Welche Alternativen gibt es?

Ferro-Sanol-Tropfen werden vom Markt genommen

Stuttgart - 28.05.2024, 10:45 Uhr

Bei nicht frühgeborenen Kindern ist eine prophylaktische Eisengabe laut Leitlinie nicht nur unnötig, sondern sogar kontraindiziert. (Foto: July / AdobeStock)

Bei nicht frühgeborenen Kindern ist eine prophylaktische Eisengabe laut Leitlinie nicht nur unnötig, sondern sogar kontraindiziert. (Foto: July / AdobeStock)


Die Produktion der Ferro Sanol 30 mg/ml Tropfen wurde kürzlich eingestellt. Darüber informiert die UCB Pharma GmbH in einem Schreiben und rät dazu, eine alternative Therapie anzustreben. Doch welche Präparate kommen – vor allem für Frühgeborene – infrage? Und wann brauchen Säuglinge überhaupt eine Eisen-Supplementation?

Bereits im Jahr 2018 berichtete die DAZ über Lieferengpässe bei Ferro Sanol Tropfen. Damals sollten Früh- und Neugeborene in der Versorgung priorisiert werden. Doch nun werden die Ferro Sanol Tropfen gänzlich vom Markt verschwinden, wie einer aktuellen Mitteilung der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) zu entnehmen ist. Welche Eisen-Präparate stehen dann überhaupt noch für Früh- und Neugeborene zur Verfügung?

Mehr zum Thema

Im Jahr 2018 nannte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Ferrum Hausmann Tropfen von Vifor als Alternative. Diese Eisen-Tropfen sind auch derzeit noch in der Lauer-Taxe als apothekenpflichtiges Arzneimittel mit Dosierungshinweisen für Frühgeborene und Säuglinge gelistet. Indiziert sind sie bei Eisenmangelzuständen. Ein Milliliter (bzw. 20 Tropfen) enthält Eisencarboxymaltose, die 50 mg Eisen(III)-Ion entspricht. Säuglinge (< 15 kg) und Frühgeborene sollen 1 bis 2 Tropfen pro kg Körpergewicht täglich erhalten (2,5 bis 5 mg Eisen pro kg Körpergewicht).

Ferro Sanol Tropfen enthalten hingegen in 1 ml (bzw. 20 Tropfen) 170 mg Eisen(II)-glycin-sulfat-Komplex, was 30 mg Eisen-(II)-Ion entspricht. Sie sind bei Neugeborenen und Säuglingen mit einem Körpergewicht ≤ 2 kg kontraindiziert. Die Ferrum Hausmann Tropfen dürften also ohnehin schon – auch vor der Marktrücknahme von Ferro Sanol Tropfen – bei Frühgeborenen unter 2 kg zum Einsatz gekommen sein.

Da beispielsweise der Sirup von Ferrum Hausmann erst ab einem Körpergewicht von 10 kg empfohlen wird und Floradix mit Eisen Lösung zum Einnehmen erst ab einem Alter von sechs Jahren indiziert ist, bleiben neben den Ferrum Hausmann Tropfen von Vifor für Früh- und Neugeborene bzw. Säuglinge keine weiteren Eisenpräparate als Alternativen im Handel.

Wann brauchen Säuglinge überhaupt eine Eisensubstitution?

Erst kürzlich berichtete die „Ärzte Zeitung“, dass in den USA gegen Ende der Stillzeit für Säuglinge eine Routineempfehlung zur Nahrungsergänzung mit Eisen gilt. Die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) meint jedoch, dass eine generelle Eisensupplementation in diesem Alter nicht nötig ist. Eine aktuelle Studie unterstreiche den Standpunkt der ESPGHAN. 

Eisen-Prophylaxe für Frühgeborene ab der 8. Lebenswoche

Laut der aktuell gültigen deutschen S1-Leitlinie zur Eisenmangelanämie entwickelt sich eine alimentäre Eisenmangelanämie bei Reifgeborenen meist jenseits des 6. bis 12. Lebensmonats, bei Frühgeborenen auch eher. 
Frühgeborene (insbesondere mit Geburtsgewicht < 2.500 g) sollen deshalb ab der 8. Lebenswoche bis zum 12. bis 15. Lebensmonat eine Eisen-Prophylaxe mit 2 bis 2,5 mg/kg und Tag erhalten. „Eine frühere Eisensubstitution wird wegen der noch nicht ausgereiften intestinalen Regulation der Eisenaufnahme nicht empfohlen“, heißt es. 

Bei nicht frühgeborenen Kindern sei eine prophylaktische Eisengabe nicht nur unnötig, sondern sogar kontraindiziert, da diese nachteilige Effekte auf das Wachstum haben könne.


Deutsche Apotheker Zeitung / dm
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.