BMJ-Studie

Abnehmen trotz Adipositas-Gen

London - 21.09.2016, 06:56 Uhr

Zu dick? Umweltfaktoren spielen beim Abnehmen eine wichtige Rolle, wie eine BMJ-Studie ergeben hat. (Foto: Dmitry Vereshchagin / Fotolia)

Zu dick? Umweltfaktoren spielen beim Abnehmen eine wichtige Rolle, wie eine BMJ-Studie ergeben hat. (Foto: Dmitry Vereshchagin / Fotolia)


Übergewichtige, die das sogenannte Adipositas-Gen tragen, können ebenso gut abnehmen wie Menschen ohne diese genetische Disposition. Das ist das Ergebnis einer Meta-Studie, die jetzt im Fachmagazin BMJ veröffentlicht wurde. 

Ein internationales Team um Forscher von der Newcastle University wertete dafür acht randomisierte, kontrollierte Studien aus. Dabei suchten sie nach einer Verbindung zwischen dem FTO-Gen und der Fähigkeit, Gewicht zu verlieren. Das als FTO-Gen bezeichnete genetische Profil ist mit Übergewicht und einem erhöhten Risiko für Adipositas assoziiert. 

Adipositas, also Fettleibigkeit, nimmt zu. Mittlerweile sind weltweit circa 2,1 Milliarden Erwachsene übergewichtig oder fettleibig. Das kann zu Folgeerkrankungen wie Diabetes 2, Bluthochdruck, Schlafapnoe und Fettleber führen – und belastet die Gesundheitssysteme. Es sei daher dringend nötig, effektive Strategien zur Prävention zu entwickeln, so die Studien-Autoren. 

Adipositas-Epidemie hat wenig mit Gen-Profil zu tun

An den ausgewählten Studien nahmen 9563 Erwachsene teil. Sie waren im Schnitt 51,6 Jahre alt und hatten einen durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 32,2. Im Verlauf der Studien versuchten die Probanden, mit veränderter Ernährung und/oder körperlicher Bewegung und/oder Medikamenten abzunehmen – über einen Zeitraum von acht Wochen bis zu drei Jahren.

Ergebnis: Beim Gewichtsverlust gab es keine Unterschiede zwischen der Adipositas-Gen-Gruppe und der Kontroll-Gruppe. Der FTO-Genotyp erzielte ebensolche Veränderungen bei BMI, Gewicht und Taillenumfang wie Menschen ohne Adipositas-Gen. Die Adipositas-Epidemie habe demnach nur wenig mit Gen-Profilen zu tun, folgerte Dr. Alison Tedstone, leitender Ernährungswissenschaftler beim britischen Public Health, in einem Editorial

Einige Experten meinen, dass die Gene eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Fettleibigkeit spielten. Die Ergebnisse dieser Metaanalyse legen nahe, dass Umweltfaktoren weitaus mehr Einfluss auf das Gewicht haben. Künftige Strategien im Kampf gegen die Fettleibigkeit sollten sich daher auf Lifestyle-Veränderungen, eine Ernährungs-Umstellung und körperliche Aktivität konzentrieren, da sich auch mit diesen nicht-invasiven Ansätzen eine dauerhafte Gewichtsabnahme erreichen lässt, so das Fazit der Forscher. 

Katherine M. Livingstone et al., FTO genotype and weight loss: systematic review and meta-analysis of 9563 individual participant data from eight randomised controlled trials, BMJ 2016;354:i4707


Barbara Bückmann, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Mit Ernährung Krebs vorbeugen (Teil 1 von 3)

Wie beeinflusst Übergewicht das Krebsrisiko?

Studie zur weltweiten Fettleibigkeit

Mehr als halbe Milliarde Menschen zu dick

Die Adipositastherapie kann kaum richten, was die Prävention in Deutschland versäumt hat

Wenn Kinder zu dick werden

Adipositas ist kein Babyspeck, sondern riskant

K(l)eine Wonneproppen

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.