DAZ.online-Podcast

Was macht eigentlich ein Stationsapotheker?

Münchingen - 21.01.2022, 17:50 Uhr

Apotheker Christopher Jürgens im Gespräch mit DAZ-Herausgeber Peter Ditzel. (Fotos: privat)

Apotheker Christopher Jürgens im Gespräch mit DAZ-Herausgeber Peter Ditzel. (Fotos: privat)


Seit 1. Januar 2022 sind Stationsapotheker in den Kliniken von Niedersachsen Pflicht. Sie sollen dazu beitragen, die Patientensicherheit zu erhöhen. Apotheker Christopher Jürgens arbeitet bereits seit längerem neben seiner Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke auch als Apotheker auf Station. In unserem Podcast frage ich ihn, welche Voraussetzungen ein Stationsapotheker mitbringen muss. Und natürlich wollte ich wissen: Was macht eigentlich ein Stationsapotheker?

Mit einer Vorlaufzeit von vier Jahren hat Niedersachsen den Stationsapotheker zur Pflicht für alle Kliniken gemacht. Im Herbst 2018 hatte der niedersächsische Landtag ein neues Krankenhausgesetz beschlossen und festgelegt, dass ab 1. Januar 2022 Stationsapotheker in niedersächsischen Kliniken Pflicht sind. Auslöser für das Gesetz war damals eine Serie von Patientenmorden in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst. Der frühere Krankenpfleger Niels Högel hatte in diesen Kliniken die Medikation von Patientinnen und Patienten manipuliert und seine Opfer zu Tode gespritzt. Um in Zukunft solche Fälle auszuschließen und die Patientensicherheit zu erhöhen, entschloss sich Niedersachsen, mehr Qualitätssicherung in seinen Krankenhäusern einzuführen, unter anderem durch konsequente Anwendung des Vier-Augen-Prinzips und durch Einführung von Stationsapothekern in ausreichender Zahl. Dem Vorbild von Niedersachsen sind die übrigen Bundesländer bisher nicht gefolgt, es gibt zwar vereinzelt auch in den Kliniken anderer Bundesländer Stationsapotheker, allerdings ohne gesetzliche Verpflichtung.

Voraussetzung: drei Jahre Weiterbildung

In Niedersachsen konnten sich zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker für die mindestens dreijährige Weiterbildung im Fachgebiet Klinische Pharmazie Weiterbildung begeistern. Wie das Gesundheitsministerium in Hannover mitteilt, haben mittlerweile bereits 212 Apothekerinnen und Apotheker diese Weiterbildung abgeschlossen, 114 seien noch in Weiterbildung. Wie viele Stationsapothekerinnen und -apotheker und in welchem Umfang diese in den Krankenhäusern arbeiten können, bestimmen die Krankenhausträger selbst.

Mehr zum Thema

Wie in der Psychiatrie die Medikation eines Patienten optimiert werden kann

Plötzlich Stationsapotheker

„Mein Apothekerherz schlägt von Anfang an für die Klinische Pharmazie“, wie Apotheker Christoph Jürgens zu Beginn unseres Gesprächs verrät. Kein Wunder, dass er schon sehr bald die Weiterbildung zum Fachapotheker für Klinische Pharmazie macht. Zusätzlich bildet er sich für das Medikationsmanagement im Krankenhaus weiter. Schon lange bevor die Anstellung von Stationsapothekern für niedersächsische Kliniken zur Pflicht wurde, ist Jürgens in der Uniklinik, in der Zentralapotheke der medizinischen Hochschule Hannover tätig. Dort arbeitet er bereits 2013 als Stationsapotheker in der pädiatrischen Onkologie und kann viele Erfahrungen sammeln.

Nach seinem Wechsel in die Marien-Apotheke Hannover freut er sich, dass er seine Tätigkeit 2019 auf Station im Hannoveraner Kinder- und Jugendkrankenhaus „Auf der Bult“ fortsetzen kann, da auch sein Schwerpunkt in der öffentlichen Apotheke im Bereich der Klinikversorgung und der Onkologie liegt. So gibt es für ihn keine Schwierigkeiten, die beiden Tätigkeiten zu vereinbaren, im Gegenteil, es gibt sogar Vorteile zwischen Offizin- und Stationsarbeit, viele Arbeiten ergänzen sich sogar. „Damit war ich auch der erste Apotheker auf Station in diesem Hannoveraner Kinderkrankenhaus“, fügt Jürgens erfreut hinzu. 

Auf welchen Gebieten Stationsapotheker arbeiten

Ein Stationsapotheker, eine Stationsapothekerin ist beispielsweise in die Klinikversorgung eingebunden. Sie befassen sich mit Logistik und Freigabe von Stationsbestellungen und Sonderanforderungen. Hinzukommen außerdem Arbeiten wie Arzneimittelrecherche, Arzneimittelinformation, Pharmakovigilanz, aber auch die Medikationschecks der Patientenverordnungen gehören dazu. Weitere Aufgaben sind die Begleitung der Chefarztvisite, die Prüfung der Gesamtmedikation im Hinblick auf Dosierung, Interaktion, Doppelverordnungen. Bei Kindern ist vor allem auch die Indikationsstellung und der Off-Label-Use eine spannende Frage, wie Jürgens erläutert. Werden arzneimittelbezogene Probleme identifiziert, werden diese mit den Ärztinnen und Ärzten besprochen, um passende Lösungen zu finden. „Das Wort des Stationsapothekers ist beim Chefarzt sehr geschätzt“, wie Jürgens sagt. Was für ihn von besonderer Bedeutung in diesem Arbeitsgebiet ist: Die Arbeit im interdisziplinären Team hat er sich immer gewünscht, „ich empfinde sie als sehr konstruktiv, sie macht mir sehr viel Spaß“.

Im Podcast verrät Jürgens auch, welche Eigenschaften aus seiner Sicht Kolleginnen und Kollegen mitbringen sollten, die sich für den Arbeitsplatz des Stationsapothekers, der Stationsapothekerin interessieren: „Man braucht vor allem die Motivation, jeden Tag neue Lösungen finden zu wollen.“



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Ab 2022 werden Stationsapotheker in Niedersächsischen Krankenhäusern zur Pflicht

Der Countdown läuft ...

Niedersächsische Landesregierung will Einsatz auf große Krankenhäuser beschränken

GroKo hält an Stationsapothekern fest

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.