Arzneimittel und Therapie

Senkung der Cholesterinwerte: BfArM warnt vor Red Rice-Produkten

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor dem Verzehr von Red Rice-Produkten, die im Internet und in verschiedenen Ländern als Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Cholesterins vertrieben werden. Der Vertrieb von Produkten, die Red Rice enthalten, stellt in Deutschland einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz dar.

Red Rice soll ein traditionelles chinesisches Arzneimittel sein. Zubereitungen mit dem gemahlenen Reis wurden zur Haltbarmachung und Konservierung von Lebensmitteln verwendet, aber auch in der traditionellen Medizin zur Vorbeugung von Krankheiten. Das Pulver wird auch als Anka, Ankak, Ang-Kak oder Hong Qu bezeichnet. Es wird noch heute in Asien und im Speziellen in China als natürliches bakterienhemmendes Färbe-, Würz- und Konservierungsmittel für Fisch, Schweinefleisch, Geflügel, Sojabohnenkäse, Saucen und Reiswein verwendet.

Das Rot der Farbpigmente ist äußerst stabil, auch beim Erhitzen gibt es keine Verfärbung nach blau oder gelb. Zum Beispiel wird es auch dazu benutzt, einer Peking Ente ihr typisches rotes Aussehen zu verleihen. Red Rice entsteht durch Fermentation von Reis mit dem Schimmelpilz Monascus purpureus. Dieser Schimmelpilz bildet neben roten Farbstoffen, die ihm seinen Namen geben, verschiedene Wirkstoffe wie Monacoline, Ankalactone und Citrinin.

Gehäuftes Auftreten von Nebenwirkungen befürchtet

Das besonders aktive Monacolin K wurde gleichzeitig von der japanischen Firma Sankyo und in den USA von Merck Sharp & Dohme aus dem Gießkannenschimmel Aspergillus terreus isoliert und Mevinolin genannt. Die Monacoline greifen in die Cholesterinsynthese ein. Sie weisen alle einen geöffneten Laktonring auf, der dem Substrat der HMG-CoA-Reduktase chemisch sehr ähnlich ist und somit zur kompetitiven Inhibition geeignet ist.

Roter Reis kann somit die Nebenwirkungen von Arzneimitteln zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte verstärken. Diese Wechselwirkung betrifft sowohl Hemmstoffe der Cholesterinsynthese (HMG-CoA-Reduktasehemmstoffe, so genannte Statine, die den Monacolinen chemisch verwandt sind, als auch andere Wirkstoffe zur Senkung des Cholesterins wie Fibrate, Gemfibrozil und Nikotinsäure in hohen Dosen.

Durch die gleichzeitige Einnahme von Rotem Reis und solchen Arzneimitteln ist das gehäufte Auftreten von Nebenwirkungen zu befürchten. Diese können sich insbesondere als Muskelschädigungen äußern. Während der Fermentierung werden nicht nur Farbpigmente erzeugt, sondern auch noch eine Reihe anderer Inhaltsstoffe, die aromatisierende und auch konservierende Eigenschaften aufweisen.

Neben Biflavonoide, Ergosterol, ungesättigte Fettsäuren und Aminosäuren konnten aber auch toxische Nebenprodukte nachgewiesen werden. Bei einer Analyse von verschiedenen Produkten mit Rotem Reis aus den USA wurde in 7 von 9 untersuchten Produkten Citrinin gefunden, das im Experiment bei Ratten Nierentumore auslöst.

Keine Zulassung in Deutschland

In den USA wurde chinesisches rotes Reispulver unter der Bezeichnung Cholestin , als Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Cholesterins vertrieben und ist von der FDA als Arzneimittel klassifiziert worden.

In Europa wird es in Österreich durch Gall Pharma hergestellt und vertrieben, in Deutschland gibt es die Münchener Firma Allok GmbH, die chinesisches rotes Reispulver unter dem Namen Monascus Red für die Lebensmittelindustrie und für andere Zwecke – und unter der Bezeichnung Monacolin in Kapseln – produziert und anbietet. In Deutschland ist Red Rice weder als Arzneimittel noch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. ck

Quelle

Pressemitteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 17/02 vom 4. Dezember 2002. www.redrice.de

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor dem Verzehr von Red Rice-Produkten, die im Internet und in verschiedenen Ländern als Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Cholesterins vertrieben werden. Der Vertrieb von Produkten, die Red Rice enthalten, stellt in Deutschland einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz dar

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