Österreich

Arzneimittelumsätze steigen nicht wie erwartet

Wien - 11.11.2016, 11:00 Uhr

Die Ausgaben für Arzneimittel stiegen in Österreich weniger stark als angenommen wurde. (Foto: avarand / Fotolia)

Die Ausgaben für Arzneimittel stiegen in Österreich weniger stark als angenommen wurde. (Foto: avarand / Fotolia)


In Österreich liegt der Umsatz mit Arzneimitteln in den ersten drei Quartalen 2016 deutlich unter den Erwartungen. Die Industrie und der Großhandel dämpfen damit auch die Panikmache durch den Verband der Sozialversicherungsträger.

Obwohl die Arzneimittelausgaben schon im vergangenen Jahr Ende deutlich niedriger waren als von den Krankenkassen prognostiziert, sei in der Öffentlichkeit immer wieder ein Schreckensszenario gezeichnet worden, moniert der österreichische Pharmaverband Pharmig. Für die betroffenen Wirtschafts- und Gesundheitszweige seien solche falschen Prognosen „mehr als hinderlich“. Deshalb veröffentlichen die Österreichische Apothekerkammer, der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) und der Verband der österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler PHAGO seit Beginn des Jahres 2016 jedes Quartal die tatsächlichen Arzneimittelkosten. Dies schafft Transparenz und beugt falschen Spekulationen vor. Nun wurden die Umsätze für das dritte Quartal bekannt gemacht, und die Beteiligten wagen eine Jahresprognose.

Nur 2,9 Prozent mehr

Nach den neuen Zahlen liegt der Umsatz mit Arzneimitteln in den ersten drei Quartalen 2016 trotz einer Vielzahl neuer und besserer Arzneimittel sowie des anhaltendem Bevölkerungswachstums und weiter steigender Lebenserwartung deutlich unter den Erwartungen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg er lediglich um rund 2,9 Prozent.

Im ersten Quartal 2016 hatte die Steigerungsrate bei 1,2 und im ersten Halbjahr bei 3,1 Prozent gegenüber den jeweiligen Vorjahreszeiträumen gelegen. Als Folge davon habe der Hauptverband seine überzogene Prognose einer 4,4-prozentigen Steigerung für 2016 bereits zurück genommen, lässt Pharmig in einer Pressemitteilung wissen.

Von wegen Defizit

„In den letzten Jahren ist es hier zu keiner Kostenexplosion gekommen, so auch in diesem Jahr nicht.“ betonte der Generalsekretär der Pharmig Jan Oliver Huber bereits Ende September.Zudem bleibe der Anteil der Arzneimittelausgaben an den gesamten Gesundheitsausgaben konstant bei etwas über zwölf Prozent. Die österreichischen Krankenkassen des Hauptverbandes hätten in den ersten drei Quartalen 2016 rund 2,1 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben.

Diese Summe entspreche jedoch nicht den tatsächlichen Kosten für die Kassen, da die Einnahmen aus den Rezeptgebühren noch abgezogen werden müssten, wie auch die Umsatzsteuer sowie die von der Pharmawirtschaft geleisteten Solidarbeiträge und Rückerstattungen. Alleine das verringere die Summe um rund 570 Millionen Euro, heißt es nun in der aktuellen Pharmig-Verlautbarung. Tatsächlich sei die Finanz-Situation der Krankenkassen nach einer ursprünglich hohen Defizit-Erwartung zuletzt in eine schwarze Null gedreht worden.

Apothekenspanne auf historischem Tiefstand

Von dieser Entwicklung könnten Apotheker und Pharmawirtschaft allerdings nicht profitieren. „Die österreichischen Apotheken haben im Zeitraum Januar bis September 2016 rund 73 Millionen Arzneimittelpackungen an ihre Kunden/Patienten abgegeben und mit den Krankenkassen des Hauptverbandes abgerechnet,“ berichtet Christian Müller-Uri, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. In der Apotheke werde für diese Arzneimittel für die Krankenkassen die Rezeptgebühr (in Form eines Selbstbehalts) von 5,70 Euro pro Packung erhoben. Falls ein Medikament billiger sei als die Rezeptgebühr, zahle der Patient nur den tatsächlichen Preis.

Die Apothekenspanne für den Kassenmarkt liege bei lediglich 15,5 Prozent, erklärt Müller-Uri. Sie sei damit auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. „Mit dieser niedrigen Spanne stoßen wir an unsere Grenzen, das umfassende Leistungsangebot zu finanzieren“, betont er.

Großhandel: Mehr Leistung für weniger Geld

Noch schlechter sieht es laut Pharmig für den Großhandel aus. Das geringe Umsatz-Plus im dritten Quartal habe keine positiven Auswirkungen auf die prekäre Situation der Spannen-Entwicklung des Arzneimittelvollgroßhandels insgesamt. „Unsere Spannen decken für immer mehr Produkte nicht einmal die Grenzkosten ab“, erklärt PHAGO-Präsident Andreas Windischbauer. „Seit Jahren bieten unsere Mitgliedsunternehmen mehr Leistung für weniger Geld. Damit gefährdet der Gesetzgeber unseren Versorgungs-Auftrag, den Österreichern flächendeckend und rasch Medikamente zur Verfügung stellen zu können.“


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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