Halsschmerzen

Hilfe für den Hals

Hamburg - 01.10.2017, 07:30 Uhr

Um einen entzündeten Hals nicht weiter zu reizen, sollten Halsschmerzpatienten ihren Hals warmhalten. (Foto: pix4U / stock.adobe.com)

Um einen entzündeten Hals nicht weiter zu reizen, sollten Halsschmerzpatienten ihren Hals warmhalten. (Foto: pix4U / stock.adobe.com)


„Und dann brauche ich noch etwas gegen Halsschmerzen.“ Diesen Satz hört man in der kalten Jahreszeit häufig in der Apotheke. Denn akute Halsschmerzen treten oftmals im Rahmen einer Erkältung auf. Im Bereich der Selbstmedikation gibt es zahlreiche Präparate, die die Beschwerden lindern können.

Erstes Anzeichen für beginnende Halsschmerzen ist ein leichtes Kribbeln im Hals, das sich zu einem Kratzen steigert. Der Hals ist gerötet und die Schleimhäute im Hals- und Rachenraum schwellen an. Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Schmerzen beim Reden sind weitere Folgen der meist durch Erkältungsviren ausgelösten entzündlichen Reaktion. Je nachdem, welche Stellen von dieser Entzündung betroffen sind, unterscheidet man zwischen einer Rachenschleimhautentzündung (Pharyngitis), einer Stimmband- oder Kehlkopfentzündung (Laryngitis) oder einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris oder Tonsillitis). 

Wann zum Arzt?

Bevor zu typischen Selbstmedikations-Präparaten geraten wird, sollte man den Kunden eingehend zu seinen Beschwerden befragen – schließlich können auch andere Gründe als eine beginnende Erkältung hinter den Halsschmerzen stecken (siehe Kasten). Die Grenzen der Selbstmedikation sind unter anderem dann erreicht, wenn die Halsschmerzen mit starken Schluckbeschwerden oder hohem Fieber (>39 °C) einhergehen, die Mandeln gerötet, geschwollen und mit Belägen überzogen sind, Ohrenschmerzen oder geschwollene Lymphknoten auftreten. Bei chronischen Halsentzündungen, und wenn sich die akuten Halsschmerzen unter OTC-Behandlung nach drei Tagen nicht deutlich bessern oder sogar verschlechtern, ist ebenfalls ein Arztbesuch anzuraten.

Nicht immer banal, nicht immer infektiös 

Nicht immer sind Halsschmerzen banal und „nur“ eines von vielen Erkältungssymptomen. Hinter den Beschwerden können sich auch andere Infektionskrankheiten verbergen wie beispielsweise Scharlach – eigentlich eine Kinderkrankheit, die aber auch in seltenen Fällen im Erwachsenenalter auftreten kann. Typische Symptome der durch Streptokokken ausgelösten Infektionskrankheit sind Halsschmerzen, hohes Fieber, geschwollene, weißlich belegte Mandeln, eine tiefrote Zunge (auch Himbeer- oder Erdbeerzunge genannt) und ein charakteristischer Hautausschlag. Eine akute Mandelentzündung beginnt meist mit einer virusbedingten Entzündung der Gaumenmandeln, auf die sich eine bakterielle Infektion setzt. Sie geht mit geröteten, angeschwollenen und fleckenartig belegten Mandeln, starken Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und hohem Fieber einher. Das Pfeiffersche Drüsenfieber macht sich durch Symptome einer akuten Mandelentzündung und geschwollenen Lymphknoten bemerkbar und wird durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst.

Die Halsbeschwerden können aber auch durch eine Überbeanspruchung der Stimme oder aufgrund einer Reizung der Atemwege, beispielsweise durch trockene Luft, Staub oder Rauchen, bedingt sein. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Symptome durch eine Refluxkrankheit ausgelöst werden, bei der die Magensäure Reizungen bis in den Rachenraum hervorruft. 

Behandlung in der Selbstmedikation 

Für die Selbstmedikation von Hals- und Rachenbeschwerden steht eine Vielzahl an Präparaten zur Verfügung. Neben möglichen Kontraindikationen bzw. Anwendungsbeschränkungen gilt es, die Wünsche des Kunden im Blick zu behalten. Auch die Lokalisation der Halsschmerzen ist zu beachten. Die Darreichungsformen zur lokalen Anwendung bei Halsschmerzen umfassen Lutschtabletten, Sprays und Gurgellösungen, wobei letztere nicht in die tieferen Rachenregionen vordringen und die Wirkstoffe in Lutschtabletten nicht den Kehlkopf erreichen.

Betäuben und desinfizieren

Zur raschen Schmerzlinderung bei akuten Halsschmerzen bieten sich Halsschmerzpräparate mit lokalanästhetisch wirkenden Inhaltsstoffen an. Sie enthalten Benzocain, Lidocain oder Ambroxol, und betäuben den Schmerz (siehe Tabelle 1). Einige Präparate enthalten (zusätzlich) antiseptische Wirkstoffe (z.B. Cetrimoniumbromid, Cetylpyridiniumchlorid, oder Hexamidin). Sie verringern die Keimbesiedelung im Rachen und sollen darüber die Entzündungsreaktion eindämmen. Eine keimhemmende Wirkung soll auch das Lokalantibiotikum Thyrothricin vermitteln. Das Fusafungin-haltige Spray (Locabiosol®) ist seit Ende Mai 2016 nicht mehr auf dem Markt.

Mit dem NSAR Flurbiprofen steht außerdem ein entzündungshemmendes und schmerzstillendes Mittel zur lokalen Behandlung von Halsschmerzen zur Verfügung. Grundsätzlich kann auch die systemische Gabe von Paracetamol oder Ibuprofen in Betracht gezogen werden. Für diese Behandlungsoption spricht sich die DEGAM-Leitlinie (derzeit in Überarbeitung) aus. In der Praxis dürfte aber häufiger der Wunsch nach lokal wirkenden Präparaten geäußert werden bzw. bestehen.

Tabelle 1: Synthetische Präparate gegen Halsschmerzen (Beispiele)

Wirkstoffe Präparate
lokalanästhetische
Ambroxol Mucoangin® Lutschtabletten
Benzocain neo-angin® Benzocain dolo Halstabletten, Anaesthesin®-Pastillen, AnginHexal® dolo Halspastillen, Dolo-Dobendan® Lutschtabletten*, Dorithricin® Halstabletten*,
Lidocain Lemocin® Lutschtabletten*, Locastad® Lutschtabletten*, Trachilid® Halsschmerztabletten, Wick® Sulagil Halsspray*
antiseptische
Benzalkoniumchlorid Dorithricin® Halstabletten*
Cetrimoniumbromid Lemocin® Lutschtabletten*
Cetylpyridiniumchlorid anginetten® Halstabletten, Dolo-Dobendan® Lutschtabletten* Wick® Sulagil Halsspray*
2,4-Dichlorbenzylalkohol + Amylmetacresol neo-angin® Halsspray**, neo-angin® Halstabletten**, Dobensana® Lutschtabletten, Locastad® Lutschtabletten*  
Dequaliniumchlorid Gurgellösung-ratiopharm®, Wick® Sulagil Halsspray*
Hexamidin Laryngomedin® N Spray
Hexetidin Hexoral® Spray
lokalantibiotische  
Tyrothricin Dorithricin® Halstabletten*, Lemocin® Lutschtabletten*
entzündungshemmende  
Flurbiprofen Dobendan® Direkt Lutschtabletten, Dobendan® Direkt Flurbiprofen Spray, Flurbiprofen AL® Lutschtabletten

* Präparat enthält mehrere Wirkstoffe
** enthält zusätzlich Levomenthol als Wirkstoff

Einnahmehinweise nicht vergessen!

Damit die Präparate optimal wirken können, sollten die entsprechenden Einnahmehinweise beachtet werden. Halstabletten sind langsam zu lutschen bzw. in der Backentasche zu parken – Zerbeißen oder Kauen schwächt die Wirkung ab. Mit Gurgellösungen sollte ausreichend lange gegurgelt oder gespült werden, optimalerweise 30 bis 60 Sekunden. In der Regel werden Rachentherapeutika – unter Berücksichtigung der Dosierung und Dauer – über den Tag verteilt nach den Mahlzeiten bzw. mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit angewendet. Andernfalls verringert sich die Verweildauer der Wirkstoffe im Mund- und Rachenraum.

Befeuchtung, Schutz und Regeneration

Einige Kunden bevorzugen pflanzliche Präparate. Darin enthalten sind ätherische Öle, Primelwurzel und Schleimdrogen wie Eibischwurzel, Malvenblüten und -blätter sowie Isländisch Moos (siehe Tabelle 2). Deren Polysaccharide bilden einen Schutzfilm auf den Schleimhäuten und befeuchten sie. Eine weitere Option sind salzhaltige Lutschpastillen (z.B. Emser Pastillen®).

Einen langanhaltenden Effekt versprechen Präparate mit Hyaluronsäure, die für ihre feuchtigkeitsbindenden Eigenschaften bekannt ist. Die in den Lutschtabletten enthaltene Hyaluronsäure bildet zusammen mit weiteren Inhaltsstoffen und dem Speichel einen Hydrogel-Komplex, der gut an der Schleimhaut anhaften soll.

Tabelle 2: Präparate zur Befeuchtung und zum Schutz der Rachenschleimhaut (Beispiele)

pflanzliche Präparate
Isländisch Moos Broncholind® Isländisch Moos Halstabletten, isla® moos Pastillen, Aspecton® Halstabletten
Isländisch Moos, Malvenblüten neo-angin® junior Halsschmerzsaft
Eibischwurzel, Spitzwegerich, Lindenblüten Em-eukal Pro® Halspastillen
Primelwurzel, Fenchel, Anis ipalat® Halspastillen
Präparate mit Hyaluronsäure
Carbomer, Carrageenan, Hyaluronsäure, Macrogol neo-angin® stimmig Plus Lutschtabletten*
Xanthan, Carbomer Hyaluronsäure Cevitt® Hals & Rachen Lutschtabletten, GeloRevoice® Halstabletten
Isländisch Moos, Carbomer, Hyaluronsäure, Xanthan isla® med hydro+ Pastillen
*enthält zusätzlich Levomenthol als Wirkstoff

Gern gehört: Zusatztipps 

Um einen entzündeten Hals nicht weiter zu reizen, sollten Halsschmerzpatienten ihren Hals warmhalten (z.B. mit Wärmeschals von Medivital® oder Retterspitz®), ausreichend viel trinken und ihre Stimme schonen – wobei Räuspern und Flüstern kontraproduktiv sind. Für die Flüssigkeitszufuhr sind Tees eine gute Empfehlung, da sie den Hals nicht nur befeuchten, sondern auch von innen wärmen. Verschiedene Hals- und Rachentees (z.B. von H&S®, Sidroga® oder Bad Heilbrunner®) richten sich speziell an Halsschmerzpatienten. Salbei- oder Kamillentees eignen sich außerdem zum Gurgeln. Bonbons (z.B. Ricola® Salbeibonbons, Em-eukal® Salbeibonbons) regen den Speichelfluss an. Das sorgt für eine zusätzliche Befeuchtung. Übrigens: Auch die Homöopathie hält einige Mittel für halsschmerzgeplagte Kunden bereit. Neben Einzelmitteln gibt es verschiedene homöopathische Komplexmittel auf dem Markt (z.B. Dolotonsil Hevert® Tabletten, Tonsillopas® Tabletten, Tonsiotren® H Tabletten).

Zum Weiterlesen

Buchtipp

Monika Neubeck - Evidenzbasierte Selbstmedikation 2017/2018 - überarbeitete und erweiterte Auflage 2017 - Deutscher Apotheker Verlag - 411 Seiten - 29,80 Euro - ISBN 978-3-7692-6692-4

Wissen, was wirkt!
In dem Buch „Evidenzbasierte Selbstmedikation 2017/2018“ werden 40 typische Indikationen der Selbstmedikation aufgegriffen – natürlich inklusive Erkältung, Halsschmerzen, Husten und Schnupfen. Neben einem kurzen Überblick zum jeweiligen Krankheitsbild folgen essenzielle Charakteristika der Therapeutika mit Wirkung, Dosierung, pharmakokinetischen Eigenschaften, Kontraindikationen und sonstigen Hinweisen. Die einzelnen Wirkstoffe sind nach wissenschaftlichen Kriterien mit einem sofort erfassbaren Punkteschema zusammenfassend bewertet. 

Netztipp

Für verschiedene Bereiche, darunter die Beratung im Rahmen der Selbstmedikation, hat die Bundesapothekerkammer Leitlinien und Arbeitshilfen zusammengestellt. Als Anwendungsbeispiel ist unter anderem das Thema „Halsschmerzen“ zu finden. In einem Flussdiagramm werden die wichtigsten Stationen eines optimalen Beratungsgespräches vorgestellt. Die Leitlinien und Arbeitshilfen sind auf der Internetseite www.abda.de zu finden.

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Annette Lüdecke (lue), Apothekerin
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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