der Nasenspülkanne auf.
  • Der überwiegende Teil der Befragten wendete die Nasenspülung regelmäßig an: So gaben mehr als zwei Drittel der Befragten zu beiden Erhebungszeiten an, mindestens einmal täglich die Nasendusche zu benutzen.
  • Bei nahezu allen Beschwerden, Beeinträchtigungen und Erkrankungen im Bereich der oberen Atemwege wurden von mehr als 50% der Befragten Verbesserungen angegeben.
  • Der Medikamentenkonsum sank: So nahm der Anteil, der Personen, die nach eigenen Angaben noch Medikamente zur Behandlung von Beschwerden im Bereich der oberen Atemwege einnahmen, im zeitlichen Verlauf von 51,1% auf 27,6% ab.
  • Arztbesuche und Krankschreibungen traten nach Selbsteinschätzung der Probanden seltener auf.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten berichteten über uneingeschränkt gute Erfahrungen mit der Nasendusche.

Cross-over-Analyse

Der zweite Teil der Nasenspülstudie überprüfte die Wirksamkeit der GEK-Nasendusche in einer randomisierten plazebokontrollierten Cross-over-Studie. Die ca. 1000 Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe A sollte drei Monate lang täglich die Nase spülen und in den folgenden drei Monaten statt dessen täglich eine Multivitaminbrausetablette (Xotic®, Samedpharm GmbH) einnehmen.

Bei Gruppe B verhielt es sich umgekehrt; in den ersten drei Monaten sollte die Tablette eingenommen werden, und in den nächsten drei Monaten die Nase gespült werden. Die Teilnehmer füllten Fragebögen aus und führten Tagebuchprotokolle.

Weniger Atemwegsbeschwerden

Die Ergebnisse zeigen Besserungen einer Vielzahl von Atemwegsbeschwerden durch die Nasenspülung. Bei 10 von 14 Beschwerden sind die Besserungen hochsignifikant. Das gilt für eine behinderte Nasenatmung, eine verstopfte Nase, trockene Nasenschleimhäute, häufige Erkältungen, Beschwerden im Bereich Nasennebenhöhlen und Stirnhöhlen, Mittelohrentzündungen, Pollen- und Hausstauballergie sowie andere Allergiebeschwerden, Probleme bei Befreiung der Nasenschleimhäute von Schmutz und Staub.

Bei sechs dieser Beschwerden wurden signifikante Verbesserungen von mehr als der Hälfte der Betroffenen angegeben. 13 der Beschwerden blieben hingegen bei der großen Mehrheit der Kontrollgruppe unverändert im Verlauf der drei Monate bestehen. Wesentlich mehr Nasenspüler als Vitamineinnehmer gaben während der Nasenspülzeit eine Verbesserung ihres Allgemeinbefindens an. Die Nasenspülgruppe musste den Arzt seltener aufsuchen als die Vitamingruppe.

Wirkungsmechanismus der Nasenspülung

In gesundem Zustand fließt auf der mit einer normalen Bakterienflora besiedelten Nasenschleimhaut kontinuierlich ein dünner Flüssigkeitsstrom, der durch die Tätigkeit des Flimmerepithels in Gang gehalten wird. Lagern sich nun Schmutz und Schleimpartikel auf der Nasenschleimhaut ab, staut sich der Flüssigkeitsstrom an diesen Hindernissen, Viren und Bakterien können sich festsetzen, die Zellen infizieren und Entzündungen hervorrufen.

Der mukoziliare Transport der Nasenschleimhaut ist sehr empfindlich gegenüber Austrocknung. Die optimale relative Luftfeuchtigkeit liegt oberhalb von 90%. Deshalb ist die Nasenspülung besonders bei einer Austrocknung der Nasenschleimhaut, wie sie in trockenen Räumen und bei Schädigung der Nasenschleimhaut (Rhinitis sicca, z. B. nach Bestrahlung) vorkommt, zu empfehlen.

Die Nasenspülung unterstützt die natürlichen Selbstreinigungsmechanismen der Nasenschleimhaut, reinigt die Nase gründlich, befreit sie von mit Bakterien besiedeltem Schleim und verringert die Gefahr von Infektionen der unteren Atemwege. Darüber hinaus kann möglicherweise auch der Verlauf allergischer Affektionen im Respirationstrakt günstig beeinflusst werden.

Ergebnisse nicht überbewerten

Die Gmünder Ersatzkasse weist in ihrem "Report zur GEK-Nasendusche" darauf hin, dass die Ergebnisse richtig eingeordnet werden sollten: "Wegen der hohen Motivation der Patienten und einer eventuell vorhandenen grundsätzlich positiven Einstellung der Versicherten zur Nasendusche sind die auf der Basis von Fragebogen und Tagebuchaufzeichnungen berechneten Effekte wahrscheinlich positiv verzerrt.

Vor diesem Hintergrund und angesichts des Fehlens einer Kontrollgruppe mit ähnlich hoher Motivation und ähnlichem Grad der Vorerkrankungen sollten die Ergebnisse der Patientenbefragung nicht überinterpretiert werden.

Die Interpretation der Ergebnisse erschwerend kommt hinzu, dass saisonale Effekte, wie sie bei der Mehrzahl der im Zusammenhang mit der Nasenspülung beeinflussbaren respiratorischen Erkrankungen auftreten (z. B. Abnahme von Grippe und Erkältung in den Sommermonaten), ohne adäquate Kontrollgruppe nicht vollständig von Effekten der Nasenspülung zu trennen sind."

Technik der Nasenspülung

Bei einer Nasenspülung mit der Nasendusche werden die Gänge der Nasenhöhle gespült. Richtig angewendet, gelangt die Lösung nicht in den Rachen. Mit einem geeignetem Gefäß, einer Nasenspülkanne mit langer Tülle, die beim Ansetzen an ein Nasenloch dicht abschließt, gießt man, am besten über dem Waschbecken, bei geöffnetem Mund und Atmung durch den Mund, 100 bis 200 ml lauwarme ca. 0,9% Kochsalzlösung zu einem Nasenloch hinein und leitet den Flüssigkeitsstrom durch Neigung des Kopfes zur anderen Seite und Vornüberbeugen wieder zum anderen Nasenloch hinaus. Danach schnäuzt man kräftig aus und wiederholt den Vorgang zur anderen Seite.

Die GEK-Studie sowie die beiden Endberichte können als pdf-Dokument auf den Seiten der Gmünder Ersatzkasse heruntergeladen werden: www.gek.de/presse/studien/index.html

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