DAT 2016

Apotheker-Allianz gegen Retaxschikane

Berlin - 13.09.2016, 12:00 Uhr

Soll über den Antrag der Apotheker aus NRW abgestimmt werden, braucht er Unterstützer. (Foto: as / DAZ)

Soll über den Antrag der Apotheker aus NRW abgestimmt werden, braucht er Unterstützer. (Foto: as / DAZ)


Die AOK Rheinland/Hamburg setzt Apothekern bei Lieferdefekten zu. Allein der Vermerk der Sonder-PZN reicht der Kasse nicht. Sie verlangt Nachweise, sonst drohen Retaxationen. Einige Apotheker arbeiten nun an einem Antrag für den Deutschen Apothekertag, der diese Problematik aufgreifen soll.

Die AOK Rheinland/Hamburg führt seit Anfang September für alle abgegebenen Arzneimittel einen elektronischen Abgleich zwischen Defektmeldung des Herstellers und dem aufgedruckten Sonderkennzeichen durch. Sind diese nicht deckungsgleich, verlangt sie von den Apotheken Defekt-Meldungen der Hersteller oder Großhändler  – sonst droht die Retaxation. Eine Großhandels-Meldung muss dabei auf einer Erklärung des pharmazeutischen Unternehmers beruhen. Im Fall, dass nur der Großhändler allein für den Defekt verantwortlich ist, muss die Apotheke nachweisen, dass auch ein anderer Großhändler nicht liefern kann.

Für einige Apotheker aus Nordrhein ein Unding. Sie sind überzeugt: Die beliefernde Apotheke wird fast immer das Nachsehen haben und muss für die Ungenauigkeiten und Fehler in der gesamten Lieferkette das finanzielle Risiko tragen. Veit Eck, Inge Funke, Sandra Kruse und Claudia Meyer – Delegierte der Apothekerkammer Nordrhein beim Deutschen Apothekertag – sowie Gunnar Müller von der Kammer Westfalen-Lippe planen daher einen Antrag für den Deutschen Apothekertag. 

Weniger Repressalien, mehr Listen

Ihr Ziel: Die AOK Rheinland/Hamburg soll die unfaire Retaxierungspraxis sofort beenden. Zudem müsse für pharmazeutische Hersteller eine Meldepflicht zur Nichtlieferfähigkeit von in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln installiert werden. Auch der pharmazeutische Großhandel soll aufgefordert werden, den Zeitraum der Nichtlieferfähigkeit von Arzneimitteln in seinem Bereich in einer Datenbank zu erfassen und seinen Kunden zur Verfügung zu stellen. Auch ein Apotheken-eigenes Melderegister fordern die den Antrag planenden Apotheker. Dort solle jede Apotheke die Nicht-Lieferfähigkeit eines Arzneimittels melden können.

Noch wird an dem ersten Antragsentwurf gefeilt. Um diesen beim Deutschen Apothekertag einbringen zu können, setzt Veit Eck vor allem auf Unterstützung von Kollegen aus anderen Kammern und Verbänden. Die Delegierten der eigenen Kammer sind möglicherweise schwer zu überzeugen. Schließlich hat der Vorstand der AKNR entschieden, beim diesjährigen Apothekertag gar keine Anträge zu stellen.

Diefenbach will DAT aktuelles Defekt-Bild liefern

Ein potenzieller Unterstützer ist der Offenbacher Apotheker Hans Rudolf Diefenbach. Er legt bekanntlich seit Jahren den Finger in die Wunde, wenn es um Engpässe geht. Und er hat gar kein Verständnis, wenn die Kassen Apotheker gängeln, wenn die Defekte bei Rabattarzneien auftreten. Viele Rabattverträge seien schlicht nicht mehr umsetzbar, beklagt Diefenbach. Und die Repressalien der Kassen müssten ein Ende haben.

Um den geplanten Antrag in München gut vorbereitet unterstützen zu können, bittet er nun seine Apotheker-Kollegen bundesweit um Mithilfe. Sie sollen ihm ihre aktuellen Defekte melden, damit er auf der Jahreshauptversammlung die Ist-Situation darstellen kann. Wer Diefenbach dabei helfen will, kann seine Defektlisten per Fax (069 / 88 36 08) oder Mail an die Rosen Apotheke in Offenbach senden. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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5 Kommentare

..Korrektur?

von Dr. Christian Meisen am 15.09.2016 um 1:38 Uhr

Sehr geehrte Frau Sucker,
zwar hat der Vorstand der Kammer vor diesem Ding beschloßen keine Anträge zu stellen, wozu auch, wenn man sich die Ergebnisse der vergangenen Jahre ansieht.

ABER: Eine große Unterstützung durch die Delegierten der Kammer NR wird sicher sein. Wichtig ist nur, da es ein bundesweites Problem ist, daß möglichst viele Delegierte aus möglichst vielen Kammerbereichen mit als Antragssteller benannt sind. Der Abstimmungsprozeß läuft.........
Besonderen Dank an Veit Eck hierzu.

Da es in meiner Apotheke jetzt innerhalb einer Woche 4 x passiert ist, daß ein pharm. Hersteller eine passende Nichtlieferfähigigkeitserklärung weder dem GH noch uns überlässt, übersenden wir jetzt vorfallsbezoegen jeweils ein Fax an den AOK-Vorstandsvorsitzenden, den Pharm. Hersteller (fängt mit A an und hört mit o auf) , Ministerin Steffens (NRW) sowie dem Apothekerverband Nordrhein......
Wer so eine Vorlage nutzen möchte, wende sich bitte per mail an: info@apoth.net. Dort an mich oder meinen Kollegen und Verfasser Claus Rycken.
Danke für`s Lesen, kollgeiale Grüße
Christian Meisen

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Es reicht endgültig

von Karl Friedrich Müller am 13.09.2016 um 18:46 Uhr

Will man uns zwingen, unehrlich zu handeln, indem aufgedruckt wird, was nicht angegeben wurde, um dann wieder öffentlich auf uns herumzuhacken?
Das kann es nicht sein! Deshalb muss mit allen Mitteln endlich gegen die Kassenmafia vorgegangen werden. Sofort, ABDA !

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Lieferfähig und folgende Regressforderungen

von Heiko Barz am 13.09.2016 um 13:59 Uhr

Wovon reden wir eigentlich, wenn neue Retaxionen wieder mal anstehen und sichtbar wird, dass KKassen (AOK), andere werden im Erfolgsfall sofort folgen, eine selbstverursachte Problematik dem in diesem Fall völlig aussenstehenden Apotheker erpresserisch aufdrücken.
Klar ist doch, dass zwischen Rabattgebern ( Arzneifirma )und streng fordernden Rabattnehmern ( KKasse ) ein enger vertraglicher Zustand existiert. ( Vertriebsklauseln? )
Wenn nun eine industrierabattliefernde Arzneimittelfirma aus welchen Gründen auch immer ihren Liefervertrag gegenüber der KKasse nicht einhalten kann, so müßte doch diese Firma zwangsläufig finanziell zu Verantwortung gezogen werden, oder träume ich eventuell in einer anderen Dimension??
Im aktuellen Fall aber wird nun durch die von den KKassen beauftragten Retaxvasallen wiedermal ein Außenstehender auf infame Art und Weise zur Begleichung illegaler und maffiosstrukturierter Rechnungsbegleichung gezwungen!
Wo verstecken sich eigentlich die vielen, unverhältnismäßig hoch dotierten Justitiare von Kammern und Verbänden, die diesem elenden Horror Spuk endlich mal ein markantes Ende setzen müßten?
Möglicherweise aber ist es heute wichtiger, die fragwürdige Existenz von Firmen der Retaxvasallen höher zu bewerten als die, denen man das Geld abzupressen versucht.

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Eine Bearbeitungsgebühr löst das Problem ganz schnell,...

von Jan-Uwe Kreuschner am 13.09.2016 um 13:57 Uhr

Bei Verhandlungen begegnet man Forderungen am besten mit Gegenforderungen (normales Geschäftsgebaren) und versucht dann eine Einigung zu erzielen: Also lasst uns für jede unberechtigte, unsinnige oder nicht vertragskonforme Forderung, eine dem Aufwand angemessene Bearbeitungsgebühr verlangen (die Krankenhäuser haben dies in Teilbereichen schon lange). Der Übereifer der Krankenkassen wird dann schnell durch die Kostenbremse auf ein der Realität angemessenes Maß schrumpfen. Sprich unberechtigte Retaxationen müssen kostenpflichtig werden!

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Es tut sich was von unten

von Ulrich Ströh am 13.09.2016 um 13:42 Uhr

Adhoc-Anträge auf dem DAT sind sicher sinnvoll,
aber es wäre schon lange Aufgabe der Selbstverwaltung gewesen, für pragmatische Abhilfelösungen Konsens zu finden!

DAV:: Man wird immer so schlecht behandelt,wie man es zulässt....

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