Behandlung und Vorbeugung von COVID-19

Potente neutralisierende Antikörper gefunden

Remagen - 19.03.2021, 09:15 Uhr

Italienische Forscher:innen haben zwei wichtige Einschränkungen der Antikörpertherapie gegen SARS-CoV-2 ins Visier genommen: Zu hohe Dosen und das Risiko der antikörperabhängigen Verstärkung. (s / Foto: Siarhei / stock.adobe.com)

Italienische Forscher:innen haben zwei wichtige Einschränkungen der Antikörpertherapie gegen SARS-CoV-2 ins Visier genommen: Zu hohe Dosen und das Risiko der antikörperabhängigen Verstärkung. (s / Foto: Siarhei / stock.adobe.com)


Italienische Forscher:innen haben mithilfe selektierter B-Gedächtniszellen von Patient:innen mit überstandenem COVID-19 hochwirksame Antikörper hergestellt. Diese können das SARS-CoV-2-Virus und seine bekannten Mutationen schon in geringen Konzentrationen neutralisieren. Der potenteste (J08) soll ein guter Kandidat für die Entwicklung von präventiven und therapeutischen Instrumenten gegen das Virus sein.

Neutralisierende humane monoklonale Antikörper könnten zu den schärfsten Waffen gegen SARS-CoV-2 werden, vorausgesetzt, es findet sich immer der passende Schlüssel für ein sich veränderndes Schloss, sprich die neuen Varianten. Bisher wurden mit den Antikörper-Cocktails von Regeneron und Eli Lilly sowie Bamlanivimab alleine erst wenige neutralisierende Antikörper zur Notfallanwendung genehmigt. So wie es derzeit aussieht, werden die Mutanten die Entwickler und Behörden weiter auf Trab halten.

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Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlichte Studie beschreibt die Entwicklung sehr potenter humaner monoklonaler Antikörper, die das SARS-CoV-2-Virus und seine bekannten Mutationen bereits in geringen Konzentrationen neutralisieren können. Die Forschung wurde von den EU-finanzierten Projekten vAMRes (Vaccines as a remedy for antimicrobial resistant bacterial infections) und EVAg (European Virus Archive goes global) unterstützt.

Hemmschuh Nr. 1: Zu hohe Dosen

Mit seiner Studie hat das italienische Forscherteam zwei wichtige Einschränkungen der Antikörpertherapie gegen SARS-CoV-2 ins Visier genommen. Die eine ist die Dosis. Bisher wurden in klinischen Studien nur hohe Dosen humaner monoklonaler Antikörper im Bereich zwischen 500 und 8.000 mg verwendet, die intravenös verabreicht werden müssen. Das macht die Intervention extrem kostspielig. Damit sie kostengünstiger wird, begaben sich die Wissenschaftler:innen auf die Suche nach extrem wirksamen Antikörpern, die in niedrigen Dosen durch intramuskuläre Injektion verabreicht werden könnten. 

Hemmschuh Nr. 2: Risiko der antikörperabhängigen Verstärkung

Die zweite Einschränkung ist das Risiko einer antikörperabhängigen Verstärkung (antibody dependent enhancement ADE) der Infektion. Infektionsverstärkende Antikörper binden zwar an die Oberfläche von Viren, neutralisieren diese jedoch nicht. Stattdessen begünstigen sie deren Aufnahme in eine Zelle und damit die Ausbreitung und Vermehrung des Virus. Sie werden bei einer Erstinfektion mit einigen Viren gebildet und bewirken erst bei einer Zweitinfektion mit dem gleichen oder einem ähnlichen Subtyp des Virus einen schwereren Krankheitsverlauf. Der Mechanismus schränkt die Möglichkeit einer Impfung bei einigen Viren erheblich ein. Aber auch Hyperimmunglobuline zur passiven Immunisierung können solche Antikörper enthalten und damit einen gegenteiligen Effekt auslösen. In ihrer Arbeit haben die italienischen Forscher:innen das dafür verantwortliche Fc-Fragment der humanen monoklonalen Antikörper so modifiziert, dass dieses Risiko gemindert wird. 



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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