Trumps gefährliche Pharmapläne

Mehr Druck, mehr Wettbewerb, weniger Zulassungsstandards

Washington - 02.02.2017, 09:15 Uhr

Trump rief und alle kamen: Der neue US-Präsident im Gespräch mit den Chefs von Merck, Eli Lilly, Celgene, Johnson & Johnson, Amgen, Novartis und des größten US-Pharmaverbandes PhRMA. (Foto: dpa)

Trump rief und alle kamen: Der neue US-Präsident im Gespräch mit den Chefs von Merck, Eli Lilly, Celgene, Johnson & Johnson, Amgen, Novartis und des größten US-Pharmaverbandes PhRMA. (Foto: dpa)


US-Präsident Donald Trump forderte von Pharmaindustrie und Behörden im direkten Gespräch mehr Wettbewerb und sinkende Preise für Arzneimittel. Auf der anderen Seite will Trump Zulassungen radikal vereinfachen: Er sieht bis zu 80 Prozent der Regularien der Zulassungsbehörde als unnötig an – und will sie offenbar streichen.

Wenn die Pharmabranche geglaubt hat, sie könne sich den Launen und dem Furor des neuen US-Präsidenten Donald Trump entziehen, sieht sie sich ein weiteres Mal getäuscht. Bevor der sich dieser Tage mit Vertretern der Pharmabranche traf, teilte er vom Weißen Haus aus schon mal mit, dass nach seiner Ansicht der Wettbewerb in der Branche erhöht werden müsse, um Druck im Arzneimittelmarkt auszuüben. Mehr Wettbewerb und Bieterwettkämpfe würden außerdem die Kosten für die staatliche Krankenversicherung Medicare und das Gesundheitsprogramm Medicaid senken. „Wir müssen die Preise aus verschiedenen Gründen runterbringen. Wir haben keine Wahl“, zitiert das US-Fachmedium Statnews den Präsidenten. Zwar habe die Industrie bahnbrechende Therapien entwickelt, andererseits seien die Preise ins Astronomische gestiegen. Darüber hinaus habe Trump in seinen neuesten Forderungen erneut deutlich gemacht, dass die Industrie mehr Produktion in die USA verlagern solle.

Dem Bericht nach plädierte Trump auch dafür, den Zulassungsprozess für neue Präparate zu vereinfachen und so den Markteintritt zu beschleunigen. „Wenn sie ein Arzneimittel haben, könnte es direkt zugelassen werden anstatt viele, viele Monate warten zu müssen“, sagte Trump. Zudem wolle er sich dafür einsetzen, dass todkranke Patienten rascher die für sie nötige Behandlung bekommen. 



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Die Fingernägel rufen ...

von Christian Timme am 04.02.2017 um 14:35 Uhr

Trump verändert und wird dabei viele "aus dem Schlaf holen", viele werden "Uberholt" oder "Uberrollt" werden und eine nicht zu unterschätzende Zahl wird es noch nicht mal merken. Zu welcher Gruppe werden wir gehören?.

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AW: Die Fingernägel rufen ...

von Christian Timme am 04.02.2017 um 14:47 Uhr

Sorry sollte heißen: ... noch nicht mal m e r k e n.

regulatorischer Irrsinn

von norbert brand am 03.02.2017 um 8:09 Uhr

In einem muß man Trump rechtgeben: wenn es ihm gelingt, die inzwischen weltweit an Irrsinn grenzenden regulatorischen Hürden im Zulassungsverfahren herunterzuschrauben, dann würden Zulassungen auch wieder für kleinere Unternehmen zu stemmen sein. Aktuell schafft das aber nur noch "big money" bzw big pharma. Und deren "Wettbewerb" mit den Zulassungsbehörden FDA, EMEA und BfARM hat zu eben diesen realitätsfernen regulatorischen Anforderungen geführt, die Trump nmE zu Recht kritisiert.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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